Perspektiven für die Stadt Fulda zu Beginn 2022: Gespräch mit OB Dr. Wingenfeld

Zeigt im FULDA AKTUELL-Gespräch Perspektiven für die Stadt Fulda auf: OB Dr. Heiko Wingenfeld
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Zeigt im FULDA AKTUELL-Gespräch Perspektiven für die Stadt Fulda auf: OB Dr. Heiko Wingenfeld

Die Stadt Fulda steht nach Ansicht von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zu Beginn dieses neuen Jahres vor „vielen spannenden Aufgaben“ und den unterschiedlichsten Herausforderungen.

Fulda An der Spitze sei natürlich die Bewältigung der Corona-Pandemie zu nennen, „die in der jüngsten Vergangenheit das wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben unserer Stadt geprägt hat und weiterhin prägt“.

Während eines Gespräches mit FULDA AKTUELL gab der OB einen Ausblick auf die anfangs erwähnten Themenstellungen, die Verwaltung und städtische Gremien in den nächsten Wochen und Monaten fordern werden.

Stichwort Corona: Hier ist der 48-Jährige froh über die vielen niederschwelligen und dezentralen Impfangebote, die der Bevölkerung unterbreitet werden: „Denn Impfen ist der Schlüssel, um diese Pandemie zu bewältigen.“ Er sei sehr froh darüber, „dass so viele Menschen an einem Strang ziehen und gezogen haben“ und dankbar für die Kraftanstrengungen, die die verschiedenen Initiatoren von Impfaktionen unternähmen. „Ich kann nur darum bitten, die Impfangebote auch anzunehmen“, sagt Wingenfeld eindringlich.

Wunsch: Mehr Respekt

Auf die so genannten „Spaziergänge“ angesprochen, bei denen am vergangenen Montagabend auch in Fulda wieder mehrere hundert Menschen unterwegs waren, um gegen die Corona-Auflagen zu protestieren, formuliert der OB zum einen seine Besorgnis. Zum anderen betont er aber auch, „dass unsere freiheitliche Gesellschaft, in der wir leben, dies auch ertragen muss“. Solche Kundgebungen seien legitim, wenn die Regeln beachtet würden. Allerdings wünsche er sich, dass den Sicherheitskräften eine höhere Wertschätzung und weniger Aggression und Gereiztheit entgegengebracht werde: „Insgesamt wäre es schön, würden in der Gesellschaft unterschiedliche Meinungen mehr respektiert werden“. Sein besonderer Dank gelte den bei bei den Demonstrationen eingesetzten Polizeibeamten und Mitarbeitern des Ordnungsamtes, die kontrollierten, dass Vorgaben wie Maskenpflicht und Abstand eingehalten würden.

Wingenfeld gesteht ein, dass die Pandemie vielen Bereichen einen „herben Dämpfer“ versetzt habe. Gleichwohl sei die Stadt Fulda ebenso wie die gesamte Region in einer sehr guten Verfassung, die Wirtschaft weiterhin stark und die Lebensqualität sehr hoch. „Unsere Vorteile sind und bleiben die geografisch tolle Lage inmitten von Deutschland und Europa, die hervorragende Infrastruktur und das ausgezeichnete Bildungsangebot – wobei uns der Fachkräftemangel in vielen Bereichen schon sehr zu schaffen macht. Ebenso wie die Schere, die in Bezug auf Ausbildungsplätze und Bewerber weiter auseinander klafft.“ Sorge bereite ihm zudem die „schwach ausgeprägte Gründungsbereitschaft“.

„Kerber/Kaufhof“

Bei der Frage nach Perspektiven für Fulda kommt das Gespräch natürlich auf das „Kerber/Kaufhof“-Areal, das die Stadt vor Kurzem von der Eigentümerfamilie Kerber gekauft hat (wir berichteten). Der OB: „Wir sind froh darüber, dass wir uns haben einigen können, denn nun können wir die Entwicklung des etwas mehr als 6.000 Quadratmeter großen Areals selbst steuern und neu gestalten. Unsere Sorge war, dass möglicherweise über einen längeren Zeitraum mitten in der Stadt Stillstand geherrscht und es keine klaren Perspektiven gegeben hätte. Diesem Risikoszenario mussten wir entgegenwirken, zumal die Fläche großes Potenzial bietet.“

