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Opfer zweiter Klasse

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Von HANS-PETER EHRENSBERGERDie Katastrophe ist weit verheerender als in den schlimmsten Alptrumen befrchtet und erreicht fast schon

Von HANS-PETER EHRENSBERGER

Die Katastrophe ist weit verheerender als in den schlimmsten Alptrumen befrchtet und erreicht fast schon die Ausmae der Tsunami-Apokalypse von Weihnachten 2004. Nur diesmal scheint sich das unvorstellbare Drama nahezu unter Ausschluss der Weltffentlichkeit zu vollziehen. Zehntausende Menschen wurden in Birma von dem Zyklon Nargis gettet, dem schlimmsten in der Geschichte des armen sdostasiatischen Landes; und mindestens ebenso viele werden noch vermisst.

Die Hlfte der Bevlkerung von Myanmar so nennen die seit 1962 herrschenden Militr-Machthaber die frhere britische Kolonie Burma ist von dem Monster-Orkan betroffen, totales Chaos kennzeichnet die Situation vor Ort. Doch kaum jemand in der westlichen (Medien-) Welt scheint davon Notiz zu nehmen. Ein 50 Millionen-Volk leidet unvorstellbare Not, aber die Hilfe luft wenn berhaupt nur schleppend an. Sozusagen auf Sparflamme. Das liegt zum einem an der Junta, die Untersttzung nur in dem Mae annehmen will, in dem sie sie auch selbst kontrollieren und fr ihre Ziele propagandistisch, ja sogar zweckentfremdet einsetzen kann. Und die just in diesen Tagen sogar noch ein ihr genehmes wie gleichermaen umstrittenes Verfassungsreferendum abhalten will.

Zum anderen, und das ist fast noch verwerflicher: Diesmal waren keine Touristen aus Europa, Amerika und Australien an den Traumstnden, wie seinerzeit in Thailand, Indonesien oder den anderen bevorzugten Urlaubslndern am Indischen Ozean, so dass der Betroffenheit heuchelnde Boulevard aus Birma seinen Lesern keine spektakulren Schicksale bieten kann von Familien, die sich bei der Springflut aus den Augen verloren, von einem sich an einer Palme festklammernden Rentner, dem die Riesenwelle die Frau aus der Hand reit. Von Gerichtsmedizinern, die hunderte in Khlcontainern zwischengelagerte Leichen anhand der Kleider, Zahnbilder oder mit Hilfe von Genmaterial identifizieren mssen. Von Notfallseelsorgern, die den Angehrigen Trost spenden und sich mit ihnen auf die Suche nach den verschwundenen Lieben machen.

Doch auch diesmal weinen Mtter um ihre Kinder, irren Vter wie gelhmt durch berschwemmte Straen, treiben tausende Tote in Flssen, droht eine zweite Folge-Katastrophe mit dem befrchteten Ausbruch von Seuchen. Auch in diesen Tagen, mitunter entscheidenden Stunden, fehlt es an Trinkwasser, Nahrung, Zelten, Decken und Medikamenten. Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren und muss es so drastisch formulieren: In Birma warten scheinbar Opfer zweiter Klasse auf eine berlebensnotwendige, bis dato jedoch noch weitgehend fehlende und vor allem effektive Hilfe!

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