„A little bit more sexy“

Neuer Krimi des aus Fulda stammenden Jan Seghers

Erinnerung an ein Gespräch in Vor-Corona-Zeiten: 2018 weilte Jan Seghers (rechts) anlässlich einer Lesung in Fulda und traf sich im Vorfeld zum Austausch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 
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Erinnerung an ein Gespräch in Vor-Corona-Zeiten: 2018 weilte Jan Seghers (rechts) anlässlich einer Lesung in Fulda und traf sich im Vorfeld zum Austausch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 

Sehr vielen Krimifreunden ist der Name des Frankfurter Kommissars „Robert Marthaler“ seit Langem ein Begriff. Erdacht hat ihn der Frankfurter Autor Jan Seghers, der seinen Helden unter anderem in den auch verfilmten Werken „Ein allzu schönes Mädchen“, „Die Braut im Schnee“, „Partitur des Todes“ oder „Die Sterntaler-Verschwörung“ hat ermitteln lassen. Nun hat der 63 Jahre alte Seghers einen neuen Roman mit einer neuen Hauptfigur veröffentlicht: „Der Solist“, erschienen im „Rowohlt Verlag“, mit dem Ermittler Neuhaus, der – zwar aus Frankfurt stammend –diesmal in Berlin tätig ist.

Fulda/Berlin. Jan Seghers hat eine enge Bindung an die osthessische Region, denn sein Vater stammt gebürtig aus dem Kalbacher Ortsteil Uttrichshausen. Er selbst kam in Fulda zur Welt, doch zog die Familie nach gut einem dreiviertel Jahr zunächst in die Schwalm und dann nach Nordhessen in die Nähe von Kassel.

Der passionierte Radfahrer, der mit seinem Pseudonym neben der Schriftstellerin Anna Seghers dem Radsportler Jan Ullrich seine Reverenz erweist, hat vor längerer Zeit im Gespräch mit unserer Zeitung die Rhön einmal als einen jener „Sehnsuchtsorte schlechthin“ bezeichnet, „nach denen Du in der ganzen Welt suchst“. Seine Schwiegereltern hätten übrigens lange Zeit in Poppenhausen gewohnt, bis sie vor einigen Jahren ins Rhein-Main-Gebiet und damit in die Nähe von seiner Frau und ihm gezogen seien. Die Radfahrten zur Wasserkuppe seien ihm immer noch bestens im Gedächtnis.

Dank des guten Kontakts zu dem Schriftsteller erklärte sich dieser jetzt auch gerne dazu bereit, Fragen zu seinem neuen Werk „Der Solist“ zu beantworten.

FULDA AKTUELL: „Menschenfischer“ war der sechste Fall mit Kommissar Marthaler. Warum eineinhalb Jahre später eine neue Figur?

JAN SEGHERS: Schon als ich mich das erste Mal zum Recherchieren in Berlin aufhielt, erlebte ich in einem kleinen asiatischen Imbiss eine Schutzgelderpressung mit. Später geriet ich eine Straße weiter in eine großangelegte Razzia. Da war mir klar, dass das für einen Charakter wie Marthaler eine Spur zu rau, zu laut, zu schnell ist. Also habe ich einen neuen Ermittler entwickelt: Etwas jünger, etwas smarter und auch a little bit more sexy.

FA: Soll sich dieses „Neue“ auch im Namen der Hauptperson widerspiegeln – Neuhaus?

SEGHERS: Ja, auch deshalb heißt der Neue Neuhaus. Aber es gibt noch zwei etwas persönlichere Gründe, die zwar zu erschließen sind, die aber jeder selbst herausfinden muss.

FA: Es gibt nicht nur eine neue Hauptfigur, sondern mit Berlin auch einen neuen Schwerpunkt der Handlung. Warum?

SEGHERS: Ich kannte Berlin nicht besonders gut. Aber immer wieder rieten mir Freunde, ich solle Marthaler mal in der Hauptstadt an einem Fall arbeiten lassen. Dann hörte ich im Autoradio ein Interview mit dem jüdischen Sänger Daniel Kahn, den ich sehr mag. Er erzählte, dass er in Berlin-Neukölln lebt und betonte mehrfach „Verstehen Sie, als Jude auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln“. Ich begriff nicht, was daran so bemerkenswert war und beschloss hinzufahren. Als ich dort eintauchte, wusste ich sofort, dass ich meinen Schauplatz gefunden hatte.

FA: Verschiedene Passagen in dem Buch erinnern an „Kommissar Maigret“. Mit Absicht?

SEGHERS: Oh, das empfinde ich aber als großes Lob. Tatsächlich mag ich die Romane von Georges Simenon sehr. Und ich hatte beim Schreiben immer den Maigret-Ton im Ohr. Ja, ich wollte, dass „Der Solist“ mein Maigret wird. Mit einer dichten Atmosphäre, aber dennoch mit ähnlichen Verknappungen.

FA: Es ist ein politisch sehr aktuelles Buch geworden. Welche Motive haben Sie an den Themen islamistischer Terror und rechte Netzwerke gereizt?

SEGHERS: Der Fall Anis Amri hat ja die Schwachstellen bei den Sicherheitsbehörden mehr als deutlich gemacht. Und in der Folgezeit sind immer mehr rechte Verbindungen bei Polizei, Verfassungsschutz und beim Kommando Spezialkräfte aufgeflogen. Da hatte ich also den Link. Man kann heute ja kaum noch einen Kriminalroman schreiben, ohne über die rechten Umtriebe im Polizeiapparat zu berichten. Zwischendurch hatte ich sogar die Befürchtung, dass die Wirklichkeit mich überholt.

FA: Auffallend ist auch, dass es sehr viele Verweise auf Songs gibt. Haben Sie sich da von eigenen Liebhabereien leiten lassen?

SEGHERS: Neuhaus ist zwar ein schwieriger Charakter, aber ich mag ihn auch. Und klar, ich wollte schon, dass er die Musik hört, die ich selbst mag.

FA: Wird es irgendwann einmal wieder einen Marthaler geben, oder die Fortsetzung von „Der Solist“?

SEGHERS: Vorstellen könnte ich mir, dass Marthaler und Neuhaus mal zusammen an einem Fall arbeiten müssen. Dass es dann zu Reibungen zwischen den beiden kommt, ist unausweichlich. Aber den Autor freut das ja: Denn Konflikte treiben die Handlung voran.

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