Osterpredigt von Bischof Dr. Michael Gerber

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In der Osternacht feierte der Bischof unter strengen Hygienebedingungen mit Gläubigen das Osterfest im Fuldaer Dom.

Fulda. Ostern öffnet neue Horizonte und lädt zum Aufbruch ein: In seiner Predigt am Ostersonntag beschrieb Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber die Ostererfahrung als Zukunfts-Perspektive. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen brauche es dabei die richtigen Worte und mutige Menschen. Bereits am Gründonnerstag und Karfreitag ging Gerber auf aktuelle politische Ereignisse sowie die Situation der Kirche ein. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Gottesdienste unter strengen Hygiene-Regeln gefeiert und parallel im Internet übertragen.
 
An Karfreitag waren die Jünger Jesu in einer ähnlichen Situation wie viele Menschen, die heute einen Angehörigen verloren haben, beschrieb Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber während seiner Osterpredigt im Fuldaer Dom: Sie konnten nicht bewusst Abschied nehmen und den Verstorbenen auch nicht auf dem letzten Weg begleiten. Damals aus Angst vor Verfolgung, heute, weil es die Corona-Regeln nicht möglich machen.
 
„Was sind die letzten Worte, die uns noch mitgegeben wurden, die wir in Erinnerung behalten wollen?“, fragte Gerber und fügte hinzu, dass es klar sein müsse, aus welchem Wort man lebt.
Welches Wort Jesu und welche Ereignisse die Kraft dazu geben würden.
 
Eine neue Kultur
 
Gerber rief die Gläubigen dazu auf, gemeinsam neue Wege zu beschreiten. „Schwere Zeiten, spannungsvolle Situationen fordern Menschen heraus, die für eine neue Kultur stehen; die aus einer inneren Kraft leben“, sagte er. Dazu brauche es Menschen, die von einem Wort getragen seien, das nach vorne weise und neue Horizonte erschließe.
 
Gerber erinnerte dabei an Pater Alfred Delp, der als Gefangener des NS-Regimes noch kurz vor seiner Hinrichtung schrieb: „Laßt uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“ und an Martin Luther Kings berühmte Worte „I have a Dream“.
 
Vertrautes in anderem Licht
 
Eine neue Bedeutung bekamen Jesu Worte am Ostermorgen für die drei Frauen, die eigentlich gekommen waren, um seinen Leichnam zu salben: Nach seiner Auferstehung würde er ihnen vorausgehen nach Galiläa, hatte er noch vor seiner Gefangennahme gesagt. Erst angesichts des leeren Grabes verstanden die Frauen, was damit gemeint war. 
 
Wie die Frauen damals in Galiläa auf die Spuren des Auferstandenen stoßen sollten, so geht er heute auch uns voraus, betonte Bischof Gerber. Das österliche Geschehen eröffne beim Blick auf die vertraute Umgebung oder Landschaft eine neue Tiefendimension. Die bekannten Wege erscheinen plötzlich in einem anderen Licht. Man könne diesen neuen Weg gehen mit dem Mut, den damals die drei Frauen am Grab Jesu gezeigt haben und die von dem Wort Jesu getragen wurden: „Ich gehe euch voraus – wohin immer ihr unterwegs seid – ich werde schon da sein und euch erwarten“.

Aktuelle politische Ereignisse
 
Am Karfreitag zog Bischof Gerber bereits Parallelen zwischen der biblischen Geschichte und aktuellen politischen Ereignissen in der Welt: So wie Jesus sich damals bewusst seinen Verfolgern ausgeliefert und damit sein Leiden und Sterben in Kauf genommen habe, so setzten sich auch heute trotz zahlreicher Risiken weltweit Menschen für Freiheit und Gerechtigkeit ein. Etwa der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny oder die Menschen, die seit Monaten in Weißrussland, Hong Kong oder aktuell in Myanmar für ihre Rechte auf die Straßen gingen. Gerber rief dazu auf, diese Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren und solidarisch an ihrer Seite zu bleiben.
 
Auf die aktuell nicht einfache Situation der Kirche ging der Bischof von Fulda beim Abendmahlsamt am Gründonnerstag ein. Dabei versicherte er den Gläubigen, dass Gott stets treu zu ihnen steht: „Das ist Grund unseres Glaubens: Gerade da, wo unsere Glaubwürdigkeit versagt, bekennt sich Gott ein für alle Mal und unwiderruflich zu seinem Volk.“
 
Strenge Hygiene-Regeln
 
Wegen der Corona-Pandemie fanden die Gottesdienste unter strengen Hygiene-Regeln statt. Die Besucher mussten sich zum Beispiel vorab anmelden und registrieren, Masken tragen und Abstände einhalten. Auf den Gemeindegesang wurde verzichtet, auch die traditionelle Fußwaschung am Gründonnerstag konnte nicht in der gewohnten Form stattfinden.
 
Da wegen der Abstandsregeln nur wenige Gläubige in den Fuldaer Dom kommen konnten, wurden die Gottesdienste parallel im Internet übertragen. www.bistum-fulda.de

Rubriklistenbild: © marzena seidel photoebene

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