Nahwärmenetz in Schlotzau

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Burghaun. Ein kleines Dorf möchte sich für die Zukunft wappnen: Schlotzau hat ein großes Projekt auf die Beine gestellt.

Burghaun.  Das 338-Einwohner-Dörfchen Schlotzau in der Gemeinde Burghaun will sich für die Zukunft wappnen. Viele Bewohner wollen umweltfreundlicher und nachhaltiger heizen: Ein Nahwärmenetz soll durch den ganzen Ort verlaufen und möglichst viele Haushalte mit Wärme versorgen.

Das Projekt findet bereits großen Anklang: Im Rahmen des Förderprogramms "Energieeffizienz und erneuerbare Energien" der "Rhön Energie Fulda GmbH" hat die Energie-Genossenschaft am Mittwoch eine Förderzusage über 6.250 Euro für die Machbarkeitsstudie der Nahwärmeversorgung erhalten.

Pro interessierten Haushalt werden für 5.000 Euro Anteile der "Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energie Burghaun eG" – eine Energie-Genossenschaft – gekauft. Die Genossenschaft wird Betreiber und Eigentümer des Kraftwerks, in dem die Wärme erzeugt werden soll. Von dem Geld der Schlotzauer werden die Tiefgrabungen, Rohrverlegungen, die Hausanschlüsse und der Bau des Kraftwerks bezahlt.

Umstieg lohnt sich

Es gibt noch viele Ölheizungen in Schlotzau und die Mehrheit der Einwohner wünscht sich eine zukunftsfähigere und kostengünstigere Heizung. Niemand weiß, wie stark die Preise für Rohstoffe, wie beispielsweise Öl, noch steigen werden, geschweige denn, wie lange sie überhaupt noch vorhanden sein werden.

Auch Brennholz wird in naher Zukunft knapp werden – denn in immer mehr Haushalten gibt es kleine Kaminöfen, die häufig nur als "Highlight" in den Häusern stehen und nur zweitrangig als Wärmequelle genutzt werden. Dadurch ist der Verbrauch von Brennholz stark gestiegen.Das Kraftwerk in Schlotzau soll mit Hackschnitzeln betrieben werden. Außerdem gibt es Überlegungen, Pappeln oder Weiden auf anliegenden Äckern anzupflanzen und diese für das Nahwärmenetz zu nutzen. "Ein weiterer Pluspunkt des Nahwärmenetzes: Ich spare mir die Kosten für Schornsteinfeger und Wartungen", sagt Simon Sauerbier. Er ist Mitinitiator des Projekts "Breitband-/Nahwärmekonzept Schlotzau".

Bislang haben 52 von 99 Haushalten dem Vorhaben, ein Nahwärmenetz in Schlotzau auszubauen, zugestimmt. "Schön wäre aber, wenn sich noch mindestens 13 weitere anschließen würden. Nur dann würden wir die maximale Fördersumme erhalten und könnten eine Vollerschließung Schlotzaus realisieren. Wir möchten das Dorf nicht spalten zwischen den Dorfabschnitten, die Nahwärme beziehen können und jenen, denen wir das nicht anbieten können, da die Anbindung aufgrund zu weniger Interessenten zu teuer wäre. Daher werben wir weiter für mehr Teilnehmer",  so Sauerbier.

Um zwei Fliegen mit einer Klappen zu schlagen, soll neben den Rohren für die Wärmeversorgung gleichzeitig Breitband verlegt werden, damit die Dorfbewohner schnelles Internet nutzen können. "Zurzeit ist die Internetversorgung bei uns im Ort sehr schlecht. Man könnte sagen, wir haben Schnecken-Internet", scherzt Sauerbier. "Wenn wir sowieso schon einmal Gräben für die Rohre für das Warmwasser, das zu den Häusern gepumpt wird, graben müssen, können wir das Breitband direkt mit hineinlegen. So können wir gewährleisten, dass die Schlotzauer, sobald Breitband bundesweit zur Verfügung steht, damit versorgt werden."

Schnelles Internet ist wichtig

Die Versorgung mit schnellem Internet sei gerade für ein kleines Dorf wie Schlotzau extrem wichtig, sagt Sauerbier. "Ohne Breitband werden die Jüngeren Schlotzau verlassen und sehr wahrscheinlich nicht zurückkehren. Außerdem werden keine Arbeitsplätze für Dienstleistungen als Grundlage für die jüngeren Schlotzauer geschaffen werden. Und ohne jüngere Bewohner wiederum wird die Einwohnerzahl unseres Ortes weiter zurückgehen. Mehr Häuser werden leer stehen und werden noch dazu an Wert verlieren." Ohne ein Nahwärmenetz würde es in Schlotzau höchstwahrscheinlich kein Breitband geben. "Wenn ein Telekommunikationsunternehmen die Grabungen durchführen würde, um die Haushalte mit Breitband zu versorgen, würde das pro Haushalt rund 13.000 Euro kosten", erklärt Sauerbier. "Geld, das sicher kaum einer bezahlen würde."

Weitere Informationen zum Breitband-/Nahwärmekonzept in Schlotzau sowie Ansprechpartner gibt es im Internet unter http://www.zukunft-schlotzau.de/ .

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