Nach Genua: Wie sieht es mit dem Zustand der Brücken in Osthessen aus?

Die „Thalaubach-Talbrücke“ der A 7 während der Fertigstellung im Jahr 1967.
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Die „Thalaubach-Talbrücke“ der A 7 während der Fertigstellung im Jahr 1967.

Das Brückenunglück in Genua hat aufgerüttelt. Könnte sich etwas ähnliches auch in Osthessen ereignen?

Fulda - Die Katastrophe von Genua hat auch den Blick auf die Brücken hierzulande gelenkt. „Fulda aktuell“ hat bei „Hessen Mobil“ nachgehakt, wie es um die Brückenbauwerke in Osthessen bestellt ist. Das Thema war auch Ende Juli ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt, als das Jubiläum „50 Jahre Rhönlinie der A 7“ anstand. Dabei war unter anderem ein Gutachten für die „Thalaubach-Talbrücke“ bei Döllbach aus dem Dezember 2017 zitiert worden, wonach das Bauwerk kurzfristig verstärkt werden müsse.

Nicht zuletzt aus diesem Grunde hatten im April 2018 bauliche Maßnahmen am Unterbau der Brücke begonnen. Dafür und für den geplanten Abriss und Neubau sind rund 48 Millionen Euro notwendig. Außerdem müssen „Hessen Mobil“ zufolge auf den 60 hessischen Kilometern der A 7 zwischen dem Hattenbacher Dreieck und der Landesgrenze zu Bayern unter anderem folgende Brücken saniert werden: „Talbrücke Langenschwarz“ für 26 Millionen Euro ab 2019; „Brücke Götzenhof“ für zehn Millionen Euro ab 2020; „Thalaubrücke Döllbach“ für 48 Millionen Euro ab 2022; „Fuldabrücke Welkers“ (noch keine Kosten) ab 2024; „Talbrücke Uttrichshausen“ (noch keine Kosten) ab 2024; „Talbrücke Großenmoor“ für 15 Millionen Euro ab 2027.

 

Fulda aktuell: Welche Brücken in Hessen sind in einem „kritischen“ Zustand?

Hessen Mobil:

Von den 369 Bauwerken gibt es 55 Bauwerke, die ständig überwacht werden. Der Großteil davon (49) auf Autobahnen. Das heißt, bei diesen Brücken schauen wir sehr genau hin, wie sich der Zustand entwickelt, um im Fall der Fälle auch kurzfristig eingreifen zu können. Für Brückenbauwerke ist nicht nur die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Anteil des Güterverkehrs in den letzten Jahrzehnten überproportional zugenommen hat. Aktuelle Prognosen weisen auf weitere Steigerungen hin. Zurückblickend haben sich in den letzten 50 Jahren die zulässigen Gesamtgewichte für Lkw von 24 auf 44 Tonnen nahezu verdoppelt, die zulässigen Achslasten wurden von sieben auf 11,5 Tonnen angehoben, was die Brücken vorzeitig altern und verschleißen lässt. Der Streusalzeinsatz ab den 1970er Jahren ist ein weiterer verantwortlicher Faktor für gravierende Schäden an Bauwerken mit den möglichen Folgen von Nutzungseinschränkungen.

 

FA: Wie werden Brücken in Hessen geprüft?

Hessen Mobil:

Brücken und insbesondere Autobahnbrücken in Hessen unterliegen einem besonderen engmaschigen Kontrollsystem, damit Schäden und Beeinträchtigungen frühzeitig entdeckt werden und „Hessen Mobil“ entsprechend eingreifen und reagieren kann. Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine Zwischenprüfung. Zudem werden Ingenieurbauwerke jedes Jahr vor Ort besichtigt und mindestens zweimal jährlich erfolgt die Bauwerksbeobachtung im Zuge der Streckenkontrolle. Die Brücken werden hinsichtlich Stand- und Verkehrssicherheit sowie Dauerhaftigkeit geprüft. Dabei werden Mängel und Schäden erfasst, bewertet, dokumentiert und gegebenenfalls vorbeugend behoben. Zum anderen gibt es die anlassbezogene Nachrechnung von Brücken. Diese findet statt, wenn sich aus der regelmäßigen Prüfung Hinweise ergeben, dass die Tragfähigkeit oder Dauerhaftigkeit der Brücke beeinträchtigt sein könnte. Dabei wird auch der „Ermüdungszustand“ der Brücke ermittelt. Auf dieser Grundlage kann berechnet werden, wann grundlegende Sanierungen beziehungsweise Ersatzneubauten notwendig werden. Zudem kann durch eine Entlastung der Brücke die Nutzungsdauer verlängert werden.

 

FA: Durch welche Maßnahmen kann eine Brücke entlastet werden?

Hessen Mobil:

Zum einen sind dies verkehrsbehördliche Maßnahmen. Darunter fallen Geschwindigkeitsbeschränkungen beispielsweise für Lkw, Gewichtsbeschränkungen, gegebenenfalls Durchfahrtverbote für Lkw oder Einschränkung der Fahrstreifen. Zum anderen sind dies bauliche Maßnahmen wie Verstärkungsmaßnahmen oder Unterstützungen. „Hessen Mobil“ beobachtet das Bauwerk laufend vor Ort oder misst die Belastungen, um so rechtzeitig Verformungen oder mögliche weitere Schäden festzustellen.

 

FA: Was haben Hessen und „Hessen Mobil“ darüber hinaus unternommen?

Hessen Mobil:

„Hessen Mobil“ hat zwei neue Dezernate eingerichtet, die ausschließlich Brückenerneuerung betreiben. Das Land Hessen hat in 2017 rund 695 Millionen Euro in Bundesfernstraßen und Autobahnen investiert. Rund ein Viertel davon in die Brückensanierung und -erneuerung. In 2018 investiert Hessen etwa 225 Millionen Euro in die Brückensanierung und -erneuerung, bis 2021 sind 1,1 Milliarden Euro Investitionen geplant. 2017 wurden insgesamt 135 Brückenerhaltungsmaßnahmen begonnen. 94 abgeschlossen, 41 Projekte laufen im Jahr 2018 weiter. Hinzu kommen 108 neue Vorhaben wie die „Talbrücke Langenschwarz“ an der A 7.

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