Neue FA-Reihe: Objekt des Monats

Neue "Fulda aktuell"-Reihe: Objekt des Monats Fulda. Nach der guten Resonanz auf die Fulda aktuell-Reihe Leser fragen d

Neue "Fulda aktuell"-Reihe: Objekt des Monats

Fulda. Nach der guten Resonanz auf die Fulda aktuell-Reihe Leser fragen den OB mchten die Redaktion der Kultur in Fulda aktuell einen neuen Raum geben und ein Schatzkstlein ffnen. Der Blick gilt der Flle von hervorragenden Exponaten, die in unserem Regionalmuseum, dem Vonderau Museum, zu sehen sind.

Aus diesem Grund habt die Redaktion gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt die Reihe Objekt des Monats aus dem Vonderau Museum initiiert. Einmal im Monat werden Fuldaer Persnlichkeiten ein Exponat ihrer Wahl prsentieren, um den Lesern so ein Stck Stadtgeschichte oder vielleicht auch etwas aus dem Bereich Naturkunde nahezubringen und so den Geschmack auf einen Museumsbesuch zu wecken.

Zum Auftakt stellt Ihnen Fuldas Kulturdezernent Gerhard Mller einen Bierhumpen vor, den der Besitzer der Fuldaer Stanz- und Emaillierwerke F.C. Bellinger zum 25-jhrigen Geschftsjubilum am 1. Juli 1892 der Stadt Fulda stiftete.

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, dass die Idee des Objekts des Monats" nun Wirklichkeit wird. Mich freut es besonders, Ihnen zur Premiere meine Wahl aus der Flle wunderbarer Schaustcke unseres Vonderau Museums zu prsentieren. Offen gestanden fiel es mir gar nicht so leicht. Die gerade von uns erworbene Pieta der Sammlung Fahr hat mich beispielsweise sehr beeindruckt. Nach einem lngeren Rundgang und intensivem Abwgungsprozess habe ich mich jedoch fr den Prachthumpen der Firma Bellinger entschieden. Warum? Als erstes fiel mir auf dem guten Stck das Stadtwappen auf, ber dem in alter Schrift dem Betrachter ein Prosit zugerufen wird. Darunter ist der humorvolle Satz zu lesen:

Nach alter Sitt' in deutscher Mitt'Kommt, trinkt euch aller Sorgen quitt.

Und voller Weisheit bekennt der Stifter in einem weiteren Reim:

Wenn die Herrn im Rathaus sitzen,Die Handwerksleut' in der Arbeit schwitzen,Die Bauern auf das Feld ausgehen,So muss das Land in Frieden stehn."

Aus diesen Zeilen spricht Wortwitz, aber auch pure Erkenntnis und der Stolz eines erfolgreichen Unternehmers. Mit zwei Arbeitern wurde 1867 die Firma F.C. Bellinger gegrndet. Zum 25-jhrigen Bestehen 1892, so berichtet die Schrift auf den Prachthumpen, standen schon 300 Arbeiter im Stanz- und Emaillierwerk in Lohn und Brot. Derjenige, der fr diesen rasanten Aufstieg und Erfolg steht, hat sich selbst auf dem wunderbaren Stck verewigt. Bevor man sich einen guten Schluck aus dem Prachthumpen gnnt, sieht jeder Bierfreund das Konterfei von Firmengrnder Franz-Carl Bellinger, einem Mann, der bekanntlich Fuldaer Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat. Der Name Bellinger hat heute noch Klang, auch wenn es das Unternehmen lngst nicht mehr gibt. Geblieben ist eine beeindruckende grnderzeitliche Fabrikarchitektur, die von der neuen Bebauung entlang der Petersberger Strae zum grten Teil verborgen ist und sich erst auf den zweiten Blick erschliet.

Der Anlass des Geschenks an die wohllblichen Ratsherrn der Stadt Fulda" ist bekannt. Der Prachthumpen ist Ihnen am Tage des Geschftsjubilums, dem 1. Juli 1892 gewidmet worden. Bei welchem Anlass und an wen er berreicht worden ist, bleibt ein kleines Geheimnis im Dunkel der Zeit. Und ob bzw. wie oft aus diesem herrlichen Humpen getrunken worden ist - auch das entzieht sich leider unserer Erkenntnis. Dennoch drfen wir die Phantasie schweifen lassen, wenn wir dieses schne Stck in der Vitrine des Vonderau Musems betrachten. Wer sich fr die Geschichte des Unternehmens interessiert, wird in den Archiven fndig. Pathetisch erinnert eine Schrift aus dem Jahr 1917 zum 50-jhrigen Bestehen der Stanz- und Emaillierwerke an die Geschichte der Firma. Darin fand ich den Satz: Und wenn sich diese Unternehmung aus den kleinsten Anfngen heraus zu einer Unternehmung von ernster, machtvoller Gre, von internationaler, mehr noch nationaler Bedeutung entwickelt hat, so ist dieses auch ein Sieg der deutschen Arbeit, die mit Intelligenz gepaart ist."

Zum 75-jhrigen Firmenbestehen im Kriegsjahr 1942 verkndet die Festschrift stolz: Fuldaer Emaille erobert die Welt". In wenigen Jahren, so heit es, sei in Fulda ein Unternehmen der eisenverarbeitenden Industrie entstanden, dass Dank der Gte und Mannigfaltigkeit seiner Erzeugnisse in kurzer Frist Weltruf erlangte und den Namen Fulda von Neuem in alle Lnder des Kontinents und jenseits der Meere trug. Wenn auch Sie sich fr dieses spezielle Kapitel Fuldaer Geschichte interessieren, ist das Vonderau Museum mit seinen Exponaten eine wahre Fundgrube. Fr mich jedenfalls hat der von Bellinger gestiftete Prachthumpen die Tr zur Geschichte geffnet und gleichzeitig den Bogen zur aktuellen Diskussion um das Emaillierwerk und die Ostumfahrung gedanklich geschlagen.

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