Milchmänner-Rechnung

Von HANS-PETER EHRENSBERGERMilch macht mde Mnner munter. Mit solchen mehr oder weniger sinnigen Slogans versuchten vor

Von HANS-PETER EHRENSBERGER

Milch macht mde Mnner munter. Mit solchen mehr oder weniger sinnigen Slogans versuchten vor Jahren grn angehauchte Marketingexperten das weie Getrnk von (fr viele Stadtkinder damals schon) lila Khen dem starken Geschlecht und nicht nur diesem schmack-haft zu machen. Jetzt knnte man in Abwandlung eines anderen Werbespruchs fomulieren: Nicht die Milch, vielmehr der Markt machts. Und der treibt im Augenblick seltsame, um nicht zu sagen gar grausame Blten.

Whrend anderswo Menschen hungern, kippen deutsche Milchbauern tausende Liter des Nahrungsmittels in die Jauchegrube oder verfttern es an ihre Schweine. Eine Riesensauerei, ist man im ersten Moment versucht zu sagen. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille, eine oberflchliche Betrachtungsweise, die freilich das ganze ethische Dilemma offenbart, in dem sich die heimischen Landwirte seit geraumer Zeit befinden. Jeder von denen hat gewiss ein schlechtes Gefhl und Gewissen, wenn er Milch in die Glle schttet.

Doch auch bei den deutschen Bauern geht es ums nackte berleben, um die Zukunft zahlreicher Familienbetriebe, schlichtweg um die Sicherung ihrer Existenz. Es geht dabei um Dumping-Preise, die ihnen von einigen wenigen groen Supermarktketten diktiert werden. Es geht um einen brutalen Kostendruck, der ber die Molkereien durch die Discounter ausgebt wird. Die freuen sich ber den Reibach, den sie aufgrund des gesteigerten und hherwertigen Konsumverhaltens, beispielsweise seitens der Chinesen und Inder, machen knnen. Geht es bei der Achterbahnfahrt der Preise jedoch nach unten, dann zeigen sich die Konzerne gegenber den Erzeugern berhaupt nicht geners.

Die stehen schon lange mit dem Rcken an der Wand, fr ebenso lppische wie lcherliche 27 bis 35 Cent pro gelieferten Liter Milchs kann nmlich kein Bauer wirklich Kosten deckend produzieren. Bei diesem ungleichen Spiel der konomischen Krfte bleiben viele auf der Strecke, in erster Linie jedoch die Landwirte und Verbraucher. Letztere zeigen sich zwar kurzfristig berwiegend solidarisch mit den Anliegen der Agrarier, ob sie allerdings auf lngere Sicht dazu bereit sind, an den Supermarktkassen mehr fr ihre Milchtten zu berappen, darf bezweifelt werden.

Ebenso die Durchsetzung der gleichermaen unverblmten wie unverschmten Drohgebrde des Einzelhandelsverbands-Sprechers Hubertus Pellengahr, bei einem lngeren Liefer-Boykott der deutschen Bauern wrde die Milch dann halt mal eben aus dem benachbarten Ausland importiert. Auch die fremden Milchkannen knnten leer bleiben und bei uns das Fass endgltig zum berlaufen bringen. Am Ende wird mglicherweise eine Milchmnner-Rechnung stehen, die fr keinen so richtig aufgeht.

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