Oliver Estavillo: Ideen, die nachts im Traum kommen

Oliver Estavillo (rechts) vor seinen Werken „Gefährlicher Frühling“ und „Dark Eden“ gemeinsam mit Galerist Gregor Stasch.  
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Oliver Estavillo (rechts) vor seinen Werken „Gefährlicher Frühling“ und „Dark Eden“ gemeinsam mit Galerist Gregor Stasch.  

Am Anfang steht das Erschrecken über die Gestalten, die die Leinwand bevölkern. Sie erinnern an Figuren des mexikanischen Regisseurs Luis Buñuel, die zum einen schockieren und zum Nachdenken anregen, mit ihrem tiefgründigen, surrealistischen Humor aber auch zum Lachen animieren sollen

Fulda Der 1964 in Fulda geborene Oliver Estavillo stellt noch bis 14. Mai in der „Galerie & Kabinett“ in den Räumen am „Simpliziusbrunnen 17“ aus. FULDA AKTUELL hat den Künstler dort zum Gespräch getroffen, bei dem es auch um Musik ging. Denn irgendwie atmet das Werk trotz seiner vielfach einschüchternden Motive besonders eines: Rock‘n‘Roll. Doch davon später mehr.

Insgesamt 26 Bilder können in der Galerie von Gregor Stasch bewundert werden. Die Ausstellung ist – genau wie eines der großformatigen Werke – mit „Gefährlicher Frühling“ betitelt. Erläuternde Worte hierzu kamen bei der Vernissage von Dr. Hans-Heinrich Hellmuth, der Estavillo zitierte: „Seit Beginn der Pandemie arbeite ich an meinem Bild zur Coronakrise. Das ermöglicht es mir, etwaige düstere Gedanken direkt einfließen zu lassen und so für mich zu verarbeiten. Das Bild wird dadurch immer komplexer und vielschichtiger“. Die Schrecken der Pandemie werden laut Hellmuth hier jedoch nicht in unmittelbarem Realismus, sondern symbolisch in visionären Zeichen und Bildern gestaltet, „wobei es ihm überzeugend gelingt, jene heilsame Kraft der Kunst zu beschwören, die imstande ist, katastrophale Ereignisse zu deuten und in aussagekräftige Bilder zu bannen“.

Nach neun Monaten intensiver, täglicher Arbeit vollendete er am 5. Dezember 2020 das Werk, als die Seuche in Deutschland in einer zweiten Welle einen neuen, traurigen Höchststand erreicht und bereits Tausende von Todesopfern gefordert hatte. Schon einen Tag später begann er ein neues Bild, denn, wie er einmal sagte: „Ich mag keine leere Staffelei, sondern muss immer an einem Bild arbeiten. Eine längere Pause wäre für mich unerträglich.“ Auch dieses Werk mit dem Titel „Dark Eden“ beschäftigte ihn neun Monate. Hellmuth: „Der Garten Eden ist hier kein friedliches Paradies, sondern ein Schreckensort von Verwesung, Tod und Verderben. Und nicht nur im übertragenen Sinn herrscht Finsternis, sondern auch ganz real“.

Estavillo wuchs im Fuldaer Stadtteil Ziehers-Nord auf und zog 1986 nach München – eine Stadt, deren Lebensart er noch heute mitunter schmerzlich vermisst, wie er im Gespräch sagt. Eigentlich habe er nie etwas anderes machen wollen als zu malen, wobei ihn zu Beginn das Mysterium der „Bestie Mensch“ faszinierte, das er – auch in brutal zu nennenden Ausdrucksformen – auf Leinwand zu bannen versuchte. 2013 hatte es bereits eine Ausstellung im Vonderau Museum gegeben, der 2020 eine große Retrospektive folgte. Drei Jahre zuvor war Estavillo aus der bayrischen Landeshauptstadt nach Osthessen zurück gekehrt. Und auch wenn er der Atmosphäre in München nachtrauert und ganz nostalgisch wird beim Erwähnen des Liedes „Sommer in der Stadt“ der „Spider Murphy Gang“ – die Rahmenbedingungen für Künstler in Fulda seien gut.

Wert legt der Künstler darauf, bei seinen Arbeiten „stets nur beste Farben, die beste Leinwand und die besten Pinsel“ zu verwenden. Denn Qualität zu liefern stehe bei ihm ganz obenan, „da bin ich sehr pedantisch und bisweilen auch ungeduldig“. Was die Titel seiner Werke angeht, „so sind die plötzlich da, fliegen mir einfach zu“. Ähnlich verhalte es sich mit Ideen, die ihm manchmal nachts im Bett einfielen: „Dann habe ich etwas geträumt, wache auf und muss es mir gleich notieren. Daher habe ich immer auch Block und Stift neben mir liegen“.

Eines kann sich Estavillo, der auf eine ganz eigene Art ruhe- und rastlos wirkt und für den Urlaub daher keine Option ist, nicht vorstellen: Nicht mehr zu malen. „Solange ich lebe, male ich“, lautet seine tiefe Überzeugung.

Da ähnelt er dem Musiker und Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, der sich seit Jahren auf seiner „Neverending“-Tour befindet. 2018 hatte er für die Bob Dylan-Ausstellung „I’m Not There – Rock trifft Barock“ im Vonderau Museum übrigens auch ein Werk beigesteuert. „Dylan ist ein Genie und trotz seiner Krähenstimme eine Legende geworden. Obgleich ich Bruce Springsteen lieber höre“.

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