Plädoyer für eine starke europäische Stadt

Fulda. Die europische Stadt, wie wir sie kennen, ist bedroht! Diese These stand im Mittelpunkt des Fuldaer Abends fr Sozialrecht, Mi

Fulda. Die europische Stadt, wie wir sie kennen, ist bedroht! Diese These stand im Mittelpunkt des Fuldaer Abends fr Sozialrecht, Migration und Sozialpolitik der Hochschule Fulda.

Folkert Kiepe vom Deutschen Stdtetag in Kln erluterte, dass das traditionsreiche Profil einer europischen Stadt sich stark verndert - weg vom historischen Stadtkern und brgernahen demokratischen Strukturen. Er betonte, dass Europa in seinen Augen die Stadt braucht - um Demokratie zu strken und seine Brger zu mobilisieren.

Engagiert und mit groer Fachkenntnis trug Folkert Kiepe sein Anliegen vor. Er skizzierte zunchst die europischen Stadt mit ihrer historisch erwachsenen Selbstverwaltung als Ort, an welchem sich Handel und Verkehr, Jung und Alt, Alteingesessen und Fremd begegnen und organisieren. Weiter zeigte er auf, wie dieses alte europische Konzept durch neuere Entwicklungen in Gefahr geraten ist wie etwa den wachsenden europischen Binnenmarkt und die mit ihm einhergehende Angleichung lokaler Standards an europische Normen. Er nannte Privatisierungen und die geringere Einflussnahme durch die kommunalen Verwaltungen als Grnde fr die Gefhrdung der Stdte - sowie auch die vielbeklagte Schieflage der kommunalen Kassen und die Verlagerung des Zentrums der Aktivitt, des Lebens einer Stadt, auf die Auenbezirke.

Kiepe machte deutlich, welche Bedeutung die Stadt als Verwaltungseinheit in der Europischen Gemeinschaft fr ihn hat. Ein dezentrales Verwaltungssystem ist flexibel, betonte er, und knne so die Gesellschaft vor Ort frdern. Kein noch so kluger Expertenkopf in Brssel kann wissen was lokal richtig ist. Kiepe erffnete auch Alternativen, sprach davon, die Chancen des demographischen Wandels zu nutzen und Stdte durch kompakte Infrastruktur fr ltere Brger attraktiv werden zu lassen. Lokale Autonomie msse gefrdert werden, betonte Kiepe. Die Stadt sei ein lebendiger Ort, mit dem sich Brger identifizieren knnten, schloss er, und effiziente Stdte htten eine effiziente Europische Union zur Folge. Dieses groe Gebilde mit seinen 94 Mio. Einwohnern sei nur dezentral zu organisieren - und eine neue EU braucht starke Stdte.

Fazit: Stdte in Europa mssten revitalisiert werden.

Organisiert werden die Fuldaer Abende seit 2004 vom Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda, dessen internationale und sozialpolitische Ausrichtung in den Themen der Veranstaltungsreihe zum Tragen kommt. Die vielen anwesenden internationalen Studenten werden mit der Institution Deutscher Stdtetag zunchst nicht viel anzufangen gewusst haben, denn der freiwillige Zusammenschluss groer kreisfreier Stdte und Stadtstaaten ist in den Medien wenig prsent; seine Aufgabe ist es, zu informieren, zu beraten und die aus dem Hintergrund politisch Einfluss zu nehmen.

Die Veranstaltung fand gestern zum ersten Mal in den Rumen des neu in Betrieb genommen Gebudes des Fachbereichs statt, wo in gemtlicher Atmosphre, bei Brezeln und Wein, der Abend nach der Veranstaltung ausklang. Am 11. Dezember wird der nchste Vortrag mit Wolfgang Reimers vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof zum Thema Rechts- und Justizreform im Sdkaukasus stattfinden, der hoffentlich erneut durch interessante Anregungen und Anstze in Erinnerung bleiben wird.

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