Ein Philosoph am Wirtschaftstag: Richard David Precht spricht in Fulda

IHK-Wirtschaftstag 2018 in der Orangerie Fulda.
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IHK-Wirtschafstag 2018 in der Orangerie Fulda.
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IHK-Wirtschafstag 2018 in der Orangerie Fulda.
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IHK-Wirtschafstag 2018 in der Orangerie Fulda.

Beim Fuldaer Wirtschaftstag der IHK sprach am Freitagvormittag Richard David Precht vor dem Auditorium in der "Orangerie".

Fulda - Ein Vortrag des Philosophen Professor Dr. Richard David Precht stand am Freitagvormittag vor gut 400 Zuhörern im Mittelpunkt des 25. "Fuldaer Wirtschaftstages", den die "Industrie- und Handelskammer" (IHK) Fulda bis zum Abend im Hotel "Maritim" veranstaltet. Precht gilt als einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum, hat verschiedene Bücher veröffentlicht und moderiert seit 2012 im ZDF die Philosophiesendung "Precht", die aktuelle Fragen des gesellschaftlichen Lebens erörtert.

Der 54-Jährige setzte sich in seinen Ausführungen mit der Frage auseinander, wie die Zukunft der Arbeit vor dem Hintergrund der "Digitalen Revolution" aussehen könnte. Seine Ansicht nach befindet sich die gesamte Industriegesellschaft in einer Umbruchphase, die Digitalisierung sei ein "gewaltiges gesellschaftliches Phänomen, das zu erheblichen Umwälzungen führt". Es könnten neue, bislang ungeahnte Beschäftigungsjobs entstehen. Zugleich aber "wird nicht alles rationalisiert werden, was man rationalisieren könnte. Aber es wird ziemlich viel sein".

Precht: "Die Digitalisierung wird dort umso attraktiver sein, wo Arbeitnehmer gut bezahlt werden". Seiner Meinung nach geht die bürgerliche Arbeits- und Leistungsgesellschaft, so wie wir sie seit gut 200 Jahren kennen, durch die Digitalisierung zu Ende. Der gesamte Begriff "Arbeit" sei im Wandel begriffen, ähnlich wie unser Verhältnis zur Arbeit. Weil auf Dauer das Sozialsystem nicht mehr finanzierbar sei, könne ein "bedingungsloses Grundeinkommen" in Höhe von 1500 Euro monatlich ein möglicher Ausweg sein. Bezahlt werden könne dies über die "sehr charmante Idee" einer Finanz-Transaktionssteuer.

Die Bundesrepublik könne sich - im Gegensatz beispielsweise zu den Vereinigten Staaten und Frankreich - auf einen "unglaublich stabilen Mittelstand"  stützen. Die genannten Staaten würden viel stärker von der Digitalisierung betroffen sein als Deutschland. Abschließend setzte sich Precht mit Bildungsfragen auseinander und plädierte unter anderem für die Auflösung fester Klassenverbände nach dem sechsten Schuljahr. Stattdessen sollte es projektbezogenen Unterricht geben. Das Handwerk werde im Übrigen einer der Profiteure der Digitalisierung sein, so seine Prophezeiung.

Der Philosoph bekam, so wie die anderen Referenten auch, von IHK-Vizepräsident Dr. Christian Gebhardt einen "Fulder Rucksack" mit regionalen Spezialitäten überreicht. Zuvor hatte Professor Dr. Michael Roth von der Uni Mainz über "Ethik und Werte vor dem Hintergrund der Digitalisierung" gesprochen, während Volkmar Helfrecht Überlegungen zu "Zukunft braucht Veränderung: Veränderung braucht Strategie" angestellt hatte. Am Nachmittag stehen beziehungsweise standen noch Vorträge zu "Normalität als Risiko: Warum Innovationen Peaks und Freaks brauchen" (Professor Dr. Markus Hengstschläger von der Medizinischen Universität Wien) und "Disruption oder Deep Innovation? Wer gewinnt die zweite Halbzeit?" von Professor Dr. Heinz Bude (Uni Kassel) an.

Ausführungen IHK-Präsident

„Lust auf Zukunft: Ideen – Bewegung - Aufbruch“: Dieses Motto stand über dem inzwischen 25. "Fuldaer Wirtschafstag" der IHK Fulda.  „Unser Ziel ist es, Antworten auf die zahlreichen Herausforderungen und den radikalen Wandel unserer komplexen, global vernetzten Welt zu finden. Dazu brauchen wir Inspirationen von außen“, hatte IHK -Präsident Bernhard Juchheim im Vorfeld die Intention des Kongresses erläutert. Seit inzwischen 25 Jahren sei der "Fuldaer Wirtschaftstag" einer der Höhepunkte im Veranstaltungskalender der Stadt Fulda. Somit feiere man sozusagen ein silbernes Jubiläum.

Juchheim während seiner Begrüßung: "Gut 150 Referenten konnten wir in dieser Zeit den knapp 10.000 Besuchern präsentieren. Das sind beeindruckende Zahlen, die sich nur mit Teamarbeit erreichen lassen." Der IHK-Präsident dankte in diesem Zusammenhang besonders dem Fuldaer IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck mitsamt Team für die aufwändige Vorarbeit. Gekommen waren unter anderem Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Landrat Bernd Woide, dessen Vorgänger Fritz Kramer, Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, dessen beiden Vorgänger Dr. Wolfgang Hamberger und Dr. Alois Rhiel, der frühere IHK-Präsident Helmut Sorg, zahlreiche Bürgermeister sowie viele Repräsentanten osthessischer Unternehmen, Behörden, Organisationen  und Verwaltungen.

Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Uni Frankfurt habe für den Landkreis Fulda in einer bisher noch nicht veröffentlichten Studie einen Fachkräftebedarf für das Jahr 2024 allein im Baugewerbe von zusätzlich 600 Personen, im Gastgewerbe von 360 und im Bereich Gesundheit und Pflege von 1050 Personen ermittelt. Schon jetzt sehe die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für die Auszubildenden rosig und für viele Unternehmen schon eher prekär aus. Juchheim: "Auf zwei offene Lehrstellen kommt nur noch ein Bewerber. Das ist auf Landes- und wohl auch auf Bundesebene aus Sicht der Arbeitgeber ein Negativrekord. Die IHK Fulda hat sich deshalb im Regionalen Standortmarketing dafür eingesetzt – auch finanziell – geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um dort zu werben, wo es noch zu wenig Lehrstellen gibt". Wenn unsere Region selbst nicht genügend Bewerber habe dann müssten eben Bewerber von außerhalb für die heimischen Unternehmen begeistert werden.

Mit diesem 25. "Fuldaer Wirtschaftstag" geht Juchheim zufolge auch die aktuelle Wahlperiode der IHK-Vollversammlung in den Endspurt. Vom 20. Januar bis 19. Februar 2019 wird im IHK-Bezirk eine neue Vollversammlung, ein neues Parlament der Wirtschaft, gewählt. Aktuell würden die Listen für die einzelnen Wahlgruppen aufgestellt. Juchheim: "Ich fordere Sie alle auf, sich aktiv an den IHK-Wahlen zu beteiligen, sei es als Kandidaten oder als Wähler. Unsere Selbstverwaltung lebt vom aktiven Netzwerken, vom regelmäßigen Austausch der Unternehmer und Führungskräfte untereinander, aber auch von der Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft und der Bildungslandschaft". Insofern sei das Publikum des Wirtschaftstages auch wieder ein Spiegelbild dieses Netzwerkes.

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