MIT-Bundesvorsitzender für eine „Mentalität des Machens“

Dr. Carsten Linnemann ist seit Herbst 2013 Bundesvorsitzender der „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“ .
+
Dr. Carsten Linnemann ist seit Herbst 2013 Bundesvorsitzender der „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“ .

„Fulda aktuell“-Interview mit Dr. Carsten Linnemann, Chef der „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“

VON BERTRAM LENZ

Fulda/Berlin. Dr. Carsten Linnemann steht seit Herbst 2013 der „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“ MIT) als Bundesvorsitzenden vor. Der 1977 in Paderborn Geborene ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ stand der Diplom-Volkswirt gerne für ein Interview zur Verfügung.

FULDA AKTUELL: Sie stehen der „MIT Deutschland“ seit 2013 vor. Wie haben sich Politik und Wirtschaft in diesen acht Jahren verändert?

CARSTEN LINNEMANN: Die „MIT“ hat einiges durchsetzen können. Ich denke da an die Flexirente, die Abschaffung der kalten Progression oder die Wiedereinführung des Meisterbriefs. Die „MIT“ wollte fraglos mehr. Bis heute fehlen die großen Reformen. Stattdessen waren wir in den vergangenen Jahren ständig im Krisenmodus unterwegs. Erst die Eurokrise, dann die Flüchtlingskrise und seit 18 Monaten die Corona-Krise. Eigentlich müsste jetzt allen in diesem Land klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Das hat nicht zuletzt Corona gezeigt. Wir brauchen dringend eine Staatsreform, die vor nichts Halt macht. Das föderale Zuständigkeitswirrwarr muss beendet und Verantwortlichkeiten klar verteilt werden. Wir müssen auf allen Ebenen schneller, einfacher und digitaler werden. Wir brauchen eine Mentalität des Machens.

FA: Wird es der mittelständischen Wirtschaft gelingen, die Corona-Krise hinter sich zu lassen und gestärkt daraus hervorzugehen?

LINNEMANN: Die Wirtschaft ist bereits auf einem guten Weg. Entscheidend wird jetzt aber sein, dass die nächste Bundesregierung Freiräume für den Mittelstand schafft und keine neuen Belastungen. Daneben braucht es einen Deutschland-Plan für mehr Freiheit und Verantwortung.

FA: Was bezwecken Sie mit Ihrem „Deutschland-Plan für mehr Freiheit und Verantwortung“?

LINNEMANN: Mit diesem Plan wollen wir raus aus der Komfortzone und einen echten Neuanfang wagen. Dazu haben wir eine Reihe konkreter Vorschläge gemacht: Der Staat sollte sich etwa wieder auf seine Kernaufgabe als Regelsetzer konzentrieren. Das heißt, wir müssen schnell raus aus den Staatsbeteiligungen bei „Lufthansa“, „Commerzbank“ und Co. Zu unserem Deutschland-Plan gehören außerdem ein Entfesselungs- und Entlastungspaket, eine Amtszeitbegrenzung für herausragende Staatsämter, eine Abschaffung der innovationsfeindlichen EEG-Umlage, eine Deckelung der Sozialabgaben und vieles mehr. So schaffen wir mehr Freiräume für Innovationen und Zukunft.

FA: Wie steht es um den Nachwuchs bei der „MIT Deutschland“?

LINNEMANN: Die „MIT“ ist lebendig und agil. Jedes Jahr treten Hunderte neue politisch engagierte Bürger unserer Vereinigung bei. So halten wir unsere Mitgliederzahl seit Jahren stabil bei etwas unter 25.000 – und das trotz der schwierigen Corona-Phase und der allgemein rückläufigen Mitgliederentwicklung der großen Parteien.

FA: Welche Verbindungen gibt es bei Ihnen zum „MIT-Kreisverband Fulda“?

LINNEMANN: Der Kreisverband Fulda ist ein Vorzeigeverband der „MIT“, und das nicht nur, weil er seit Jahren zu den Top 3 unserer mitgliederstärksten Kreisverbände gehört. Die „MIT Fulda“ ist ohne Zweifel auch einer unserer aktivsten Kreisverbände. Davon konnte ich mich schon einige Male persönlich vor Ort überzeugen. Es ist schon beeindruckend zu sehen, was das Team um Jürgen Diener im Wochentakt– jetzt im Wahlkampf beinahe täglich – auf die Beine stellt.

FA: Die Bundestagswahl am 26. September steht vor der Tür. Mit welchen Chancen geht die CDU mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet in die Wahl?

LINNEMANN: Die Union hat ein überzeugendes Regierungsprogramm verabschiedet, mit dem uns der Aufbruch in ein Modernisierungsjahrzehnt gelingen kann. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Wahltag viele Menschen im Land von uns überzeugen werden. Allerdings müssen wir bis dahin offensiver unsere Ideen präsentieren und klarmachen, was wir wollen - und was nicht. Die Union hat viele kluge Köpfe, auch die sollten wir stärker in den Blickpunkt rücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Mit Maske, Abstand und Test – oder ohne alles?
Fulda

Mit Maske, Abstand und Test – oder ohne alles?

2G oder 3G: Welche Corona-Regelungen jetzt in Hessen gelten
Mit Maske, Abstand und Test – oder ohne alles?
Corona: Sollten Kinder geimpft werden?
Fulda

Corona: Sollten Kinder geimpft werden?

Nichts beschäftigt Familien aktuell wohl mehr als die Frage, ob ihre Kinder gegen Corona geimpft werden sollten. Um diese Frage zu klären, hatte „Fulda aktuell“ den …
Corona: Sollten Kinder geimpft werden?
Verdacht auf Untreue: Ermittlungen gegen Dr. Arnold
Fulda

Verdacht auf Untreue: Ermittlungen gegen Dr. Arnold

Verdacht auf Untreue: Ermittlungen gegen Dr. Arnold
Verdacht auf Untreue: Ermittlungen gegen Dr. Arnold
Hilfestellungen:Betreuung und Beratung für Obdachlose
Fulda

Hilfestellungen:Betreuung und Beratung für Obdachlose

Fulda. "Präsent sein, Geduld haben und langsam ein Vertrauensverhältnis zu den Bewohnern aufbauen" – so beschreibt Thorsten Hammer von d
Hilfestellungen:Betreuung und Beratung für Obdachlose

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.