Missbrauchsprozess: Drei Jahre, vier Monate Haft

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Aufnahme vom Prozessauftakt

Urteil gegen 82-Jährigen aus Neuhofer Ortsteil wegen sexuellen Vergehens an Enkeln

Fulda - Vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Fulda hatte Ende März der Prozess gegen einen 82-Jährigen aus einem Neuhofer Ortsteil begonnen. Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken warf dem Rentner schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Der Angeklagte, der von Rechtsanwältin Julia Heieis vertreten wurde, soll zwischen dem 1. Januar 1996 und 31. August 2006 in mindestens 123 Fällen zwei seiner 1989 und 1997 geborenen Enkelinnen immer wieder sexuell missbraucht haben. Am Dienstagnachmittag wurde das Urteil gesprochen: Drei Jahre und vier Monate.

Ursprünglich sollte bereits Anfang Mai das Strafmaß gegen den 82-Jährigen verkündet werden, doch hatten sich während einer Verhandlung neue Zeugen bei Gericht gemeldet, die gehört werden mussten ("Fulda aktuell" berichtete mehrfach).  

Auch die Plädoyers hatten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Anklagevertreterin Meeuw-Wilken hatte 72 Fälle des sexuellen Missbrauchs und zwei Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs für erwiesen erachtet und eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten beantragt. Rechtsanwältin Heieis dagegen hatte "einen Tatnachweis jenseits vernünftiger Zweifel nicht für geführt" erachtet und Freispruch gefordert.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Joachim Becker verurteilte den Mann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen in insgesamt neun Fällen. Das Strafmaß sei "ausreichend und unbedingt erforderlich", so Becker. Das Gericht billigte dem 82-Jährigen verminderte Schuldfähigkeit wegen Alterspädophilie zu, zudem sei bei dem Mann aufgrund eines Schlaganfalls eine Wesensveränderung deutlich geworden. Die Steuerungsfähigkeit sei jedoch gegeben.

Gleichwohl seien die Auskünfte der Opfer vor Gericht überzeugend gewesen und hätten keine Merkmale von Falschaussagen besessen. Sie seien vielmehr zurückhaltend und glaubwürdig gewesen, es habe keinerlei Übertreibungen gegeben. Auch ein mögliches Rachemotiv scheide aus; hierzu fehlten jegliche Anhaltspunkte. 

Die eine Enkelin habe sich erst zum Ende der Grundschulzeit ihrer Mutter offenbart, und während einer Zusammenkunft des Familienrates sei deutlich geworden, dass auch die beiden Enkel des heute 82-Jährigen unter Missbrauch seitens ihres Großvaters gelitten hätten. Weil dieser aber Therapiegespräche begonnenund man öffentliche Bloßstellung befürchtet habe, sei aus Scham geschwiegen worden.

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