Mit Muttizettel:  Wenn die Kinder zur ersten Party gehen möchten

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Wenn Kinder zu ihren ersten Partys gehen möchte ruft das häufig einen Konflikt zwischen ihnen und den Eltern vor.

Fulda - Zu jung für die Party? – „Fulda aktuell“-Praktikantin Deborah Mack kennt das Problem. Die heute 16-Jährige wollte mit 15 zu Partys, die laut Gesetzgeber erst ab 16 Jahren erlaubt sind. „Ich wollte Erfahrungen sammeln und mich mit meinen Freunden treffen“, begründet sie ihren Wunsch. In ihrem Freundeskreis sei es ganz normal, dass auch unter 16-Jährige auf Partys gehen. „Meine Eltern sind da auch etwas strenger als andere. Ich durfte nur mit einer Begleitperson auf solche Veranstaltungen, und spätestens um 1 Uhr musste ich wieder zu Hause sein“, erklärt sie. Diese Regelung gelte heute noch.

Das Problem betrifft viele Heranwachsende, gerade jetzt zur Kirmeszeit. Das traditionelle Fest wird in unserer Region groß geschrieben. Für Jugendliche ist die Kirmes meist die erste Möglichkeit, auf eine „Party“ zu gehen. Dabei stehen Eltern von unter 16-Jährigen vor einem Problem: Ihre Kinder dürfen laut Gesetzgeber nicht ohne einen Personensorgeberechtigten oder Erziehungsbeauftragten (siehe Hintergrund) zu diesen Veranstaltungen. Das heißt, Eltern müssen ihre Kinder zu diesen Veranstaltungen begleiten oder eine volljährige Begleitperson für ihr Kind finden, die verantwortungsbewusst mit dieser Aufgabe umgeht. Die Übertragung dieser Aufsichtspflicht kann schriftlich durch sogenannte „Muttizettel“ erfolgen. Jedem Veranstalter und Gewerbetreibenden steht es dennoch frei, dieses Schriftdokument nicht anzuerkennen und einen Eintritt zu verweigern.

Was ist mit Alkohol?

Der Konsum von Branntwein oder branntweinähnlicher Getränke ist laut der Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Osthessen nur in Begleitung von einer personensorgeberechtigter Person erlaubt. „Ich darf auch etwas trinken, aber ich muss meine Grenzen einhalten“, schildert Deborah Mack. Schon häufiger habe sie gesehen, dass deutlich Jüngere völlig betrunken umher liefen. „Menschen, die ihre Grenzen nicht kennen, empfinde ich als schwierig. Man kann sich dann nicht darauf verlassen, dass Freunde einen sicher nach Hause bringen“, erklärt Mack. Grundsätzlich gilt, dass diejenigen, die einem Jugendlichen Alkohol geben oder es zulassen, dass sie ihn trinken, bestraft beziehungsweise verwarnt werden. Das sind in der Regel der Veranstalter, Thekenkräfte, Bedienungen aber auch private Personen. Auch die erwachsenen Begleitpersonen können bestraft werden, wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen und das Fehlverhalten des Jugendlichen vorsätzlich fördern.

Die Präventionsbeamten des Polizeipräsidiums Osthessen: „Eltern sollten ihre Kinder stark machen, Gefahren besprechen und mögliche Konsequenzen festlegen. Sie sollten ihren Kindern vertrauen und sie dieses Vertrauen auch spüren lassen.“


Hintergrund: Wer ist Erziehungsbeauftragter?
Erziehungsbeauftragt kann jede volljährige Person sein, wenn sie im Einverständnis mit den Eltern (Mutter oder Vater) Erziehungsaufgaben tatsächlich wahrnimmt – sie muss freilich im Rahmen der übertragenen Aufgabe Aufsichtspflichten nachkommen können, also in der Lage sein, die anvertrauten jungen Menschen zu leiten und zu lenken.

Zwischenruf: Erfahrungen machen

Ich glaube in jeder Familie geschieht es irgendwann: die Diskussion über das Feiern gehen. Der Besuch von Partys gehört genauso zum Erwachsen werden, wie das Lernen in der Schule. Gefühlt werden Kinder und Jugendliche heute schneller erwachsen als früher. Doch sind wir mal ehrlich: Wer ist früher nicht auf die Dorfdisco gegangen oder hat sich irgendwo rein geschlichen, obwohl man vom Gesetz her noch gar nicht mitfeiern durfte? Auch die heutige Jugend sollte ihre Erfahrungen machen dürfen. Natürlich sind Regeln für solche Veranstaltung wichtig. Ich finde es gut, wenn die jüngeren Partybesucher von älteren verantwortungsbewussten Personen begleitet werden. Allein würde ich mein Kind auch nicht auf die Kirmes im Dorf lassen. Auch ich durfte meine ersten Partyerfahrungen mit meinen älteren Schwestern machen. Gut behütet wurde ich an diese neue Welt ran geführt. Für meine Eltern war es beruhigend, dass ich nicht mit irgendwem unterwegs war. Erfahrungen mit dem Thema Alkohol gehören auch dazu. Zwar denke ich, dass unter 18-Jährige keinen „harten“ Alkohol wie Schnaps zu trinken haben, aber ein Bier oder Radler sollte auch mal drin sein. In einem gewissen Alter müssen auch mal Erfahrungen gemacht werden. Ich denke jeder sollte Verständnis für einen jungen Menschen haben, wenn er mal über seine Grenzen geht und danach daraus gelernt hat. Das ist mir lieber, als die Endzwanziger die heute noch im Club „stehen“ und sich bis zur Bewusstlosigkeit vollsaufen. Peinlich! In diesem Alter sollte man doch seine Grenzen kennen.

Mit Vertrauen und Regeln sollte es auch für unter 16-Jährige die Möglichkeit geben, gemeinsam mit Freunden Erfahrungen zu sammeln. Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit hatte.

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