Nach dem Aus für "Galeria Kaufhof" in Fulda: Interview mit OB Wingenfeld

2016, zum 80-jährigen Bestehen des Kaufhauses, schnitt OB Wingenfeld (links) noch gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer Robert Weber eine große Torte an und verteilte sie gemeinsam mit Restaurantleiterin Maria Winski an die Gäste.

"Neue Perspektiven für diesen erstklassigen Standort entwickeln"

Fulda . Seit Monaten schon bangen die Beschäftigten der Warenhauskette „Galeria Karstadt Kaufhof“ auch in Fulda um ihre Arbeitsplätze. Am vergangenen Freitag gab der Konzern schließlich bekannt, welche Warenhäuser keine Zukunft mehr haben. Dann stand fest, dass die „Galeria Kaufhof“-Filiale in der Fuldaer Rabanusstraße am Ende Oktober geschlossen wird. Betroffen sind etwas über 60 Mitarbeiter. „Karstadt“ am Uniplatz bleibt dagegen erhalten. Unter dem Namen „Kaufhaus Kerber“ wurde die „Galeria Kaufhof“-Filiale 1936 in der Marktstraße eröffnet, 1958 zog das Kaufhaus an seinen heutigen Standort in der Rabanusstraße.

Im Interview äußert sich Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zu der Situation und auch zur weiteren Entwicklung der Innenstadt.

FULDA AKTUELL: Wann haben Sie, Dr. Wingenfeld, erfahren, dass der Fuldaer Standort der „Galeria Kaufhof“ geschlossen werden soll?

OB HEIKO WINGENFELD: Ich habe wie wohl die meisten Fuldaerinnen und Fuldaer erst am vergangenen Freitag aus den Medien von der Schließung der „Kaufhof“-Filiale erfahren.

FA: Hat es im Vorfeld Gespräche mit der Unternehmensleitung von „Galeria Karstadt Kaufhof“ gegeben? Wenn ja, mit welchem Resultat?

WINGENFELD: Es gab in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren zahlreiche Gespräche mit den Fuldaer Filialleitungen sowie mit Konzernvertretern. Bis zuletzt war dort immer wieder signalisiert worden, dass es gute Chancen gebe, beide Standorte in Fulda zu erhalten. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Zudem hat es in den vergangenen Wochen auch mehrere Gespräche mit Arbeitnehmervertretungen der beiden Häuser gegeben.

FA: Wie schwerwiegend ist die Schließung des traditionsreichen Geschäftes („Kerber“) für die Innenstadt?

WINGENFELD: Das ist ein gravierender Einschnitt. Seit mehr als 60 Jahren hat das Kaufhaus am jetzigen Standort das Bild der Fuldaer Innenstadt geprägt und war beliebter Einkaufsort für Bürgerinnen und Bürger sowie Touristen. Die angekündigte Schließung bedeutet natürlich auch einen gewaltigen Schlag für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich stark mit dem Haus identifiziert haben. Gleichzeitig sind wir erfreut, dass mit dem „Karstadt“-Warenhaus am Universitätsplatz zumindest ein Standort als Frequenzbringer und attraktiver Einkaufsort erhalten bleibt. Ein Leerstand dieser Immobilie wäre sicher problematisch gewesen.

FA: Was muss nun getan werden, um die Folgen der Schließung abzufedern?

WINGENFELD: Was die Gebäude anbelangt, bin ich zuversichtlich, dass es gelingen wird, neue Perspektiven für diesen erstklassigen Standort zu entwickeln, um die Einkaufsstadt Fulda weiterhin attraktiv zu halten. Und was die Schicksale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeht, gehe ich davon aus, dass die Sozialpartner eine Lösung aushandeln werden, die gerade für die langjährigen Beschäftigten Härten abfedern kann. Die Stadt tut derzeit einiges, um die Branche in der Innenstadt gerade in der Corona-Krise zu stützen und neue Perspektiven für Handel und Gastronomie zu eröffnen.

FA: Gibt es Ihrer Kenntnis zufolge bereits Interessenten für den Gebäudekomplex?

WINGENFELD: Dafür ist die Entwicklung nach meiner Einschätzung noch zu frisch.

FA: Wen würden Sie sich ganz persönlich an diesem Standort wünschen?

WINGENFELD: Der „Galeria-Kaufhof“-Standort in bester Lage zwischen Rabanusstraße, Bahnhofstraße und Lindenstraße bietet ganz sicher eine Vielzahl von Entwicklungsperspektiven, ob als Gesamtstandort oder auch in seinen einzelnen, historisch gewachsenen Bestandteilen. Ganz sicher wäre es wünschenswert für die gesamte Innenstadt, wenn es gelänge, an diesem prominenten Ort einen oder mehrere starke Frequenzbringer zu etablieren.

FA: Die „IHK“ hat ein Konzept für die Innenstadt gefordert. Gibt es hierzu bereits Überlegen, und wie könnte solch ein Konzept aussehen?

WINGENFELD: Solche Konzepte verfolgt die Stadt seit vielen Jahren. Kulturelle oder touristische Formate wie der Musicalsommer oder der Weihnachtsmarkt sind ganz wichtige Bausteine für die Stärkung der Innenstadt. Auch unsere erfolgreiche Bewerbungen um den Hessentag 2021 und die Landesgartenschau 2023 kann man vor diesem Hintergrund betrachten. Gleichzeitig unterstützt die Stadt engagiert über den „Verein Citymarketing“ die örtlichen Händler und stand beispielsweise auch bei der Entstehung eines „Business Improvement District“ (BID) in der Bahnhofstraße Pate – ein Modell, das auch in anderen Innenstadtquartieren Schule machen könnte. Natürlich sind wir gerne gemeinsam mit der „IHK“ bereit, neue Ideen aufzugreifen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Unvermittelt mit Flasche zugeschlagen: Gefährliche Körperverletzung in Fulda

32-Jähriger bei Vorfall am frühen Samstagmorgen verletzt
Unvermittelt mit Flasche zugeschlagen: Gefährliche Körperverletzung in Fulda

"Baucentrum Leinweber" in Dorfborn feiert 20-Jähriges und Neueröffnung nach Umbau

Großes Gewinnspiel am Montag und Dienstag für die Kunden
"Baucentrum Leinweber" in Dorfborn feiert 20-Jähriges und Neueröffnung nach Umbau

Pedelec-Fahrer nach Unfall verstorben

Auf einem Waldweg außerhalb von Rebgeshain kam es zu einem schweren Verkehrsunfall: 55-jähriger Lautertaler verstorben.
Pedelec-Fahrer nach Unfall verstorben

Dr. Stefan Heck ist neuer Vorsitzender des Stiftungsrates von Point Alpha

Hessischer Staatssekretär folgt auf den Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld
Dr. Stefan Heck ist neuer Vorsitzender des Stiftungsrates von Point Alpha

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.