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In der Pfeife rauchen

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Von HANS-PETER EHENSBERGER Erster Weihnachtsfeiertag vor zwei Jahren. Die Familie sitzt beim Essen in einer Dorfgaststtte im benachbarten Bayern

Von HANS-PETER EHENSBERGER

Erster Weihnachtsfeiertag vor zwei Jahren. Die Familie sitzt beim Essen in einer Dorfgaststtte im benachbarten Bayern. Dabei sind auch ein Kleinkind und ein Baby im Dunstkreis dennoch deutlich zu erkennen von den brigen Wirtshausbesuchern. Sollte man meinen. Doch whrend wir noch speisen, raucht nahezu jeder Erwachsene (und viele der Jugendlichen) an den elf Nebentischen unaufhrlich. Einfach unmglich. Bis der Mutter der kleinen Kinder schlielich der Kragen platzt: Es strt Sie hoffentlich nicht beim Rauchen, dass wir weiter essen und ich dem Baby die Flasche gebe, ruft sie in den Gastraum. Die Reaktion der rcksichtslosen Raucher: Sie paffen ungeniert weiter.

Reagiert haben seinerzeit jedoch die Gesetzgeber wohl nicht zuletzt auch aufgrund solcher oder hnlicher Erfahrungswerte. Allerdings ziemlich dilettantisch. Und die Rechnung hat ihnen jetzt das Bundesverfassungsgericht teuer prsentiert. Grundtenor des hchstinstanzlichen Urteils, leicht flapsig formuliert: Die unterschiedlichen Rauchverbote, Ausnahmeverwaltungsvorschriften und Ergnzungsregelungen in den einzelnen Bundeslndern kann man, um beim Bild zu bleiben, allesamt getrost in der Pfeife rauchen. Herausgekommen ist damals nmlich ein Kuddelmuddel, das fr die jngste deutsche Gesetzgebung indes typisch ist, mit richtig verstandenem Liberalismus und Fderalismus freilich nicht das Geringste zu tun hat. Da setzt Bayern die Vorgaben zwar noch am rigorosesten um, erlsst dann allerdings parallel eine Sonderregelung frs Oktoberfest mit der krachledernen Begrndung, man wolle mglichen Massenpaniken vorbeugen, wenn Raucher im Kollektiv von der Wies`n verwiesen werden mssten. In nrdlichen Lndern grnden sich als geschicktes Hintertrchen in Hinterstbchen Raucherklubs. Und in Berlin und Baden-Wrttemberg klagen die Wirte von Einzimmer-Eckkneipen sich ihre qualmenden Gste gerichtlich ein, sperren dafr lieber die Currywurst-mit-Pommes-Gourmets aus.

Eine bundeseinheitliche Gesetzeslsung kann nur so aussehen: Ein striktes und ausnahmsloses Rauchverbot in allen Gaststtten, auch in kleinen Kneipen mit anderen Worten: Gleiches Recht fr alle. Dann kann sich niemand bevorzugt oder benachteiligt fhlen. Bis dahin werden wir wohl oder bel weiterhin mit Raucher-Rechtsfhrern durch die Republik reisen und noch lnger im Nebel, pardon: blauen Dunst, herumstochern mssen. Denn alle Appelle an die Rcksichtnahme der Raucher fruchteten bis dato nur wenig. Leidtragende bleiben in erster Linie die 70 Prozent Nichtraucher, die vom kleinen Raucher-Rest zum Passivrauchen gentigt werden.

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