Millionen Haustiere in den Wohnzimmern

Werden Haustiere, die in der Coronazeit angeschafft wurden, nun vermehrt ausgesetzt oder in den Tierheimen abgegeben? Regionale Tierschützer sehen diesbezüglich noch keinen Trend.
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Werden Haustiere, die in der Coronazeit angeschafft wurden, nun vermehrt ausgesetzt oder in den Tierheimen abgegeben? Regionale Tierschützer sehen diesbezüglich noch keinen Trend.

Die Corona-Pandemie hat einen Haustier-Boom ausgelöst

Osthessen. Innerhalb von einem Jahr hat sich die Zahl der Haustiere in deutschen Haushalten um fast eine Million erhöht, wie der „Industrieverband Heimtierbedarf „ IVH) und der „Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands“ ZFF) mitteilen. Damit gibt es nun fast 35 Millionen Hunde, Katzen, Wellensittiche, Hamster, Meerschweinchen, Mäuse und mehr in den deutschen Haushalten.

Laut den beiden Verbänden ist das beliebteste Haustier in 2020 die Katze geblieben 17,5 Millionen), gefolgt von 10,7 Millionen Hunden, fünf Millionen Kleintieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern oder Mäusen sowie 3,5 Millionen Ziervögeln. Außerdem hielten die Deutschen ungezählte Fische in 1,4 Millionen Gartenteichen und 1,8 Millionen Aquarien sowie Reptilien in 1,3 Millionen Terrarien.

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen den Wunsch nach einem Haustier ausgelöst. „Zu Beginn der Coronazeit hatten wir einen starken Anstieg bei der Vermittlung von Hunden und Katzen. Dieser hielt bis Februar dieses Jahres an“, heißt es auf Anfrage von FULDA AKTUELL vom Tierheim Lauterbach.

Anita Burck, die inzwischen beim Landestierschutzverband Hessen“ aktiv ist, sagte bereits vor einiger Zeit zu unserer Zeitung: „Die Überlegung, für die Kinder ein Meerschweinchen oder einen Hamster anzuschaffen, sollte wohl durchdacht sein. Der Hamster ist nachtaktiv, möchte also bei Tag schlafen und nicht bespaßt werden. Außerdem sind Nager sehr geräuschempfindliche Tiere, die in einem Kinderzimmer mit einer dröhnenden Spielkonsole keine artgerechte Haltung hätten. Der Hund ist je nach Rasse sicherlich robuster. Aber auch er hat Anspruch auf einen verantwortungsbewussten Umgang, sprich Bewegung und Beschäftigung. Er könnte bei Kindern und Erwachsenen für einen Ausgleich nach einem Tag im Homeoffice und Homeschooling sorgen.“

Beim Tierschutz Hünfeld hat die Coronapandemie „einen regelrechten Boom ausgelöst“, wie die Vorsitzende Renate Beutler unserer Zeitung mitteilte. Dort ist man vor allem auf Katzen spezialisiert. „Unsere Hoffnung ist, dass die vielen Tiere, wenn die Pandemie vorbei ist, genauso geliebt und betreut werden wie jetzt und nicht abgeschoben werden“, so Beutler.

Laut dem Tierheim Lauterbach wurden in der Corona-Pandemie bisher nicht mehr Tiere als üblich abgegeben. „Es wurden in dieser Zeit zwei Hunde hergebracht. Hierbei handelte es sich wahrscheinlich tatsächlich um Coronabedingte Anschaffungen. Bei beiden Hunden waren die Besitzer augenscheinlich überfordert“, so Christina Scheer vom Vorstand des Lauterbacher Tierheims. Dort können maximal 20 Hunde und 80 Katzen aufgenommen werden. Während der Coronazeit seien diese Kapazitäten kein einziges Mal überschritten worden. „Wir hatten noch nie so wenige Tiere, teilweise unter 20 Katzen“, so Scheer.

Sollten die Möglichkeiten doch einmal erschöpft sein, so verweise das Tierheim Lauterbach an die umliegenden Tierheime. Generell rät der Verein Interessenten, einen Hund aus dem Tierschutz zu nehmen, anstatt einen Züchter aufzusuchen oder gar illegal Welpen aus dem Ausland zu kaufen. „Leider wollen viele Menschen nur einen Welpen. Diese sind im Tierschutz nur selten zu finden“, sagt Scheer. „Die Menschen wollen Hunde, aber nicht viel Geld dafür bezahlen“, so die Vorsitzende. Dadurch werde die Welpenzucht im Ausland gefördert, da diese Hunde häufig günstiger angeboten würden. „Die Tiere sind aber leider häufig krank und das Geld was man beim Kauf spart, geht dann beim Tierarzt drauf“, konstatiert Scheer.

„Die Mitarbeiter haben inzwischen ein gutes Gespür, ob ein Tier gegen den „Coronablues“ angeschafft wird oder ob es hier wirklich um eine Partnerschaft fürs Leben zwischen Mensch und Tier geht. Man führt lange Gespräche, trifft sich gegebenenfalls corona-konform, um alles abzuklären“, sagt Burck. Gerade bei der Anschaffung eines Hundes müsse gut überlegt sein, wer sich um den Hund kümmert, wenn man selbst wieder voll im Büro und nicht mehr im Homeoffice arbeitet. „Die Tiere haben eine Bindung zu ihren Menschen und möchten nicht wieder abgegeben werden, nur weil die Lebensumstände dann nicht mehr passen, beispielsweise wegen des Jobs oder auch Urlaubsreisen“, so Burck.

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