Mutmaßlicher Entführer des Würth-Sohnes gefasst

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Massives Polizeiaufgebot am Tag der Entführung auf dem Areal des Hofgutes Sassen

Festnahme eines 48-Jährigen in Offenbach / Täterprofil war nach Tonbandaufzeichnung erstellt worden

Schlitz - Das Drama ging gerade noch einmal gut aus für den entführten Markus Würth. Der damals 50-jährige Sohn von Reinhold Würth, Inhaber der gleichnamigen Schrauben-Dynastie aus dem schwäbischen Künzelsau, war am 17. Juni 2015 von der Behinderteneinrichtung des Hofgutes Sassen bei Schlitz verschleppt worden, in dem er seit rund 30 Jahren wegen eines Impfschadens mit einem Handicap lebte.

Nach umfangreichen Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft befreite eine Eliteeinheit der Polizei den Entführten wohlbehalten in einem Waldgebiet des Guttenberger Forstes in Höchberg bei Würzburg, gut 100 Kilometer vom Tatort im Vogelsberg entfernt.

Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft Gießen und Polizeipräsidium Osthessen vom Mittwochnachmittag ist der mutmaßliche Entführer nun in Offenbach gefasst worden. Danach handele es sich um einen 48 Jahre alten serbisch-montenegrinischen Staatsangehörigen.

Nach seiner Festnahme durchsuchten Beamte der bereits seit 2015 bei der Kriminaldirektion des Polizeipräsidiums Osthessen bestehenden Sonderkommission die Wohnung des Mannes nach Beweismitteln. Der Beschuldigte wurde unterdessen zum Polizeipräsidium Osthessen nach Fulda gebracht und dort polizeilich vernommen.

Die Staatsanwaltschaft hat beim Gießener Amtsgericht gegen den Mann Untersuchungshaft wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes und Fluchtgefahr beantragt. Der Ermittlungsrichter setzte den Haftbefehl in Vollzug. Der Beschuldigte befindet sich nun in einer hessischen Justizvollzugsanstalt.

Kurz nach Bekanntwerden der Entführung war ein Großeinsatz der Polizei im Vogelsbergkreis und im benachbarten Unterfranken angelaufen. Das Gelände und die Zufahrtsstraßen zum Hofgut Sassen waren  weiträumig abgesperrt, am Boden fuhren dutzende Polizeifahrzeuge, in der Luft kreisten Hubschrauber, zudem waren Suchhunde im Einsatz. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Gießen sprachen zunächst von einem Vermisstenfall. Um die Such- und Fahndungsmaßnahmen nicht zu gefährden, wurde eine Nachrichtensperre verhängt.

Die Übergabe des Lösegeldes für Markus Würth war damals gescheitert; eigentlich hatte das Lösegeld in Höhe von drei Millionen Euro  nachts im Bereich der Autobahn (A) 3 im erwähnten Guttenberger Wald bei Würzburg übergeben werden sollen.

Nach dem Entführer war unter anderem auch in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" gefahndet worden. Wichtigste Spur war eine Tonbandaufzeichnung mit der Stimme des Erpressers. Sprachwissenschaftler hatten die gesprochenen Worte, sprachliche Eigenheiten sowie den Akzent analysiert und darauf aufbauend gemeinsam mit den Strafverfolgungsbehörden ein Täterprofil erstellt.

Danach handelte es sich bei dem Sprecher um einen 40 bis 52 Jahre alten Mann, der mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Ländern Serbien, Kosovo, Montenegro oder Mazedonien geboren und aufgewachsen ist. Er ist vermutlich bereits vor dem Jahr 2001 nach Deutschland eingereist und hatte mehrere Jahre seinen privaten oder beruflichen Lebensmittelpunkt im Großraum Frankfurt und Offenbach am Main.

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