Traditioneller Jahresempfang der IHK Fulda: Über die "vergessene Mitte" 

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Das Präsidium der IHK Fulda mit IHK-Präsident Bernhard Juchheim (Vierter von links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck (links daneben). Dritter von rechts Festredner Professor Manfred Güllner
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Professor Manfred Güllner hielt den Festvortrag beim Jahresempfang der IHK Fulda am Freitagabend.

Professor Manfred Güllner (forsa) beeindruckt mit Analysen zur politischen Lage

Fulda - Ein "herzliches Willkommen im Jahr 2018, das mit Sicherheit nicht weniger turbulent werden wird wie das zurückliegende" hat Fuldas IHK-Präsident Bernhard Juchheim am Freitagabend den vielen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entboten, die zum traditionellen Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer ins Fuldaer Schlosstheater gekommen waren. Auch im Namen von Landrat Bernd Woide begrüßte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld die Anwesenden, die sich zuvor beeindruckt gezeigt hatten von Professor Manfred Güllner, Geschäftsführer forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, Berlin), der das Festreferat hielt.

Der studierte Soziologe, Sozialpsychologe und Betriebswirt bewies zu Recht, dass er nicht als trockener Statistiker bekannt ist, sondern zeigte sich als Mann der klaren Worte und scharfer Analysen zur aktuellen Lage. Sein Fazit: Die "vergessene Mitte" müsse wieder mehr in den Fokus der politisch Verantwortlichen rücken. Zum Dank überreichte ihm IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck zum Abschluss einen gut gefüllten "Fuldaer Rucksack".

"Haben die Angstmacher im vergangenen Jahr recht gehabt? Was hat sich wirklich geändert?", fragte Juchheim zu Beginn seiner Ausführungen und gab zugleich die Antwort: "Mit 594.000 Fahrzeugen verzeichnete Volkswagen im November den stärksten Auslieferungsmonat seit Bestehen der Marke. Die seit neun Jahren bestehende Chart-Rallye bei DAX und Dow Jones hat sich 2017 ungebremst fortgesetzt. Die Beschäftigungsquote in Deutschland befindet sich auf einem Rekordhoch, die Arbeitslosenquote auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Trump sitzt immer noch im Weißen Haus und hat die Steuern für die Wirtschaft drastisch gesenkt, die amerikanische Notenbank hat nur leicht an der Zinsschraube gedreht. Die Mehrheit der Briten bedauert mittlerweile den Brexit. Europa wird auch diese Herausforderung überstehen."

Was aber werde 2018 bringen?  Laut Internationalem Währungsfonds werde die Weltwirtschaft nach 3,6 Prozent in 2017 in diesem Jahr um 3,7 Prozent wachsen. Auch die deutsche Wirtschaft boome weiter, die Wirtschaftsweisen rechneten nach einem Wachstum in 2017 von 2,0 Prozent für dieses Jahr mit 2,2 Prozent. Alle führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen eine 2 vor dem Komma. Juchheim: "Aber, es gibt auch mahnende Worte. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, die USA und China, sind maßlos überschuldet. Schon jetzt sehen Experten die USA auf dem gleichen Kurs wie 2007/2008, als das Platzen der Schuldenblasen zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führte. Nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Chinesen haben ihre Gelddruckpressen angeworfen und finanzieren ihr Wachstum mit Krediten. Und parallel zur Schuldenblase entsteht im Reich der Mitte eine immer größer werdende Immobilienblase."

Und wie gehe es in Deutschland weiter? Der Fuldaer IHK-Präsident: "Nun, in erster Linie muss die Politik jetzt liefern. Wir sind gespannt, was der neue Koalitionsvertrag – so es denn einen geben wird – für die Wirtschaft bereithält. Und nach der Wahl ist ja wieder vor der Wahl. Es stehen Landtagswahlen in Bayern und Hessen an."

Beim Blick in die Region Fulda falle auf, dass diese "nicht länger nur ein Hort der Glückseligen ist." Die Schließung des Coty-Standortes in Hünfeld habe einen Prozess deutlich gemacht, der sich seit der Jahrtausendwende quasi schleichend vollziehe. Die Zahl der inhabergeführten Familienunternehmen nehme ab. Unternehmerischen Entscheidungen würden nicht mehr oder nicht ausschließlich in der Region Fulda getroffen.

Juchheim: "Ich  möchte mit der in diesem Zusammenhang genannten Schließung des ehemaligen Wella-Standortes in Hünfeld diese Entwicklung in kein negatives Licht bringen. Es sind einfach Tatsachen, denen wir ins Auge sehen müssen. Ich gehöre nicht zu den Angsthabern und halte mich an die Fakten. Mit mehr als 91.000 Beschäftigen waren noch nie so viele Menschen in den Region Fulda in Lohn und Brot wie im vergangenen Jahr. Bis auf das Coty-Beispiel hat kein neuer Eigentümer Standorte in der Region Fulda in Frage gestellt. Im Gegenteil: es flossen vermehrt Investitionen, die bestehenden Arbeitsplätze wurden gesichert und neue geschaffen.

Auch eine Angst vor dem Ausverkauf  sei unbegründet. Juchheim: "Doch wir sollten alle auch unsere Hausaufgaben machen im Hinblick auf die Digitalisierung und die Nachfolgereglungen. Für manche Unternehmen könnten ausländische Investitionen auch Chancen bedeuten, weil dadurch Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden. "

Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Region Fulda werde es sein, ob es  den Unternehmen gelinge, ihren Fachkräftebedarf auch in Zukunft zu befriedigen. Laut dem aktuellen IHK-Fachkräftemonitor werden bis 2030 in der Region Fulda 6.000 Fachkräfte fehlen. Schon jetzt beklagten in einer aktuellen Konjunkturumfrage 64 Prozent der Unternehmen einen Fachkräftemangel. Noch düsterer sehe es auf dem Markt der Auszubildenden aus. Hier nehme die Region Fulda landesweit mit einem Verhältnis von 1,6 gemeldeten offenen Ausbildungsstellen pro Bewerber eine Spitzenstellung ein.

Juchheim weiter: "Um es deutlich zu formulieren: Die Unternehmen der Region Fulda sind auf den Zuzug von Ausbildungs- und Fachkräften von außerhalb dauerhaft angewiesen. " Demgegenüber habe man ernüchtert feststellen müssen, dass eine Integration von Migranten in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt schwieriger als ursprünglich gedacht sei und insbesondere wesentlich länger dauere. Er warne vor Versuchen, die Anforderungen in unserem dualen Ausbildungssystem aufzuweichen.

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