Bouffier: „Pandemie der Ungeimpften“

Schärfere Regeln gelten seit Donnerstag in Hessen, um die vierte Coronawelle einzudämmen und um die Impfquote zu erhöhen.
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Schärfere Regeln gelten seit Donnerstag in Hessen, um die vierte Coronawelle einzudämmen und um die Impfquote zu erhöhen.

PCR- statt Antigentest bei 3G ist nur eine der neuen Corona-Regeln in Hessen, die seit gestern gelten.

Hessenweit steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen ebenso wie in der gesamten Bundesrepublik. Trotz einer deutlich höheren Anzahl an Geimpften liegt die Inzidenz seit Wochenbeginn bei über 200, in Hessen überschritt die Hospitalisierungsrate den Wert von 200, was bedeutet, das unser Bundesland neue Corona-Regeln bekommen hat, die seit Donnerstag gelten, die sogenannte „Corona-Warnstufe 1“ der Hessischen Coronaschutzverordnung. Mitte der Woche wurden 649 COVID-19-Patienten stationär in Krankenhäusern behandelt, von denen 205 intensivmedizinisch betreut werden müssen. 70 Prozent der Krankenhauspatienten sind laut dem Land Hessen ungeimpft.

Ministerpräsident Volker Bouffier und Sozialminister Kai Klose stellten den neuen Maßnahmenkatalog, den die Hessische Landesregierung beschlossen hat, am Montag in einer Pressekonferenz vor. „Mit unserem Maßnahmenpaket wollen wir insbesondere die gefährdeten Gruppen schützen“, sagten Bouffier und Klose in Wiesbaden.

Die Testpflicht bei der 3G-Regel wurde verschärft. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss seit Donnerstag einen PCR-Test nachweisen, um beispielsweise an Veranstaltungen teilzunehmen, die Gastronomie, Kinos, Messen, Freizeiteinrichtungen oder Fitnessstudios besuchen zu können. Dies gilt nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht gegen Corona impfen lassen können. Letztere benötigen ein ärztliches Attest. Für diese Gruppe sowie Kinder und Jugendliche gilt weiterhin der negative Antigentest, der unter anderem durch die in den Schulen durchgeführten Tests inklusive Dokumentation im Testheft nachgewiesen werden kann.

Laut der neuen Regeln müssen sich Schülerinnen und Schüler in hessischen Schulen bis zum 31. Januar 2022 dreimal pro Woche testen. Dies war bisher – außerhalb der zwei Wochen nach Ferienende – nur noch zweimal wöchentlich nötig.

In Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern wurde die Testpflicht bereits vor der nun geltenden Regelung verschärft. Die Testvorgaben wurden nun auch für andere Bereiche des Arbeitslebens verschärft: „Auch am Arbeitsplatz gilt künftig die 3G-Regel immer dann, wenn die Beschäftigten Kontakt zu externen Kunden haben. Das gilt beispielsweise für das Personal in Supermärkten, im Öffentlichen Personennahverkehr oder beim Friseur. Damit setzt Hessen auf eine Regelung des Bundes auf, die entsprechende Testmöglichkeiten zweimal pro Woche am Arbeitsplatz vorschreibt. In Hessen müssen diese Tests von den Beschäftigten angesichts der aktuellen Infektionslage auch verpflichtend genutzt werden“, so Bouffier.

Was Veranstaltungen betrifft, so dürfen ab 5.000 Teilnehmenden nur noch maximal zehn Prozent Getestete sein, die restlichen 90 Prozent müssen geimpft oder genesen sein.

Impfquote erhöhen

„Die Zahlen machen drei Dinge deutlich. Erstens: Die Impfung ist der beste Schutz gegen eine schwere Corona-Erkrankung. Zweitens ist es neben den Pflegekräften vor allem den Geimpften zu verdanken, dass die Situation in unseren Krankenhäusern trotz steil ansteigender Infektionszahlen bislang noch beherrschbar war. Und drittens: Die Impfquote ist noch immer nicht hoch genug. Auch bei den Auffrischimpfungen brauchen wir mehr Tempo“, so der Ministerpräsident.

„Die Zahlen der Schwersterkrankten zeigen: Wir haben es in erster Linie mit einer Pandemie der Ungeimpften zu tun. Die neuen Maßnahmen sind notwendig, damit wir unsere

Gesundheitsversorgung weiter aufrechterhalten können und durch verstärkte Testreihen die Infektionsgefahr weiter einschränken. Es ist und bleibt unser Ziel, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen“, sagte Klose.

Die Landesregierung will eine Informationsoffensive zur Auffrischimpfung, dem sogenannten Booster, starten. „Wir werden nicht nur für die Auffrischung werben, sondern auch aktiv auf besonders gefährdete Personen zugehen. Mit den Kommunalen Spitzenverbänden haben wir entsprechend vereinbart, dass die mobilen Impfteams vor Ort gezielt die Alten- und Pflegeheime ansteuern und die Bewohnerinnen und Bewohner dort erneut impfen. In etlichen Kreisen und kreisfreien Städten ist das ja auch bereits angelaufen“, so Bouffier und Klose.

Der Sozialminister wies zudem darauf hin, dass auch die Grippeschutzimpfung angeraten sei. „Die Influenza-Impfung ist für besonders gefährdete Personen eine wichtige Schutzmaßnahme. Studien zeigen zudem, dass eine Impfung gegen Grippe auch vor gefährlichen Nebenwirkungen einer COVID-Erkrankung wie Thrombosen, Schlaganfällen oder Blutvergiftungen schützen kann“, so Klose.

Hintergrund: Der PCR-Test

Schärfere Regeln gelten seit Donnerstag in Hessen, um die vierte Coronawelle einzudämmen und um die Impfquote zu erhöhen. Pixabay

Der PCR-Test gilt als das zuverlässigste Verfahren, um einen Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 abzuklären. Beim PCR-Test handelt es sich um ein Standardverfahren in der Diagnostik von Viren. Der Test beruht auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR). Für den PCR-Test wird in der Regel eine Probe aus den Schleimhäuten der Atemwege entnommen. Die Analyse der Probe mit dem PCR-Verfahren erfolgt in einem Labor. Meist liegt das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden nach der Probenentnahme vor. Bei starken Überlastungen der Labore kann es gelegentlich länger dauern.

Quelle: infektionsschutz.de

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