Die "Pille danach" - Rezeptpflicht notwendig?

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Osthessen. Die Debatte über die Abschaffung der Rezeptpflicht für die "Pille danach" ist immer noch aktuell - die Meinungen gehen stark auseinander.

Osthessen. Der Fall einer jungen Frau in Köln, der in einem katholischen Krankenhaus die "Pille danach” verweigert wurde, hat eine Debatte um das Thema entfacht. Deutschland gehört neben Polen und Italien zu den Ländern, die an einer Rezeptpflicht festhalten, in den anderen europäischen Ländern gibt es die "Pille danach” mit dem Wirkstoff Levonorgestrel mittlerweile ohne Rezept.Auch im Bundestag wurde die Thematik kontrovers diskutiert. Gesundheitsminister Hermann Gröhe lehnt eine rezeptfreie Ausgabe ab.Die "Pille danach”  bekommen Frauen momentan nur gegen ein Rezept. Statistisch gesehen werden die meisten Rezepte dafür zu Beginn der Woche, sprich Montag und Dienstag, ausgestellt.Den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass es dieses Medikament mit unterschiedlichen Wirktstoffen gibt. Die Forderung nach einer Rezeptfreiheit bezieht sich dabei auf die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Dieser Wirkstoff ist der gleiche wie bei der Antibabypille, nur in einer höheren Dosierung. Diese Pille sollte schnell  nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Ist zum Zeitpunkt der Einnahme bereits eine Eizelle in der Gebärmutter eingenistet, hat diese keine negativen Auswirkungen  darauf. Anders ist das bei der "Pille danach” mit dem Wirkstoff Ulipristal. Dieser Wirkstoff ist dem Wirkstoff ähnlich, der bei medizinischen Schwangerschaftsabbrüchen verwendet wird. Deshalb werden bei Einnahme auch bereits eingenistete Eizellen abgestoßen. Durch den anderen Wirkstoff kann die Einnahme länger erfolgen als bei dem Wirkstoff Levonorgestrel.

Nicht nur die Opposition  und "ProFamilia”, sondern auch eine breite Öffentlichkeit ist für eine Abschaffung der Rezeptpflicht. Auf Nachfrage  von "Fulda aktuell” bei "Pro Familia Fulda”  werden dafür ganz klare Gründe genannt. Zum einen sei es für Frauen gerade am Wochenende oder auf dem Land nicht immer einfach und schnell möglich, die "Pille danach” zu bekommen. Ohne den verpflichtenden Arztbesuch im Vorfeld könne dieser Prozess beschleunigt werden.  Zudem dürfe die "Pille danach” nicht mit einem Schwangerschaftsabbruch verwechselt werden. "Bei unserem Info-Telefon fragen Frauen häufig nach wie und wo sie die ,Pille danach’ bekommen können. Außerdem gab es auch Fälle, bei denen der Hausarzt die Betroffenen wegschickte, weil er sich  nicht zuständig fühlte”, sagt Anne Fleischmann, Diplom Sozialarbeiterin bei "Pro-Familia Fulda”.

Das "Bundesinstitut für Arzneimittel” hatte ebenfalls eine Empfehlung für eine rezeptfreie der Pille (Wirkstoff Levonorgestrel) bekannt gegeben. "Der Sachverständigenausschuss des Bundesinstituts für Arzeneimittel hat sicher nicht leichtfertig eine Empfehlung für eine rezeptfreie Ausgabe gegeben. Deswegen ist es schon seltsam, dass die Politik eine solche fachlich fundierte Meinung in Frage stellt”, sagt Andreas Mölleney, Apotheker und Inhaber der "Apotheke am Heertor”.  Natürlich ist auch er gegen eine leichtfertige Ausgabe des Medikamentes. "Denkbar wäre vielleicht eine Art Beratungsbogen, den die Apotheken bei der Ausgabe und der Beratung der  ,Pille danach’ ausfüllen, sollte die Rezeptpflicht wegfallen.”Gröhe sowie die Ärztekammer verweisen auf die Wichtigkeit der  ärztlichen Beratung. Deutschland habe eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, durch ein Gespräch mit einem Arzt könne auch geklärt werden, wie in Zukunft auf die Einnahme des     Medikaments verzichtet werden könne. Außerdem könne ein Arzt mögliche Alternativen aufzeigen. Ähnlich sind laut einer Pressemitteilung die Befürchtungen des "Bundesverbandes der Frauenärzte”. "Wir fürchten eine Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen und, dass die Präparate oft ohne Grund eingenommen werden”, gibt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufverbandes an.Zudem gäbe es auch Nebenwirkungen wie die Thrombosegefahr, über welche die Frauen aufgeklärt werden müssen. Dr. Bertram Stitz, Gynäkologe aus Hünfeld, gibt noch einen weiteren Aspekt zu bedenken: "Bei einer rezeptfreien Abgabe besteht die Gefahr einer inflationären Verwendung der Pille aufgrund fehlender Beratung. Jede Einnahme bringt dabei den Zyklus der Frau durcheinander und es kann bis zu drei Monaten dauern, bis dieser wieder normal ist.  Eine Apotheke kann nicht die Atmosphäre für ein vertrautes Gespräch schaffen. Die Risiken und Nebenwirkungen der Pille danach sind relativ gering, jedoch sollte in der Notfallsituation, für die die Pille danach ist, immer eine Aufklärung der Patientin über Möglichkeiten und Alternativen erfolgen.”

Unser Youtuber Joscha hat dazu eine Umfrage in Fulda gemacht:

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