Offene Klinik für Menschen in seelischer Not

Lauterbach. Tagesklinik für Psychatrie feiert sein 30-jähriges Bestehen und stellte das Therapieprogramm vor.

Lauterbach. "Wir sind ein Krankenhaus ohne Betten". Mit diesen Worten eröffnete der Oberarzt der Tagesklinik für Psychiatrie am Krankenhaus Eichhof, Stefan Wiegand, die Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen der Einrichtung. Im voll besetzten Vortragsraum des Gebäudes konnten die Organisatoren mehr als achtzig Fachkollegen, Hausärzte, Patienten und Interessierte begrüßen.

Wiegand wies auf die Bedeutung eines möglichst breit gefächerten Therapieangebots hin, damit Patienten eine ihrem Krankheitsbild entsprechende, individuelle Hilfe erhielten. Auch die mittlerweile sehr gute Zusammenarbeit mit Hausärzten wäre für viele Patienten eine große Entscheidungshilfe, professionelle psychiatrische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Als Gastredner hatten die Verantwortlichen der Tagesklinik um Chefarzt Dr. Dr. Christoph Herda, den Gründer der Einrichtung, Chefarzt a. D. Dr. Thomas Schulte, gewinnen können. Der heute in Mainz lebende Facharzt für Neurologie und Psychiatrie hatte 1977 die psychiatrische Versorgung in Lauterbach aufgebaut. Was zunächst mit einer Privatpraxis begann, entwickelte sich in kurzer Zeit schon zu einer Kooperation mit dem Krankenhaus Eichhof. "Das Krankenhaus war auf der Suche nach einem Neurologen und Psychiater und bot mir Belegbetten an", erläuterte Dr. Schulte den anwesenden Gästen. Schon bald wurde deutlich, dass das Hauptaugenmerk des Facharztes eher im Bereich der Hilfe für Menschen in seelischer Not lag. Gemeinsam mit seinem Kollegen, Dr. Heinrich Caesar, hatte Dr. Schulte vor 1977 an der Uniklinik in Mainz eine gemeinsame Tages-Nacht-Klinik für Psychiatrie betrieben. "Die Erkenntnisse aus dieser Wirkungszeit haben mich veranlasst, in Lauterbach andere Wege zu gehen", erläuterte der Mediziner. "Patienten, die nicht stationär behandelt werden mussten, sollten abends, nachts und an den Wochenenden in ihrer gewohnten Umgebung leben, um so die Alltagstauglichkeit zu erhalten", schilderte der Gründer der Tagesklinik am Eichhof die Anfänge der wohnortnahen Psychiatrie.

Begonnen habe alles in einer alten Baubaracke. "Die Unterbringung war sehr provisorisch, aber zumindest gab es schon Zimmer", erinnert sich der Chefarzt a. D. mit einem Schmunzeln. "Die zuständige Amtsärztin für den Vogelsbergkreis, meine Ehefrau Dr. Hildegard Schulte, musste so manches Mal ein Auge zudrücken."

Auch die Verhandlungen mit den Krankenkassen seien früher völlig anders verlaufen. Krankheitsbilder wären noch nicht so detailliert und in der Intensität zuzuordnen gewesen wie heute, sagte Dr. Schulte, man habe für die Gleichstellung psychisch Kranker zu körperlich Kranken viel Aufklärungsarbeit leisten müssen.

Nach Jahren in der Baracke sei es dann eine große Freude gewesen, die neuen Räume in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses Eichhof zu beziehen. Die Ausweitung der Plätze für Patienten habe den eindeutigen Bedarf für diese Therapieform gezeigt und die erweiterten Möglichkeiten in den neuen Räumlichkeiten hätten schon nach kurzer Zeit bewiesen, wie wichtig strukturierte Behandlungsmöglichkeiten damals wie heute seien.Diesen Eindruck verstärkte auch die zuständige Stationsärztin der Psychiatrischen Tagesklinik, Dr. Ursula Bernbeck, in ihrem Vortrag um Therapiekonzepte, Behandlungsindikationen und Probleme der heutigen Arbeit. Die Zuschauer konnten in der anschließenden Diskussionsrunde Fragen zur Einrichtung und zu aktuellen Behandlungsmöglichkeiten stellen, aus ihrem Praxisalltag berichten und Problemstellungen erörtern. Ein besonderer Höhepunkt der Vortragsreihe zum Jubiläum war die Schilderung einer ehemaligen Patientin zur tagesklinischen Behandlung mit Schwerpunkt auf dem Training emotionaler Kompetenz (TEK) und ihrer ganz persönlichen Angst vor Stigmatisierung in der Gesellschaft.

Krankenhausmitarbeiterin Sigrid Poch stellte in ihrem Vortrag das Thema "Soziales Kompetenztraining" (SKT) vor, Sozialarbeiterin Ilona Becker-Wahl schloss die Reihe der Kurzreferate mit dem Thema "Arbeit, Ausbildung, Schule, Beruf, Rente - die Aufgaben der Sozialarbeit im Rahmen der tagesklinischen Behandlung".

Im Anschluss an die kurzweiligen Vorträge nutzten die anwesenden Gäste die Gelegenheit zur Besichtigung der Räumlichkeiten der Tagesklinik und der Ergotherapie und tauschten sich bei einem kleinen Imbiss aus.

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