Offenen Umgang pflegen: Pflegeserie (3): Aus der Sicht einer Geschäftsführung

+
Sven Haustein ist Geschäftsführer der „St. Vinzenz Soziale Werke gGmbH“. „Fulda aktuell“ sprach mit ihm über den Umgang der Geschäftsleitung mit Problemfällen.

Sven Haustein, Geschäftsführer der "St. Vinzenz Soziale Werke", im Gespräch über das Problem-Management in den eigenen Einrichtungen.

Fulda - Im Rahmen der Pflegeserie von „Fulda aktuell“ sprach die Redaktion über das Thema Beschwerden und Beschwerde-Management in Altenpflegeeinrichtungen aus Sicht der Geschäftsführung am Beispiel der „St. Vinzenz Soziale Werke gGmbH“ in Fulda, die von Sven Haustein geführt wird. Diese betreibt fünf Altenpflegeeinrichtungen mit derzeit rund 320 Plätzen. Zur Unternehmensgruppe gehören auch Krankenhäuser, Kindertagesstätten und ein Hospiz im Raum Mittel-, Nord- und Osthessen.

„In den fünf Altenpflegeeinrichtungen gibt es jeweils eigene Einrichtungs-, Pflegedienst- und Wohnbereichsleitungen, die sich der Probleme und Wünsche der Menschen annehmen“, sagt Haustein. Schriftliche Beschwer- den gebe es in den in ihrer Größe überschaubaren Einrichtungen eher weniger, da man in gutem Kontakt mit Bewohnern und Angehörigen stehe. Man müsse unterscheiden, weswegen sich Bewohner oder Angehörige beschweren.

„Meistens geht es um alltägliche Dinge wie Wünsche und Anregungen beim Speiseplan oder Aktivitäten in der jeweiligen Einrichtung. Hier versuchen die Verantwortlichen die Bewohnerinnen und Bewohner so gut es geht einzubeziehen“, sagt Haustein.

Als Beispiele für kleinere Einrichtungen der „St. Vinzenz-Gruppe“ nennt Haustein Flieden und Hosenfeld. „Dort herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Man kennt sich“, sagt der Geschäftsführer. Zumal in den ländlichen Einrichtungen vor allem Senioren aus den umliegenden Dörfern wohnen, die Verwandten ebenfalls oft in der Nähe lebten und auch das Personal zum Teil aus den Gemeinden stamme. „Das ist sicherlich einer der Gründe, warum es bei uns relativ wenige schriftliche Beschwerden gibt“, so Haustein. Viele Dinge können im direkten Gespräch geklärt werden.

Nonnen sind vor Ort

Aus seiner Sicht ist es ein weiterer Pluspunkt, dass nach wie vor Vinzentinerinnen in den Einrichtungen leben und wirken. „Sie nehmen sich Zeit für unsere Bewohner und unterstützen in den Tagesabläufen“, sagt der Geschäftsführer. Den Menschen in der Region, insbesondere im ländlichen Raum, sei ein christliches Leitbild wichtig. Der Pflegekräftemangel in Deutschland betrifft auch die „St. Vinzenz-Gruppe“. Der gesetzlich geregelte und in den Pflegesätzen finanzierte Fachkräfteschlüssel reiche nicht immer aus, so dass man in den Einrichtungen auch auf freiwillige Helfer setze, die sich dort engagieren. „Mit mehr Personal könnten wir uns natürlich noch intensiver um die Menschen kümmern“, sagt Haustein.

