OB überreichte Landesehrenbriefe an die Eheleute Sporer

„Die Dinge mutig selbst in die Hand genommen“
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„Die Dinge mutig selbst in die Hand genommen“

Es war eine Premiere: Zum ersten Mal wurden in der Stadt Fulda Landesehrenbriefe gleichzeitig an ein Ehepaar verliehen

Fulda. Christa Joa-Sporer und Ernst Sporer, gehören beide zur Gründungsgeneration der Grünen in Fulda und sind seit Jahrzehnten kommunalpolitisch aktiv. Sie erhielten die Auszeichnung Mitte des Monats im Marmorsaal des Stadtschlosses aus den Händen von Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.   

Der OB sprach mit Blick auf die Sporers von „Menschen, die sich aktiv einbringen und die Dinge mutig selbst in die Hand nehmen“. Es gehe bei den Geehrten stets nicht nur darum, Veränderungen zu fordern, sondern auch darum,  sich aktiv in Veränderungsprozesse einzubringen, so der OB. Er erinnerte insbesondere an das umfangreiche kulturelle Engagement der Sporers, die unter anderem mit dem Kulturzentrum Kreuz ein überregional bekanntes Markenzeichen für Jugendkultur in Osthessen geschaffen hätten. Und Wingenfeld bekannte auch ganz persönlich: „Wenn man Fulda noch aus den 1970er Jahren kennt, dann weiß man, wie triste es gerade auf Jugendliche wirken konnte und wie viel sich seither zum Besseren gewandelt hat.“ Auch er selbst habe in seiner Jugend im „Kreuz“ getanzt und habe diesen kulturellen Aufbruch spüren können.

Bei Sporers kamen von außerhalb über das Studium nach Fulda, lernten sich hier kennen und lieben und befruchteten das kulturelle und politische Leben ihrer Wahlheimat. Christa Joa-Sporer wurde in Neustadt/Weinstraße geboren und machte 1977 ihr Diplom in Sozialarbeit an der FH Fulda, bevor sie in der Obdachlosenhilfe und in der Sozialarbeit an der Sturmiusschule arbeitete. Ernst Sporer stammt aus Aichach/Oberbayern und absolvierte zunächst eine Verwaltungsausbildung im Öffentlichen Dienst in Karlsruhe, bevor es ihn als Sachbearbeiter in das Versorgungsamt nach Fulda verschlug. Über den zweiten Bildungsweg erwarb er die Fachhochschulreife und gehörte zu den ersten 60 Studierenden an der damals jungen Fachhochschule Fulda. 1975 legte er sein Diplom ab und wirkte als Sozialarbeiter bei der AWO und der Obdachlosenarbeit in der Fuldaer „Sandhohle“.

Nach dem Motto „Wenn hier nichts los ist, müssen wir was los machen“ pachteten die Sporers 1977 zusammen mit weiteren Studierenden kurzerhand die ehemalige Dorfgaststätte „Zum Eisernen Kreuz“ in Fulda Horas. Daraus entstand das heute immer noch existierende Kulturzentrum Kreuz als erstes Fuldaer Kneipenkollektiv. Mit der Eröffnung des „Kreuzsaals“ im Jahr 1982 war es möglich, auch größere Kulturveranstaltungen und Konzerte nach Fulda zu holen. Im Umfeld dieser Szene entstanden weitere soziale Projekte in Fulda.

Im Jahr 1980 gehörten Christa Joa-Sporer und Ernst Sporer zu den Mitgründerinnen und Mitgründern der Grünen in Fulda. Es folgten Jahrzehnte der kommunalpolitischen Graswurzelarbeit. Seit 1993 ist Christa Joa-Sporer als ehrenamtliche Stadträtin Mitglied des Magistrats – auf eine derart lange Zeit im Magistrat kann außer ihr lediglich noch Alt-Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger zurückblicken, wie OB Wingenfeld anmerkte. Ernst Sporer gehört der Stadtverordnetenversammlung seit 1993 an, von 1997-2016 war er Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Parallel verlagerte sich das berufliche Leben der Sporers immer mehr auf die Kultur und Gastronomie. Das „Nachtcafé“, das „Goldene Rad“, die „Cafebar 22“, das „Vibe“ in Dalbergstraße und auch der „Löwe“ firmierten unter dem Dach der Kreuz GmbH. Auch das Museumscafé, der Museumskeller und der Kulturkeller gehörten zu den erfolgreichen Projekten der Sporers. Mit dem Kulturkeller entstand eine Kleinkunstbühne, deren Programm den Vergleich auch mit größeren Städten nicht zu scheuen brauchte. Außerdem gehörten die Sporers 2004 zu den „Wiedererweckern“ des Herzbergfestivals und setzen auch in diesem kulturellen Sektor ihre Wegmarken.

In ihrer Dankesrede erwähnten die neuen Landesehrenbrief-Träger den Ehrungsanreger Knut Heiland sowie die Freunde und politischen Weggefährten, und natürlich galt auch der Dank der (Groß-)Familie, die inzwischen auch sechs Enkelkinder umfasst. „Ein solches Ehrenamt verlangt viel Zeit, das geht nur, wenn die Familie mitspielt“, betonte Christa Joa-Sporer. Und ihr Mann resümierte: „Wir haben es als Paar gemeinsam geschafft, dass viele Themen, die wir damals mit angestoßen haben, heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.“

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