Wingenfeld schwebt ein breiter Nutzungsmix aus Handel, Ärztlicher Versorgung, Kultur, Wohnen, Bildung und Gastronomie vor, und er erinnert daran, dass die „Zukunftswerkstatt Innenstadt“ verschiedene Ideen hervorgebracht habe. Bund und Land förderten diese kreativen Ideen mit 2,647 Millionen Euro. Oberstes Ziel sei, dass der Komplex „in seiner Vielfalt und Lebendigkeit als Frequenzbringer mit Strahlkraft für die Innenstadt“ dient, die sich nicht zuletzt wegen der Pandemie im Umbruch befinde.

Bis Ende 2024 laufen noch verschiedene Mietverträge, an denen auch nicht gerüttelt werde. „Interimsmäßig“ könne er sich unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten wie Büroflächen, Pop-up-Stores, Regio-Markt oder Gründerinitiativen vorstellen sowie aktuell als Test- und Impfzentrum. „Und wir müssen den Mut haben, ähnlich wie beim ‚Löhertor‘ Handelsflächen zu reduzieren“, formuliert der 48-Jährige im Hinblick auf eine spätere Nutzung.

Er erwähnt zudem, dass sein Vorschlag, auf dem Areal ein Ärztehaus unterzubringen, bislang gute Resonanz erfahre. Denn dass mehrere Praxen in den vergangenen Jahren die Innenstadt verlassen hätten, sei ein negativer Trend, dem entgegengewirkt werden müsse. Auch bezüglich gastronomischer Angebote gebe es erste Interessensbekundungen, und was das Thema „Bildung“ angehe, so sei hier die Volkshochschule ein interessanter Akteur.

Wohnen und Bildung

An weiteren Herausforderungen für die Stadt benennt der OB das Thema „Wohnen“. Hier sei der „Waidesgrund“ das zentrale Projekt, wobei es zahlreiche Interessenten für die Entwicklung dieses Quartiers gebe. „Das geht praktisch direkt los“, so Wingenfeld, der an zweiter Stelle das Projekt in Haimbach nennt. Entstehen würden an beiden Standorten jeweils rund 300 Wohneinheiten, hinzu kämen mehrere kleine Baugebiete wie in Kämmerzell oder Bronnzell. Oberstes Ziel sei, die Stadt „mit Sinn für Qualität“ zu entwickeln und Fulda behutsam auszudehnen. Die Stadtteile müssten sich ihren Charakter bewahren. In puncto Gewerbeflächen plane man, im Bereich der Autobahnabfahrt Fulda-Nord neue Gewerbegebiete zu erschließen und stehe in Verkaufsgesprächen.

Der Fuldaer Verwaltungschef freut sich auf die „Landesgartenschau“ (LGS) 2023: Diese sei ein „Glücksfall vor dem Hintergrund der Pandemie“ und wichtig sowohl für die Stadtentwicklung als auch für die Rolle der Stadt Fulda als Gastgeberin. Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie könnten davon nur profitieren.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist Wingenfeld die Weiterentwicklung des Bildungsstandortes Fulda, dies in Zusammenarbeit besonders auch mit der „Hochschule Fulda“. Froh und dankbar sei er in Bezug auf den geplanten „Medizin Campus Fulda“ sowohl der Hochschule als auch dem „Klinikum Fulda“ und der „Uni Marburg“. Denn bereits in diesem Jahr werden 90 Studierende aus Marburg dauerhaft in Fulda ihr Humanmedizinstudium bestreiten. „Und auch in diesem Zusammenhang ist ein ausreichendes Wohnangebot nötig“, unterstreicht er.

Bliebe abschließend noch der vielfältige Bereich der Kultur, der ja in den vergangenen zwei Jahren sehr unter der Pandemie gelitten hat. Hier setzt man Wingenfeld zufolge sehr auf Freiluftveranstaltungen wie Open-Airs auf Dom- und Universitätsplatz sowie auf den „Musicalsommer 2022“ und auf den Bereich der „Genusskultur“. Zugleich kündigt er eine große Oranier-Ausstellung im Stadtschloss und das Erproben zusätzlicher Formate an.

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