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Notfalls muss der Staat eingreifen

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rztliche Versorgung im lndlichen Raum macht dem Vogelsberger Landrat Sorgen - Vorsto beim LandkreistagVogelsbergkreis. 115.000 Mens

rztliche Versorgung im lndlichen Raum macht dem Vogelsberger Landrat Sorgen - Vorsto beim Landkreistag

Vogelsbergkreis. 115.000 Menschen leben im Vogelsbergkreis. In den 19 Stdten und Gemeinden praktizieren 143 niedergelassene rzte, darunter sind 66 Hausrzte und 77 Fachrzte. "Wir haben ein groes Problem damit, dass ltere rzte in den Ruhestand gehen, sich fr die Praxis aber kein Nachfolger findet", beklagt Landrat Rudolf Marx (CDU), der sich bereits in der jngsten Prsidiumssitzung des Hessischen Landkreistages fr einen Vorsto des Spitzenverbandes bei der Landesregierung stark gemacht hat.

Ziel des Vogelsberger Landrats ist eine Bundesratsinitiative, die die verstrkte Ansiedlung niedergelassener rzte erleichtern soll. Denn von den 66 Hausrzten im Vogelsbergkreis werden voraussichtlich bereits in den kommenden fnf Jahren 15 in den Ruhestand gehen. Bundesweit werden in 15 Jahren rund 15.000 Hausrzte fehlen, schtzt die Gesundheitsministerkonferenz der Lnder.

Bei einer Verbesserung der Versorgung mssten die Kassenrztliche Vereinigung und die Krankenkassen allerdings mitmachen. Das wei auch Landrat Marx. "Natrlich gilt bei freien Berufen das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Im Prinzip. Aber wenn die Versorgung der Bevlkerung nicht mehr sicher gestellt ist, muss notfalls der Staat regulierend eingreifen. Das tut er ja auch an anderen Stellen", begrndete der Christdemokrat seinen Vorsto. Die Bevlkerung msse sich einer stabilen rztlichen Versorgung sicher sein - und gerade junge rzte mssten es attraktiv finden, auch im lndlichen Raum zu arbeiten.

Mglicherweise msse man auch neue Wege beschreiten, wie dies etwa die neuen Bundeslndern zum Teil schon geschehe: verstrkt rzte aus dem Ausland anwerben. Wichtiger ist dem Landrat jedoch, jungen Medizinstudenten schon frhzeitig die Vorzge des Lebens fernab der Metropolen "schmackhaft" zu machen. "Den Standesvereinigungen sollte daran gelegen sein, dass man auch im lndlichen Raum anstndig verdienen kann", sagt Marx.

In manchen Bundeslndern stelle die Kassenrztliche Vereinigung den jungen rzten auf dem Land Umsatzgarantien in Aussicht, verbunden mit einem Investitionszuschuss oder einem erhhten Zuschuss fr Fortbildung. "Auch das knnte ein guter Weg sein", ist Marx berzeugt. Denn wer sich niederlasse, der gehe ein erhebliches finanzielles Risiko ein. Da msse der Staat notfalls "Anschubfinanzierung" leisten, um dem Gebot der Vergleichbarkeit der Lebensverhltnisse in Stadt und Land Gewicht zu verleihen. "Wir haben auf dem Land andere Strukturen. Und deshalb muss es spezielle Wege geben drfen, damit der lndliche Raum nicht abgehngt wird", fordert der Vogelsberger Landrat.

In der Assistentenausbildung msse ber stabile Arbeitsvertrge "mehr Sicherheit bei den jungen angehenden rzten erzeugt werden", betont Marx. Aus- und Weiterbildung spielten ohnehin die entscheidende Rolle bei der Sicherstellung des notwendigen Angebots. Landrat Marx beabsichtigt, seine Vorstellungen und Forderungen im Prsidium des Landkreistages in den kommenden Monaten zu konkretisieren.

Schon in der Weiterbildung zum knftigen Hausarzt oder Facharzt sollten bessere Einkommensmglichkeiten geschaffen werden. "Es ist eigentlich unertrglich, dass jhrlich Hunderte junge rzte kurz nach dem Studium Deutschland verlassen, weil sie im europischen Ausland bessere Arbeitsbedingungen bei gleichzeitig besserer Bezahlung vorfinden", beklagt Rudolf Marx. "Dann haben wir immer weniger rzte in Deutschland und es bleibt pro Patient immer weniger Zeit brig. Die Gesundheitsversorgung muss uns etwas Wert sein", hebt Marx hervor.

In vielen Krankenhusern und auch in Praxen sei es nicht mehr mglich, alle Assistenzarztstellen zu besetzen. Auch fr niedergelassene rzte sei die Situation sehr viel schwieriger als vor Jahren und Jahrzehnten. Wegen der Fallpauschalen stimmten rztliche Leistung und Bezahlung ber die Krankenkassen nicht mehr berein. Die Erffnung einer Praxis werde oft zum wirtschaftlichen Risiko, und zahlreiche rzte verbrchten mehr Zeit mit Abrechnung als mit Diagnostik und Therapie. "Dieser Zustand ist nicht gesund. rzte sollen Zeit haben, ihre Patienten zu behandeln. Und eine angemessene Bezahlung gehrt dazu. Gesundheit gibt es nicht zum Nulltarif", betont der Vogelsberger Landrat abschlieend.

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