Trauergesprächsabend: „Ein Raum um über Gefühle und Erlebnisse zu sprechen“

Margerethe Rohnke, Trauerbegleiterin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizdienst der „Malteser“, und Wilfried Wanjek, Leiter des „Hospizdienstes Malteser“ (von links).
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Margerethe Rohnke, Trauerbegleiterin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizdienst der „Malteser“, und Wilfried Wanjek, Leiter des „Hospizdienstes Malteser“ (von links).

Margerethe Rohnke, Trauerbegleiterin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizdienst der „Malteser“, und Wilfried Wanjek, Leiter des „Hospizdienstes Malteser“ waren zu Gast bei Fulda aktuell.

Fulda. Trauerbegleitung unterstützt Menschen bei der Bewältigung erlittener oder zu erwartender Verlusterfahrungen. Sie unterstützt Menschen in ihrem Prozess der Trauer durch Dasein, Mitschweigen und vor allem Zuhören sowie durch unterschiedliche Angebote und Methoden. Wilfried Wanjek, Leiter des „Hospizdienstes Malteser“ und Margerethe Rohnke, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizdienst, sprechen mit „Fulda aktuell“ über ihre Erfahrungen mit Trauergesprächsabenden und Einzelgesprächen.

Wanjek ist seit 2013 beim „Hospizdienst Fulda“ und Rohnke entschied sich 2009 für eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin bei den „Maltesern“. Das durch spendenfinanzierte Projekt der Trauerbegleitung und die üblichen Trauergesprächsrunden können durch die aktuelle Corona-Situation nicht mehr regulär stattfinden.

Aus diesem Grund hat sich der Hospizdienst der „Malteser“ eine Lösung für dieses Problem einfallen lassen: Online- Trauergesprächsabende.

„Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die voller Mitgefühl und Souveränität mit Trauernden und Sterbenden umgeht, und in der jeder die optimale Unterstützung in individuellen Trauerprozessen erfährt. Dazu schaffen wir digitale Räume, die diese Auseinandersetzung möglich machen und fördern“, so Rohnke. „Wir tun, was möglich ist, um trauernde Menschen weiterhin zu unterstützen. Schon bevor es von der Politik gewünscht war, haben wir unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter vor jedem Kontakt mit Trauernden auf Corona testen lassen. Die Sicherheit der Menschen, die zu uns kommen und die unseres Teams ist uns sehr wichtig“, so Wanjek.

Rohnke, die für die Trauerbegleitung von Erwachsenen und Kindern ausgebildet ist, erkennt einen deutlichen Unterschied darin, wie Erwachsene trauern und wie Kinder mit einem Verlust umgehen: „Generell trauert jeder auf seine eigene Art und Weise. Da gibt es auch kein Richtig und kein Falsch. Erwachsene wollen meistens viel darüber sprechen. Bei Kindern braucht es oft ein methodisches Vorgehen, in dem man vielleicht auch mal raus in die Natur geht und zusammen etwas unternimmt.“

„Ein Verlust wirkt sich für jeden Menschen anders aus. Manche haben viel Redebedarf, andere weniger. Oft hilft es Trauernden, das Erlebte gemeinsam mit anderen Menschen zu bearbeiten, die in einer ähnlichen Situation sind, da kommen unsere Trauerabende ins Spiel. Andere wiederum wollen oder benötigen vielleicht eher ein Einzelgespräch“, so Wanjek.

„Wir sprechen auch mit Angehörigen von Trauernden, denn die Sorge um einen Menschen, der in seiner Trauer feststeckt, spielt auch in unserer Arbeit eine große Rolle. Viele Angehörige wissen nicht, wie sie einem Freund oder einem Familienmitglied aus ihrer Trauer heraus helfen sollen. Es gibt da aber keine genaue Reihenfolge an Phasen, die ein Mensch durchlaufen muss und am Ende sagt: ‚Ich bin nicht mehr traurig‘. Es ist oft ein langer und vor allem ein individueller Prozess“, erklärt der Hospiz- Leiter.

Das „Malteser Hospiz-Zentrum“ in Fulda lädt am 7. Dezember wieder zu einem Online-Trauergesprächsabend ein. In Begleitung von Rohnke können Trauernde dort ihre Erfahrungen und ihre Gefühle teilen, von Erlebnissen erzählen und Trost und Unterstützung durch die Gemeinschaft finden.

„Das Online-Angebot kann die reale Präsenz nicht ersetzen. Aber es ist in der aktuellen Zeit eine gute Möglichkeit, trotzdem weiter zu helfen. Wir könnten uns sogar vorstellen, dieses Online-Angebot länger anzubieten, da dann vielleicht Menschen, die weniger Zeit haben oder nicht mobil sind, sich solchen Abenden anschließen“, so Wanjek. Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer 0661/86977250 oder per E-Mail an hospizzentrum.fulda@malteser.org möglich.

„Wir bieten unsere Trauergesprächsabende momentan zweimal im Monat an. Einen eigenen Termin für Witwen mit schulpflichtigen Kindern und einen eigenen, offenen Termin für alle, die über ihren Verlust sprechen möchten“, so Rohnke.

An einem Trauergesprächsabend. können zirka zehn bis zwölf Personen mitmachen. Der Abend ist strukturiert, geht zirka eineinhalb Stunden, und jeder Online-Abend hat ein eigenes Thema. Themengebiete können zum Beispiel: Achtsamkeit, Selbstführsorge, Festtage aber auch der Umgang mit Kindern während der Trauer, sein.

„Es ist wichtig, dass Menschen, die trauern, wissen, dass sie nicht alleine sind. Es gibt andere Menschen, die ähnliches durchmachen und nachempfinden können“, so die Trauergesprächsbegleiterin. „Wir haben da auch großen Respekt vor dem inneren Prozess, der in den Betroffenen ausgelöst wird. Es ist dann auch immer wieder eine Freude zu sehen, wie die Menschen über sich hinauswachsen, heilen und sich wieder ins Leben zurückkämpfen“, so Wanjek.

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