Wenn in den Einrichtungen Beschwerden eingehen, dann sind die Verantwortlichen der Einrichtungen und der Geschäftsführer diejenigen, die sich jedes einzelnen Falles annehmen. Wichtig sei dann, mit allen Betroffenen ein Gespräch zu führen. Auch interne Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern fänden statt. „Es ist unsere Aufgabe, zur Qualitätssicherung die eigenen Strukturen immer wieder zu überprüfen“, sagt der Geschäftsführer. Der offene Umgang mit Kontrollgremien wie der Betreuungs- und Pflegeaufsicht oder dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) ist Haustein ebenfalls sehr wichtig: „Im direkten und persönlichen Gespräch können viele Dinge geklärt werden.“

"Extremfälle sind Ausnahmen"

Der Fall, den „Fulda aktuell“ im Juli dieses Jahres öffentlich gemacht hatte, „rückt die Branche in ein falsches Licht“, so Haustein. „Ich denke, dass solche Extremfälle Ausnahmen in der Altenhilfe in unserer Region sind“, denkt Hau- stein. Pflegekräfte haben aufgrund ihrer Ausbildung und zahlreichen Fortbildungen eine hohe Kompetenz, wenn es darum geht Senioren in ihrem Alltag zu begleiten und unterstützen. „Es gibt immer mal wieder Beispiele, dass Menschen, die eine Weile bei uns waren, aufgrund guter Pflege wieder nach Hause können“, berichtet der Geschäftsführer.

Obwohl keine der Einrichtungen von „St. Vinzenz“ betroffen war, hatte Haustein eine Krisensitzung einberufen, um den Fall von „Fulda aktuell“ zu besprechen und mit den Mitarbeitern über das eigene Beschwerde-Management zu reden. Laut Haustein ist das Image der Pflegeberufe aufgrund einseitiger Berichterstattung belastet. Bei „St. Vinzenz“ habe jeder einzelne Mitarbeiter einen hohen Stellenwert und man lege großen Wert auf die Ausbildung der angehenden Pflegekräfte.

„Wir versuchen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“, sagt Haustein und freut sich, dass sowohl in diesem als auch letzten Jahr Auszubildende der „St. Vinzenz Soziale Werke“ als Jahrgangsbeste in der Pflegeschule abgeschnitten haben. Durch die zahlreichen Standorte und Vielfalt der Unternehmensgruppe sei es auch möglich, attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen anzubieten. Heute sei eine Altenpflegeeinrichtung kein „Heim“ mehr, sondern biete neben der Unterbringung eine große Anzahl an Freizeitbeschäftigung. „Unser Anspruch ist, zu überlegen, was wäre, wenn ich mich selbst oder einen Angehörigen in eine Pflegeeinrichtung bringen würde“, sagt der Geschäftsführer.

Es sei eine „nicht ganz einfache Aufgabe“, kleinere Einrichtungen wirtschaftlich zu führen und nicht defizitär zu werden: „Das ist eine Herausforderung.“ Und dennoch gehe man in den Einrichtungen von „St. Vinzenz“ im Rahmen der Möglichkeiten auf die Wünsche der Bewohner ein. „Die Menschen müssen zu uns kommen wollen“, fährt er fort. Denn es sei ein „riesengroßer Schritt im Leben, wenn ein Mensch in eine Einrichtung geht“.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

DRK Fulda: Ehrenamtliches Engagement erleichtern und attraktiver machen

Zum "Internationalen Tag des Ehrenamtes" am 5. Dezember: Appell der Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Fulda 
DRK Fulda: Ehrenamtliches Engagement erleichtern und attraktiver machen

"STI Group" mit Stammsitz in Lauterbach bleibt als Familienunternehmen erhalten

Inhaberin Dr. Kristina Stabernack will Firmengruppe als Ganzes weiterführen
"STI Group" mit Stammsitz in Lauterbach bleibt als Familienunternehmen erhalten

Am Freitag: Müllsammelaktion und Kundgebung in Fulda

Aufruf von verschiedenen Fuldaer Organisationen: "Müll schadet der Natur und dem Stadtbild"
Am Freitag: Müllsammelaktion und Kundgebung in Fulda

Unfall in Fulda-Künzell: 3.000 Euro Schaden nach Zusammenprall

Eine leichtverletze Person und ein Gesamtsachschaden in Höhe von 3000,- Euro ist die Bilanz eines Verkehrsunfalls am Dienstag, dem 03.12.19, gg. 13.30 Uhr in Künzell in …
Unfall in Fulda-Künzell: 3.000 Euro Schaden nach Zusammenprall

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.