Neues "Kegelspielhaus": Die Geburtsstunde einer neuen Ära

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Hünfeld. Das neu gestaltete Kegelspielhaus steht für die interkommunale Zusammenarbeit der Gemeinden im "Hessischen Kegelspiel".

Hünfeld. Das neu gestaltete Kegelspielhaus in Hünfeld markiert die Geburtsstunde einer völlig neuen Ära in der interkommunalen Zusammenarbeit im Hessischen Kegelspiel. Mit diesen Worten fasste der Vorsitzende der Lenkungsgruppe der vier Kommunen, denen dieses Haus gehört, Hünfelds Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel, die Bedeutung der Einweihung des interkommunalen Dienstleistungszentrums zusammen.

Es beherbergt nicht nur den Zweckverband der Gemeinde Burghaun, der Stadt Hünfeld und der Gemeinden Nüsttal und Rasdorf im Finanzwesen, sondern auch das Hünfelder Stadtarchiv, das künftig auch Archivalien aus Burghaun verwalten wird und zu einem interkommunalen Archiv für die gesamte Arbeitsgemeinschaft ausgebaut werden soll, die Touristische Arbeitsgemeinschaft, der die vier Kommunen und zusätzlich Haunetal, Eiterfeld und Geisa angehören, sowie zahlreiche andere Dienstleister, wie die Agentur für Arbeit, den VdK, die Hessische Energiesparaktion, den Partnerschaftsverein, die Versichertenberatung der KAB, die Familienhilfe der Caritas und die Beratung des Amtes für Versorgung und Soziales. Damit waren die Räumlichkeiten bereits so ausgebucht, dass für Schiedsmann und Ortsgericht im Gebäude des benachbarten Kreishauses zusätzliche Räume angemietet werden mussten. In Stellvertretung des Geisaer Bürgermeisters Martin Henkel überbrachte Stadtratsmitglied Martin Veltum dem Bürgermeister der Stadt Hünfeld Dr. Eberhard Fennel die besten Grüße und betonte im Gespräch mit Ihm die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rahmen der touristischen Vermarktung.

Bürgermeister Dr. Fennel bezeichnete dieses Projekt als historische Weichenstellung, um die Zukunftsfähigkeit der beteiligten Kommunen zu gestalten. Ziel sei es, möglichst viel kommunale Selbstverwaltung und Selbstgestaltung auf den verschiedenen Ebenen für alle Beteiligten zu erhalten und trotzdem auf verschiedenen Ebenen zusammen zu arbeiten, um moderne Verwaltungsdienstleistungen sehr wirtschaftlich gestalten zu können. Die gemeinsame Position aller beteiligten Kommunen bestehe darin, zentral nur Tätigkeiten wahrzunehmen, durch die die Bürgernähe in den vier Rathäusern nicht beeinträchtigt werde. Dieser Grundsatz sei das Erfolgsrezept der Zusammenarbeit. Worte des Dankes richtete er besonders an Landrat Bernd Woide, der den vier Kommunen das Gebäude zum Kauf angeboten habe und darüber hinaus bereit gewesen sei, zusätzliche Räume kurzfristig zur Verfügung zu stellen.

Als die Entscheidung für den Kauf gefallen sei, habe die interkommunale Zusammenarbeit in Hessen noch in den Kinderschuhen gesteckt. Es bestehe Offenheit, betonte Dr. Fennel, auch anderen Kommunen im Umfeld eine Einbindung in die Zusammenarbeit zu ermöglichen. Vorstellbar sei dies beispielsweise in den Bereichen Brandschutz oder durch den neuen Zweckverband Finanzwesen. Dankbar zeigte sich der Bürgermeister auch dem Land Hessen, das dieses Projekt mit einer hervorragenden Förderung unterstützt habe und dem Leiter des Kompetenzzentrums des Landes für die interkommunale Zusammenarbeit, Claus Spandau. Dieser würdigte die Zusammenarbeit im Kegelspiel als einen Modellfall, das Hessische Kegelspiel sei damit an der Spitze in Hessen. Neben der Förderung aus dem Programm Stadtumbau in Hessen seien mittlerweile bereits vier Einzelprojekte mit jeweils 100.000 Euro durch das Land unterstützt worden. Er empfahl anderen Kommunen aus Hessen, sich das Modell in Hünfeld anzuschauen. Bei den vier Kommunen sei es von Anfang an nicht darum gegangen, ob man zusammenarbeiten wolle, sondern wie man diese Zusammenarbeit erfolgreich gestalten könne. Er hob die Schrittmacherrolle von Bürgermeister Dr. Fennel hervor.

Dies würdigte auch der neu gewählte Vorsitzende des Zweckverbandes der vier Kommunen, Burghauns Bürgermeister Alexander Hohmann. Er sagte, dass mit dem Kegelspielhaus die Kooperation ein sehr schönes Gesicht bekommen habe, auch mit den Räumlichkeiten für den Tourismus im Erdgeschoss. Wichtig für ihn sei auch, dass erstmals in der gemeinsamen Finanzabteilung Mitarbeiter aus allen beteiligten Kommunen täglich Tür an Tür miteinander arbeiteten. Damit komme die Kooperation endgültig auf der Ebene der Mitarbeiter an. Alle hätten das Ziel, dieses Modell zu einem Erfolg werden zu lassen, um eine effizientere und wirtschaftlichere Verwaltung zum Wohle der Bürger zu ermöglichen. Über die Höhe der Steuer und Gebühren und die dazugehörigen Haushalte entschieden die kommunalen Gremien nach wie vor vor Ort, im Kegelspielhaus würden aber die kommunalen Finanzmittel verwaltet, eingezogen und ausgezahlt, die Bilanzen erstellt und das klassische Verwaltungsgeschäft erledigt. Nach wie vor könnten selbstverständlich Müllgefäße, Adressänderungen, die Anmeldungen eines Hundes und viele andere Dinge vor Ort in den jeweiligen Rathäusern erledigt werden, die technisch modern miteinander vernetzt seien.

Landrat Bernd Woide sprach von einem modernen Dienstleistungszentrum in Kombination zum benachbarten Kreishaus. Was da entstanden sei, sei aller Ehren wert, betonte Woide. Dem Bürger biete dies sehr kurze Wege und mehr Effizienz. Er danke den vier Bürgermeistern, die sich dieser schwierigen Aufgabe so erfolgreich gestellt hätten. Lobende Worte fanden alle Bürgermeister auch für die am Bau beteiligten Firmen und die Planer. Für diese konnte Architekt Stefan Wagner offiziell den Schlüssel an die vier Bürgermeister übergeben. Für das Architekturbüro Trapp Wagner sei es eine besondere Herausforderung gewesen, ein modernes Dienstleistungszentrum in eine historische Bausubstanz einzubringen. Die beiden Seelsorger, die die kirchliche Weihe des Hauses vornahmen, Pfarrer Peter Borta von der Jakobusgemeinde und sein evangelischer Amtsbruder Stefan Remmert, sahen in der interkommunalen Zusammenarbeit Parallelen zum kirchlichen Leben, in dem diese Form der Zusammenarbeit bereits einige Jahre früher Praxis geworden sei. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Formation Sax & More unter Leitung von Martin Gensler.

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