Aktuelle "Neutrino"-Forschung und ein (gefühlter) Nobelpreisträger aus Schlitz

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Kernphysik-Professor Kai Zuber, der zum Team des 2015-er Nobelpreisträgers McDonald gehörte

Gespräch mit Kernphysik-Professor Kai Zuber über neueste Erkenntnisse zu den "geheimnisvollen Geisterteilchen"

Schlitz - Auch wenn er im Oktober 2015 die Ehre, in der Öffentlichkeit genannt zu werden, dem Kanadier Arthur McDonald überlassen musste, als Nobelpreisträger für Physik fühlt er sich schon: Kai Zuber. Der in Schlitz Geborene legte 1983 am Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Gymnasium sein Abitur ab, ist Kernphysik-Professor an der TU Dresden und Teil des Teams eben jenes Arthur McDonald, das befasst war mit dem so genannten SNO-Experiment. Zubers berufliche Leidenschaft sind die so genannten „Neutrinos“, gerne auch als „geheimnisvolle Geisterteilchen“ bezeichnet.

Nach seinem Abitur in Lauterbach studierte Zuber in Würzburg und Heidelberg, wo er auch seine Diplom- und Doktorarbeit zum Thema „Neutrinos“ verfasste. Es folgten Doktorenstellen in Heidelberg und Dortmund. 2002 ging er dann zunächst für drei Jahre nach Oxford, dann war er drei Jahre an der Sussex University in Brighton (UK) tätig. Seit Juni 2008 ist Zuber Lehrstuhlinhaber für Kernphysik mit dem inoffiziellen Untertitel Astroteilchenphysik an der TU Dresden. Ungefähr zwei bis drei Mal jährlich kommt er in den Vogelsberg und besucht dann auch regelmäßig das Schlitzer Trachtenfest.

„Spiegel Online“ und „Welt online“ waren die „Neutrinos“, diese extrem leichten Elementarteilchen, von denen jede Sekunde Billionen durch einen menschlichen Körper gehen, in dieser Woche ausführliche Wissenschaftsartikel wert. Denn hatte man bislang geglaubt, die energiereichen „Neutrinos“ könnten durch nichts gestoppt werden, ist Forschern nun erstmals der Nachweis gelungen, dass eine Größe es doch vermag: die Erde. Das wiederum könnte Aufschlüsse über den Erdkern bringen. Grund genug für „Fulda aktuell“, sich bei Zuber danach zu erkundigen, wie er diese Erkenntnis bewertet.

Im Zuge des mit dem Nobelpreis gewürdigten Experiments hatte das Team mit dem Schlitzer Physiker in einer alten Nickelmine nach Spuren dieser Partikel gesucht. Ihr Detektor war ein kugelförmiger Tank aus Acrylglas, gefüllt mit 1 000 Tonnen schwerem Wasser. Die dicken Gesteinsschichten hielten andere Teilchen der kosmischen Strahlung fern, nur eben die „Neutrinos“ erreichten nahezu ungehindert den Tank und verrieten sich darin über schwache Lichtblitze.

Zuber zeigt sich von den aktuellen Erkenntnissen der „Neutrino“-Forschung, über die auch das Fachmagazin „Nature“ berichtet hat, nicht sonderlich überrascht. „Denn das sollte, beziehungsweise musste so sein, falls wir nicht alles falsch machen“. Die Forschungsergebnisse bestätigten nur, „dass alles, was wir bei ,niedrigen‘ Energien sehen, mit dem, was wir bei ,hohen‘ Energien auch erwarten, in guter Übereinstimmung ist“.

Der Wissenschaftler zu „Fulda aktuell“: „Schlimmer wäre es, wir würden diesen Effekt nicht sehen, denn dann wäre etwas Merkwürdiges am Werk.“ Aus diesen Resultaten jetzt schon auf den Erdkern selbst schließen zu wollen, wäre freilich gewagt, denn: „Daraus jetzt das Innere der Erde zu extrahieren, das dauert 50 Jahre, in denen man Daten nehmen muss, wenn es überhaupt geht“. Zubers Fazit: „Es ist also nichts Bahnbrechendes, es war zu erwarten, man musste nur warten. Ob man daraus jemals etwas über den Aufbau der Erde lernt, sei dahingestellt“.

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