Parkplatz-Pinkler: Viele Autobahn-Parkplätze und zu wenige Toiletten

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Osthessen. Zwischen Kirchheim und Uttrichshausen liegen 60 Kilometer - ohne Parkplatz mit Toiletten. Das ist vor allem für Lkw-Fahrer ein Problem.

Osthessen. Wo sind denn hier die Toiletten? Das fragt sich sicherlich der ein oder andere, wenn er auf osthessischen Autobahnen unterwegs ist. Denn eines fällt auf: Es gibt weniger Parkplätze mit WC als zum Beispiel in Niedersachsen oder Bayern. Hier und da sind zwar schöne neue Parkmöglichkeiten entstanden, mit viel Beleuchtung und noch mehr Mülltonnen, wie zum Beispiel der Parkplatz "Pilgerzell". Aber Toiletten? Die sucht man häufig vergeb­lich.

Daniela Czirjak von "Hessen Mobil", dem Straßen- und Verkehrsmanagement, sagt, auf die Frage, ob es dafür einen Grund gibt, die Verteilung der Rastplätze sei historisch bedingt. "In den 60er und 70er Jahren hat man etwa alle fünf bis zehn Kilometer eine kleine Rastanlage ohne WC gebaut, in Ausbaustufen sollte dann etwa alle 30 bis 35 Kilometer eine Tankstelle mit so genanntem Erfrischungsdienst und alle 50 bis 60 Kilometer ein Rasthof mit Tankstelle gebaut werden. Und in einem letzten Schritt sollte gleichsam zwischengeschaltet alle zwölf bis 15 Kilometer ein Kiosk mit WC entstehen." Diese Konzeption sei aber nur teilweise umgesetzt worden, da sich unter anderem das Verhalten der Verkehrsteilnehmer und der Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge verändert hat. Auf der A 7 sei diese alte Konzeption aber gerade zwischen dem Hattenbacher Dreieck und der Landesgrenze zu Bayern noch in den Grundzügen wiederzufinden.

Nun gibt es dort aber zurzeit keinen einzigen Parplatz mit Toiletten – auf 60 Kilometern. Zwei Rastanlagen, aber keine Parkplätze mit WC. Das ist ein Problem. Lkw-Fahrer sind auf die Rastplätze angewiesen, denn nach viereinhalb Stunden müssen sie ihre gesetzlich vorgeschriebenen 45-minütigen Pausen einhalten. Anhand eines digitalen Kontrollgerätes kann ganz einfach kontrolliert werden, ob die Fahrer sich an die Pausenregelungen gehalten haben. Und da zählt jeder Meter, um die Lenkzeiten nicht zu überschreiten.

"Zu wenig Parkplätze"

Berufskraftfahrer wie Heinz Grützel aus Hannover beschreiben die Parkplatz- und Sanitäranlagen-Situation auf den Parkplätzen in Osthessen als "Katastrophe". "Hier rund um Fulda bündelt sich alles. Ob man im Norden oder im Süden losfährt – meist landet man zur Pause irgendwo hier. Und dafür gibt es zu wenig Parkplätze und die Situation mit den Toiletten lässt einfach komplett zu wünschen übrig." Timo Schmidt transportiert Baustoffe und übernachtet häufig auf Rastplätzen. "Die Autohöfe mit ordentlichen Toiletten und Duschen wie zum Beispiel Eichenzell oder Fulda/Nord sind extrem schnell voll. Wer da nicht schnell genug ist, hat Pech gehabt. Wenn ich nicht pünktlich bei einem Kunden wegkomme, muss ich eben mit einem der Parkplätze vorlieb nehmen. Und das sind nur die Pausen. Wegen des Sonntagsfahrverbots müssen wir teilweise auch an Wochenenden auf den Parkplätzen ausharren. Und das ohne Toilette. Ich glaube, ich brauche nicht zu sagen, dass das unangenehm ist."

Rastanlage für Lkw gesperrt

Auf der A 7 von Kassel in Richtung Fulda gibt es zurzeit noch mehr Schwierigkeiten. Durch Bauarbeiten an der Rastanlage Großenmoor ist diese für Lkw gesperrt. Und das bedeutet: Zwischen der Rastanlage in Uttrichshausen und der in Kirchheim (Fahrtrichtung Norden) gibt es keine Parkmöglichkeiten mit Toiletten an der Autobahn. Das ist eine Strecke von rund 60 Kilometern. Czirjak von "Hessen Mobil" sagt dazu: "Für Lkw bestehen Ausweichmöglichkeiten auf den vorhandenen Autohöfen, wie zum Beispiel Fulda/Nord." Doch nicht nur, dass diese Pläzte schnell ausgebucht sind. Was viele nicht wissen: Lkw-Fahrer müssen dafür zahlen, dass sie die Nacht über auf einer Rastanlage oder einem Autohof bleiben dürfen. Kostenpunkt: Zwischen acht und 15 Euro pro Nacht. Geld, das sicherlich nicht jeder Berufskraftfahrer ausgeben kann oder will.

Aber nicht nur Lkw-Fahrer sind von den fehlenden Toiletten betroffen. Autofahrer mit Kindern zum Beispiel sind häufig auf eine Toilette angewiesen. Da heißt es häufig bei Auto- wie auch bei Lkw-Fahrern oder Kindern: Ab in die Büsche. Und wenn die Büsche auf den Rastplätzen nicht genug Schutz bieten, lassen sich die Menschen in ihrer Not auch mehr einfallen. "Wir sehen immer wieder, dass Wildschutzzäune heruntergetrampelt wurden. Die Leute gehen dann auf angrenzende Felder oder in die Wälder", sagt Thomas Fey, Leiter der "Autobahnmeisterei Petersberg". Auf dem Rastplatz "Pilgerzell" gibt es sogar eine Tür im Wildschutzzaun, die nicht verschlossen ist. Normalerweise müssen die Türen dort verschlossen sein, nicht nur, damit kein Wild auf die Straßen läuft, sondern auch, damit Menschen nicht von außen zur Autobahn laufen können – nur Rettungskräfte und die Autobahnmeistereien haben Schlüssel dafür. Auf dem Rastplatz "Pilgerzell" steht die Tür aber häufig einen Spalt geöffnet.

Weitere Toiletten geplant

Doch es soll sich etwas ändern -– Czirjak sagte zu "Fulda aktuell", dass im kommenden Jahr die Parkplätze Pilgerzell, Hummelskopf und Rotkopf mit Toiletten ausgestattet werden sollen. Dadurch sollen dann zwischen Kirchheim und Uttrichshausen auf der A 7 alle 15 bis 20 Kilometer Parkplätze mit Toilettenanlagen zu finden sein. "Das Problem ist nur, dass die Rastplätze ja nicht direkt an Ortschaften angrenzen. Deshalb ist es immer etwas aufwändiger, all die Rohre für die Wasser- und Abwasserleitungen zu installieren. Aber es soll im kommenden Jahr gemacht werden", sagt Autobahnmeisterei-Chef Fey.

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