Mentales Training gegen das böse Buchstaben-Monster

Gemeinsam für richtiges Lesen und Schreiben: Die vier Lehrerinnen Catharina Brähler, Gina Rottenbach, Mareike Stieler und Simone Orf mit Seinem Teil der Schülerinnen und Schüler, die mit dem Pilotprojekt „Einstein“ ihre Lese-Rechtschreibschwäche bekämpfen.
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Gemeinsam für richtiges Lesen und Schreiben: Die vier Lehrerinnen Catharina Brähler, Gina Rottenbach, Mareike Stieler und Simone Orf mit Seinem Teil der Schülerinnen und Schüler, die mit dem Pilotprojekt „Einstein“ ihre Lese-Rechtschreibschwäche bekämpfen.

Pilotprojekt für Schülerinnen und Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche an der Mittelpunktschule Hilders.

Hilders. „Stelle dir nun vor, dass du einen Spaziergang machst...“ – so könnte ein an der Mittelpunktschule Hilders (MPS) eingeführtes Pilotprojekt namens „Einstein“ beginnen. Ziel ist es, Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) zu unterstützen und sie zu fördern. „Laut Studien leiden aktuell drei bis neun Prozent aller Kinder an einer kombinierten Lese-Rechtschreibs-

chwäche, vier bis sieben Prozent an einer isolierten Lesestörung und zwei bis neuen Prozent an einer isolierten Rechtschreibstörung“, sagt die Deutschlehrerin Catharina Brähler, die das Projekt in Hilders initiiert hat. „Die Kinder müssen sich täglich ihrer Schwäche stellen, LRS wird eine Art Monstrum“, so Brähler.

Sie absolvierte eine Ausbildung zur Mentaltrainerin und nutzt dieses Wissen nun dazu, ihren Schülerinnen und Schülern zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen – und in der Folge deren schulische Leistungen zu verbessern. Dabei beeinflusst Brähler das Unterbewusstsein der Kinder, denn „95 bis 98 Prozent unseres Handelns geschieht aus dem Unterbewusstsein“, sagt die studierte Germanistin. „Wenn das Unterbewusstsein denkt: ,Ich bin dumm‘, dann arbeitet es auch dafür“, sagt Brähler. Sie und drei Kolleginnen der MPS arbeiten daran, die Nervenzellen der Kinder „umzuprogrammieren“, erfolgreich zu sein und Blockaden zu lösen. „Das darf man sich aber nicht wie eine Hypnoseshow vorstellen“, so Brähler. Durch Mentales Training werde bei den Kindern ein anders Verhältnis zum Lernen aufgebaut. „Das Mentaltraining umfasst eine Vielfalt psychologischer Methoden sowie Meditation, die das Selbstvertrauen und das emotionale sowie kognitive Wohlbefinden steigern“, sagt die Lehrerin.

Mit ihrer Idee ging Brähler zunächst zur Schulleitung und sprach Kolleginnen an, das „Projekt Einstein“ an der MPS umzusetzen. Derzeit ist es eine Arbeitsgemeinschaft (AG), die der Förderung von Kindern mit LRS dient. „,Projekt Einstein‘ als Name entstand, weil Albert Einstein selbst bis zu seinem vierten Lebensjahr nicht sprechen konnte und später alles nachlernen musste. Und was für ein Genie er wurde, ist allgemeinhin bekannt“, so Brähler.

Transparentes Arbeiten

Nachdem die Rahmenbedingungen an der MPS geklärt waren und sich mit Gina Rottenbach, Mareike Stieler und Simone Orf drei Kolleginnen mit den Fächern Deutsch und Musik gefunden hatten, die mit Catharina Brähler gemeinsam am „Projekt Einstein“ arbeiten wollten, wurden zunächst die Eltern informiert. „Wir haben den Eltern einen kleinen Einblick in eine Methode des mentalen Trainings gegeben, damit sie sich vorstellen konnten, was wir machen“, sagt Brähler. Gemeinsam erarbeitete man mit betroffenen Kindern und Eltern eine Anamnese, sprach mit Fachkolleginnen und -kollegen und beobachtete die Kinder dabei, wie sie schreiben, wie die Handhaltung ist und wie das Schriftbild aussieht.

„Unser Projekt besteht aus drei Teilen“, so Brähler. Das eine ist das mentale Training, das zweite Rhythmus- und Wahrnehmungsförderung durch Percussion und das dritte Element ein bereits bestehendes Lese-Rechtschreib-Konzept des rhythmischen Syllabierens nach Carola Reuter-Liehr.

Diese drei Bausteine werden an der MPS kombiniert. Dies dient vor allem der Koordinationsfähigkeit und fördert Rhythmusgefühl und Wahrnehmung, Körperkontrolle und die Konzentrationsfähigkeit. „Musik geht der Sprache voraus“, sagt Brähler. Die Arbeit wirke sich auch auf die sprachliche Intelligenz aus. „Und all das braucht man zum Schreiben“, so die Germanistin.

Hinzu kommt das mentale Training, das auf das Unterbewusstsein einwirkt. Mit positiven Bildern wie mentalen Spaziergängen durch das „Zauberland“ wird das Unterbewusstsein durch positive Psychologie beeinflusst.

„Große Erfolge“

Derzeit nehmen 20 Kinder von der dritten bis zur sechsten Klasse am „Projekt Einstein“ teil. „Wir sehen große Erfolge“, so Brähler. Diese lassen sich sowohl an den verbesserten schulischen Leistungen ablesen als auch an der Beobachtung der halbjährlichen Entwicklungsschritte, die gemeinsam mit Eltern und Kindern besprochen werden. „Wir merken, dass die Kinder mehr Selbstvertrauen haben, Die Noten bei den meisten haben sich zum Teil deutlich verbessert. Sie können sich besser konzentrieren und auch das Schriftbild hat sich positiv verändert“, sagt Catharina Brähler über die von ihr erfundene Methode. Manche Kinder hätten durch Percussion begonnen, ein Instrument zu erlernen.

Brähler und ihre Kolleginnen hoffen, dass das „Projekt Einstein“ ein Teil des Schulkonzepts der Mittelpunktschule Hilders wird. Dafür stehen die Chancen laut Schulleitung nicht schlecht. Und sie können sich auch vorstellen, das Konzept an andere Schulen weiterzuvermitteln. „Das könnte beispielsweise durch Workshops mit Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen geschehen“, sagt Brähler.

Durch die Erfolge von „Projekt Einstein“ mit einer transparenten Atmosphäre zwischen Lehrenden, Eltern und Kindern kann an der MPS geholfen werden, die Kinder mental zu stärken, schulische Leistungen zu verbessern und nicht zuletzt positiv auf Selbstempfindung und Selbstbewusstsein der Kinder einzuwirken. Ansprechpartnerin an der Mittelpunktschule Hilders ist Catharina Brähler.

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