Bistum Fulda: Aufbruchstimmung am Beginn des neuen Jahres

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Traditioneller Neujahrsempfang des Bistums Fulda am Dienstagvormittag im Priesterseminar

Fulda - Er ist stets DAS erste gesellschaftliche Ereignis eines neuen Jahres, der Neujahrsempfang des Bistums Fulda. Auch diesmal waren am Dienstagvormittag zahlreiche Persönlichkeiten aus allen Bereichen des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens ins Refektorium des Priesterseminars gekommen, um gemeinsam auf 2019 anzustoßen und Gedanken auszutauschen. Zumal das Bistum in diesem Jahr vor wichtigen Veränderungen steht: am 31. März wird der neue Bischof in sein Amt eingeführt, Dr. Michael Gerber, derzeit noch Weihbischof in Freiburg/Breisgau.

Der Ständige Vertreter des Diözesanadministrators, Domkapitular Professor Dr. Gerhard Stanke, begrüßte zu Beginn alle Anwesenden. Darunter den emeritierten Bischof Heinz Josef Algermissen, Bundestagsabgeordneten Michael Brand, Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel,  Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann, den amtierenden Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, seine beiden Vorgänger Gerhard Möller und Dr. Alois Rhiel sowie Landrat Bernd Woide. Wie nach ihm auch Diözesanadministrator Weihbischof Professor Dr. Karlheinz Diez  richtete er Grüße des neugewählten Bischofs aus und erinnerte an die erste Ansprache Gerbers, in der deutlich geworden sei, „aus welchem Geist er seine Aufgabe als Bischof von Fulda wahrnehmen wird“. Aufgrund der ersten Begegnungen mit Gerber  zeigte sich Stanke  davon überzeugt, dass dieser den Weg des "Pastoralen Prozesses" im Bistum Fulda nicht nur mitgehen, sondern vorangehen werde. Und  Akzente setzen werde aufgrund seiner Erfahrungen in seiner bisherigen Tätigkeit im Erzbistum Freiburg und aufgrund seiner aus dem Wort Gottes geprägten Spiritualität.

Breiten Raum bei Stankes Ausführungen nahmen die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Herbst 2018 und der Ist-Zustand eben jenes "Pastoralen Prozesses" im Bistum Fulda ein, den Bischof Algermissen eingeleitet hatte. Die Missbrauchsstudie habe Erschütterung und Erschrecken ausgelöst. Sexueller Missbrauch sei immer auch Machtmissbrauch. „Machtmissbrauch wiegt in der Kirche deshalb so schwer, weil sie berufen ist, dem Auftrag Jesu zu entsprechen, der seine Macht nicht eingesetzt hat, um zu herrschen, sondern um zu dienen“, betonte Stanke. Machtmissbrauch rühre am Nerv des kirchlichen Auftrages. Es sei deshalb wichtig zu fragen, welche Strukturen Machtmissbrauch erleichtern. „Wir werden in Zukunft auch die Präventionsschulungen fortsetzen,  und wenn sich Opfer melden, werden wir sie in ihrer Aussage ernst nehmen und die Täter entsprechend zur Rechenschaft ziehen – ohne Ansehen der Person und Institution.“ Mit den Staatsanwaltschaften werde das Bistum, wie bisher geschehen, zusammenarbeiten.

Der "Pastorale Prozess" werde auch 2019 fortgesetzt. Derzeit gebe es 22 Teilprojektgruppen, in denen etwa 200 Personen mitarbeiteten. Sie befassten sich mit den Themen Liturgie, Pastoral, Personal, interne und externe Kommunikation, Bildungseinrichtungen, Strukturen und Immobilien. Das Bistum Fulda werde sich wie bisher im Bereich der Kindertagesstätten engagieren, stellte Stanke klar und in 2019 wie auch in 2018 knapp sieben Millionen Euro in diesem Bereich investieren.  

Der "Pastorale Prozess" habe tief greifende strukturelle Auswirkungen: Bei einer Katholikenzahl von ungefähr 380.000 seien 45 neue größere Kirchengemeinden geplant. Sie hätten dann im Durchschnitt die Größe von acht- bis neuntausend Gläubigen. „Natürlich werden in den Städten zahlenmäßig größere Gemeinden entstehen als auf dem Land, vor allem in der ländlichen Diaspora. Dieser Prozess der neuen Gemeindegründungen ist in allen Regionen unseres Bistums im Gang.“ Der Prozess habe auch eine spirituelle Dimension, die in 2019 stärker betont werden solle.

Derzeit mache sich ein Denken breit, das dem Evangelium diametral entgegengesetzt sei. Es äußere sich in der Parole „Unser Land zuerst, oder wir zuerst, oder ich zuerst.“ Ein solches Denken, Reden und Handeln führe zu Spaltungen im Kleinen und im Großen, auch in der internationalen Gemeinschaft. 

Weihbischof Diez erinnerte daran,  dass das Jahr 2019 nicht nur im Zeichen des 1275. Stadt- und Klosterjubiläums in Fulda stehe, sondern einen missionarischen Charakter haben solle. Als Diözesanadministrator habe er für dieses Jahr zur Besinnung auf die Taufberufung ausgerufen. Er danke allen ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten für deren segensreiche Arbeit und wünschte allen für die kommenden zwölf Monate "die Erfahrung der Nähe Gottes und das Vertrauen, dass Gott weiter sieht, über die menschliche Begrenztheit,  mit dem Blick der Liebe". Diez war  auf den Tag genau vor 30 Jahren von Erzbischof Dr. Johannes Dyba im Refektorium des Priesterseminars zum Subregens ernannt worden: "Damals hätte ich nie gedacht, dass ich einmal als Diözesanadministrator hier stehen würde.“

Landrat  Woide  sprach sowohl für den Landkreis als auch für die Stadt Fulda Neujahrswünsche aus und hob  hervor, dass nicht nur die Kirche, sondern auch das Gemeinwesen im neuen Jahr vor großen Herausforderungen stehe. „Die Welt ist ein Stück weit in Unordnung geraten“, stellte Woide fest und verwies darauf, dass viele Grundgewissheiten heute nicht mehr gälten und dies die Menschen verunsichere. Die Menschen seien gut beraten, innezuhalten in einer globalisierten und digitalisierten Welt mit permanenten Veränderungen. Wichtig sei ein Sich-Besinnen auf solche Stützen wie parlamentarische Demokratie, Solidarität, Ehe und Familie oder auch das Ehrenamt. Am Schluss dankte der Landrat für die gute Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche im caritativen und sozialen Bereich.

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