Nervende Kettenbriefe per WhatsApp & Co.

Tipps, wie Eltern mit Handy-Botschaften ihrer Kinder umgehen sollten. Mit Zwischenruf von Redakteur Christopher Göbel.

Osthessen. Kettenbriefe gibt es immer wieder. Vor allem per „WhatsApp“ verbreiten sich diese Aufrufe zum Weiterschicken rasant. Die meisten dieser Kettenbriefe folgen bestimmten Mustern. Das Internetportal „Klicksafe“ benennt dabei sieben Typen. Warnungen, Gerüchte, Aktionsaufrufe, Bedrohung, Gewinnspiele, „Herzchensammeln“ und „Gebühren-Schreck“.

Problem ernst nehmen

Eltern sollten es laut dem Internetportal immer ernst nehmen, wenn ein Kind mit einem Kettenbrief ankommt. Dabei soll unterschieden werden, ob es sich um Spaßiges, Soziale Inhalte wie Freunde-Rankings oder Drohungen handelt. „Kindern ist oft nicht bewusst, was hinter Kettenbriefen steckt und dass die darin beschriebenen ,Gefahren’ nichts mit der Realität zu tun haben“, so „Klicksafe“. Auch der Austausch mit anderen Eltern kann helfen, was gerade im Umlauf ist.

Wenn Kinder wegen Drohungen in Kettenbriefen Ängste haben, sollten Eltern unbedingt mit ihren Kindern sprechen. „Nicht immer ist es einfach, diese irrationalen Ängste mit vernünftigen Argumenten zu entkräften. Vielleicht hilft es aber, Geschichten aus der eigenen Vergangenheit zu erzählen“, rät „Klicksafe“. Man sollte mit den Kindern alle Kettenbriefe genau unter die Lupe nehmen und gemeinsam entscheiden, welche man weiterschicken kann und welche nicht. Es gibt auch „nette“ Kettenbriefe, die Lob und Anerkennung zum Inhalt haben. „Kettenbriefe mit unangenehmen Inhalten einfach gleich löschen“, so „Klicksafe“. Es sei wichtig, dem Kind klarzumachen, dass keine der angedrohten Folgen eines Kettenbriefs jemals eintreffen wird.

Die Kinder begleiten

„Wenn Sie Ihr Kind begleiten, wird es im Laufe der Zeit die Sicherheit gewinnen, dass die in Kettenbriefen angedrohten Gefahren nicht real sind“, so das Internetportal. Es ist auch wichtig, dass keine Links (Verknüpfungen) in den Kettenbrief-Nachrichten angeklickt werden. Es gibt weder bewegliche Emojis noch die angeblichen Preise für Firmen wie „H&M“ oder „Ray-ban“. Im besten Fall führen diese Links auf nutzlose Werbeseiten, im schlimmsten Fall wird das Gerät mit einem Virus infiziert.

Eltern, die sich unsicher sind, wie sie mit Kettenbriefen, Falschmeldungen (Hoaxes) oder anderen Nachrichten auf den Smartphones ihrer Kinder umgehen sollen, finden auf zahlreichen Websites Hilfe und Unterstützung – unter anderem auf www.klicksafe.de .

ZWISCHENRUF: Heute gibt’s Herzchen statt Schokolade

von Christopher Göbel

Jeder, der ein Smartphone oder einen mit dem Internet verbunden Computer hat, dürfte häufiger Kettenbriefe bekommen. Manchmal sind es dubiose Gewinnspiele, Challenge-Aufrufe oder gar solche, bei denen vor schlimmen Folgen gewarnt wird, wenn die Briefe nicht weitergeschickt werden.

In meiner Kindheit gab es so etwas auch schon, allerdings in Papierform und mit Briefmarken drauf. Man sollte damals Schokolade mitschicken. Angeblich sollten dann zig Tafeln zurückkommen. Ich weiß nicht, ob das jemals geklappt hat, denn ich verweigere mich seit damals den Kettenbriefen. Auch heute, und auch, wenn ich statt Füller und Papier zu nutzen, nur auf „Weiterleiten“ klicken müsste. Die Gefahr sehe ich allerdings darin, dass meine Kinder auch oft solche Briefe mit Aufforderungen bekommen.

 Ob nun das „Whats­App“-Gespenst „Momo“ oder Drohungen, dass Familienmitglieder sterben würden, wenn die Kettenbrief-Empfänger diesen nicht weiterschicken – wer noch nicht viel Erfahrung mit Wahrheit und Fake im Netz hat, kann sehr verunsichert sein. Da ist es dann meine Aufgabe, meine Kids aufzuklären und möglichst so digital zu erziehen, dass sie Falschmeldungen und falsche Warnungen irgendwann selbst erkennen können. Wer auf alles hereinfällt, was in sozialen Netzwerken und Chatdiensten propagiert wird, muss sein Verhalten überdenken. Wer Warnungen, Gewinnspiele oder falsche Suchmeldungen weiterverbreitet, macht sich mitschuldig an der Verbreitung der „Fake-News“. Und genau das ist der Sinn solcher Botschaften, deren Urheber so gut wie nie ausfindig gemacht werden kann.

Ganz wichtig finde ich, dass Eltern zwei Dinge tun: In Absprache mit ihren Kindern deren Chatverläufe regelmäßig kontrollieren und bei Auffälligkeiten gemeinsam darüber sprechen. Nur so können die Kinder verstehen, dass es sich bei diesen Kettenbriefen um Müll handelt. Und Eltern müssen sich heutzutage auch mit Dingen beschäftigen, die es in ihrer Kindheit nicht gab. Dazu gehört der Umgang mit dem Smartphone und das Verstehen dessen, auf welchen sozialen Netzwerken sich der Nachwuchs aufhält, was Cybermobbing ist und welche Gefahren dort lauern. Kettenbriefe sind da noch die harmlosere Variante. Sexting, Mobbing oder Missbrauch wiegen viel schwerer. Je besser wir Eltern informiert sind, desto besser können wir unsere Kinder schützen. „Trau, schau, wem“ ist auch im Digitalzeitalter ein Merksatz, der wie eh und je Gültigkeit hat.

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