Früherer Sparkassen-Mitarbeiter veruntreut 8,9 Millionen Euro

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Sparkasse Oberhessen arbeitet eng mit Staatsanwaltschaft Gießen zusammen / Innerbetriebliche Maßnahmen

Vogelsbergkreis - Vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass ein inzwischen  fristlos gekündigter Mitarbeiter bei seinem früheren Arbeitgeber - die Sparkasse Oberhessen - mehrere Millionen Euro veruntreut hatte. Die Summe beläuft sich auf insgesamt 8,9 Millionen Euro, wie das Geldinstitut nun in einer Presseerklärung mitteilte.

Medienberichten zufolge befindet sich der 44 Jahre alte Beschuldigte seit Kurzem in Untersuchungshaft. Die Summe von 8,9 Millionen Euro biete nach Einschätzung der  Staatsanwaltschaft Gießen einen hohen Fluchtanreiz.

Der Vorstand der Sparkasse Oberhessen hatte den Verwaltungsrat im Rahmen einer turnusgemäßen Sitzung über den derzeitigen Stand ihrer Aufklärungsarbeit im aktuellen Untreuefall unterrichtet. Nach dessen Bekanntwerden hatte der Vorstand der Sparkasse angekündigt, „jedes Blatt umzudrehen“ und alles zu tun, was getan werden könne, um seinen Teil zur restlosen Aufklärung beizutragen. Zugleich stellte der Vorstand innerbetriebliche Maßnahmen und Konsequenzen vor, die bereits umgesetzt worden sind oder in Kürze folgen werden. Die Sparkasse bestätigte, der in der Sache ermittelnden Staatsanwaltschaft Gießen einen ausführlichen Zwischenbericht zugeleitet zu haben.

Der Vorstand unterrichtete den Verwaltungsrat und die Staatsanwaltschaft, dass bei der detaillierten Aufarbeitung des Untreuefalls durch die Interne Revision festgestellt wurde, dass der Beschuldigte seinen ehemaligen Arbeitgeber um 8,9 Millionen Euro betrogen habe. In diesem Zusammenhang betonte der Vorstand erneut, dass alles dafür getan werde, um möglichst die gesamte restliche Summe wieder zu erlangen. Das schließe auch Schadensersatzansprüche gegen den Beschuldigten ein.

Der Vorstand machte deutlich, dass die Sparkasse die erforderlichen Sicherungssysteme, wie sie von Banken und Sparkassen erwartet werden, selbstverständlich umsetze, der Beschuldigte diese aber ausgehebelt habe. Dass er seinen Arbeitgeber über so lange Zeit betrügen konnte, lag nach den Erkenntnissen des Zwischenberichts an seiner großen, langjährigen Erfahrung und Insiderkenntnissen, an seiner hohen kriminellen Energie, sich zu bereichern und die Sparkasse zu schädigen, und daran, dass er das von Mitarbeitern in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchte.

Aufgrund seines detaillierten Fachwissens, das er sich über viele Jahre aneignete, habe er ein System entwickelt und umgesetzt, mit dem er Geld der Sparkasse Oberhessen unbemerkt auf ein eigenes Konto bei einem anderen Institut umgeleitet habe. Maßgeblich war nach bisherigen Aufarbeitungen vor allem, dass der Beschuldigte bei seinen kriminellen Handlungen seine Autorität als Vorgesetzter und das hohe Vertrauen seiner Mitarbeiter in ihn als Führungskraft missbraucht und ausgenutzt habe. Das führte dazu, dass diese die vorgeschriebenen Kontrollaufgaben nicht bis in die letzte Konsequenz vorgenommen haben.

Dem Verwaltungsrat stellte der Vorstand eine Liste von Konsequenzen vor, die bereits umgesetzt worden seien oder sich in Umsetzung befinden. Maßgeblich bei allen Entscheidungen sei, dass die Kunden der Sparkasse darauf vertrauen könnten und müssten, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen werde.

Nach den Erkenntnissen durch die Aufarbeitung der letzten Wochen, in denen fast rund um die Uhr Buchungen geprüft worden seien, war es für die Sparkasse nach der sofortigen, fristlosen Kündigung des Beschuldigten geboten und unvermeidlich, weitere personelle Konsequenzen zu ziehen. Der direkte Vorgesetzte des Beschuldigten, der zugleich auch stellvertretendes  Vorstandsmitglied ist, wurde freigestellt. Eine Mitarbeiterin werde die Sparkasse verlassen, drei weitere Beschäftigte übernähmen andere Tätigkeiten in der Sparkasse. Außerdem setze die Sparkasse personell auf Verstärkungen von außen und habe zwei neue Fachkräfte eingestellt.

Zudem gehe der Vorstand bei seinen Sicherungssystemen zukünftig über die bestehenden Anforderungen hinaus. Er habe Kontrollaufgaben aus dem Rechnungswesen in eine neu geschaffene Organisationseinheit in einem anderen Unternehmensbereich verlegt und somit eine separate Kontrollstelle eingerichtet. „Auch wenn hier mit einmalig hoher krimineller Energie vorgegangen wurde, wollen wir dennoch alles uns Mögliche tun, um einen solchen Vorgang für die Zukunft auszuschließen“, so der Sparkassen-Vorstand.

Der Verwaltungsrat begrüßte die bisherigen Anstrengungen, den Fall komplett aufzuarbeiten, und die eingeleiteten Maßnahmen. „Es ist wichtig, dass das Geschehene vollumfänglich und schonungslos aufgearbeitet wird und dass der Vorstand konsequent durchgreift, damit sich ein solcher Betrugsfall nicht wiederholt. Wir begrüßen die getroffenen Maßnahmen, die aus unserer Sicht notwendig sind, um das Vertrauen in die gesamte Sparkasse wiederherzustellen“, so der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Manfred Görig, und sein Stellvertreter, Joachim Arnold.

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