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Betroffenheit in Osthessen: Große Anteilnahme spürbar

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Von: Christopher Göbel

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Karsten Bech ist Bezirksgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei von Osthessen und Hauptpersonalratsvorsitzender der Hessischen Polizei.
Karsten Bech ist Bezirksgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei von Osthessen und Hauptpersonalratsvorsitzender der Hessischen Polizei. © GdP

Polizstenmorde in Kusel: Können sich Beamte auf solche Taten vorbereiten?

Osthessen. Die Morde an einer Polizistin und eines Polizisten im rheinland-pfälzischen Kusel haben auch die Beamtinnen und Beamten in Osthessen erschüttert. FULDA AKTUELL fragte bei Karsten Bech, Bezirksgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für Osthessen und Hauptpersonalratsvorsitzender der hessischen Polizei nach, wie in der Region mit dem Vorfall umgegangen wird.

„Die Kolleginnen und Kollegen – nicht nur in Osthessen, – haben mit großer Bestürzung und Trauer die unfassbaren Morde zur Kenntnis genommen. Fassungslosigkeit und Unverständnis herrschen bei allen Beschäftigten innerhalb der hessischen Polizei. In Gedanken seien alle bei den Familien, Freunden und Kollegen der Getöteten. Eine große Anteilnahme ist überall spürbar“, sagt Bech. In ganz Hessen ist Trauerflor an den Dienstkraftfahrzeugen angebracht . Am heutigen Freitag findet um 10 Uhr eine gemeinsame überregionale Denkminute statt.

Nicht zu verstehen ist laut Bech diese Brutalität, die in Kusel mit Kopfschüssen endete. „Auf solche Angriffe, die dem Terrorismus gleichen oder einer Hinrichtung ähneln, können sich unsere Kolleginnen und Kollegen auch nur schwer vorbereiten. Gute Ausbildung und ständiges Training schließen leider solche Hinterhalte nicht aus“, so Bech.

Grund für gewalttätige Auseinandersetzungen können laut Bech Alltagseinsätze wie Ruhestörungen, Familienstreitigkeiten oder auch einfache Verkehrskontrollen sein. „Daher sind Angriffe schwer vorhersehbar und machen unseren tollen Beruf so gefährlich.“

„Deshalb ist unser klare Forderung: Es muss mit aller Schärfe das volle Maß an Bestrafung unseres Rechtsstaats angewendet werden, um ein klares Signal zu setzen“ konstatiert der Gewerkschaftler. Erschreckend seien die Zahlen vom vergangene Jahr. 2021 gab es laut Bech in Hessen mehr als 4.000 gewalttätige Angriffe auf Polizeibeamte. „Es muss jedem wieder klar werden, wer Polizei oder gar Hilfskräfte wie Sanitäter oder Feuerwehr angreift, muss mit höchstempfindlichen Strafen rechnen. Jetzt ist die Justiz gefordert“, so Bech.

„Besonders nachdenklich stimmt mich, dass es erforderlich wird, dass unsere neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser das BKA einschalten muss, um widerwärtige und pietätlose Hasskommentare nach diesem schrecklichen Polizistenmord in Kusel zu unterbinden. Was ist mit unserer Gesellschaft los?“, fragt er.

„Meine Kolleginnen und Kollegen stehen für unseren Rechtsstaat ein und sind für die Bürger in 24 Stunden, an sieben Tagen in der Woche auf der Straße, um uns allen ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen“, sagt Bech.

Er denkt, dass diese „mit nichts zu entschuldigende Tat“ dem ein oder anderen Polizeibeschäftigten zu denken geben werde. Einige Kollegen würden zur Verarbeitung Hilfe in Anspruch nehmen wollen. „Hierfür stehen gerne unsere besonders geschulten Sozialen Ansprechpartner, die Personalberater in den Polizeipräsidien oder der Zentrale Psychologische Dienst der hessischen Polizei in Wiesbaden zur Verfügung“, sagt Bech.

Polizeipräsident Günther Voß

Der Mord von Kusel am frühen Montagmorgen dieser Woche macht die Polizistinnen und Polizisten des Polizeipräsidiums Osthessen zutiefst betroffen.

„Eine alltägliche Fahrzeugkontrolle war offenbar Auslöser für die tödlichen Schüsse auf eine junge Polizistin und einen jungen Polizisten in Kusel. Ich bin fassungslos und entsetzt über eine derart sinnlose und skrupellose Tat. Mein Mitgefühl gilt den Familien, den Angehörigen und allen Kolleginnen und Kollegen der rheinland-pfälzischen Polizei. Gewalt und vor allem Respektlosigkeit gegenüber Polizeibeamtinnen und -beamten haben in den vergangenen Jahren auch in Osthessen spürbar zugenommen. Wir werden immer häufiger angepöbelt oder angegriffen. Viel öfter als früher treten Menschen so auf, als hätten sie das ,Recht für sich gepachtet‘. Im schlimmsten Fall mündet dies in Gewalttätigkeiten. Der Tod unserer Kollegen aus Rheinland-Pfalz belegt dies in grausamer Art und Weise. Das macht mir Sorge“, sagt Osthessens Polizeipräsident Günther Voß.

In Osthessen wurden in 2020 insgesamt 124 Fälle von Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte erfasst. Das sind 263 Polizistinnen und Polizisten, die Opfer von Gewalttätigkeiten – dazu zählen Widerstand / Angriff gegen Polizeivollzugsbeamte, Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung – geworden sind – Tendenz steigend.

Natürlich fließen aktuelle Ereignisse und Entwicklungen - wie die Tat von Kusel – auch in die interne Aus- und Fortbildung mit ein. Dabei werden die Polizistinnen und Polizisten beispielsweise in Trainings im Hinblick auf mögliche Gefahren- und Konfliktsituationen fortwährend sensibilisiert und bestmöglich geschult.

Statement der GdP Hessen

Die GdP Hessen hat sich ebenfalls geäußert: „Kommt schnell - die schießen“ . Dieser Funkspruch hat sich seit dem 31. Januar 2022 in unsere Köpfe eingebrannt. Gesendet wurde er als verzweifelter Hilferuf durch beiden in dieser Nacht brutal ermordeten Kollegin und des Kollegen. Es geht weit über unsere Vorstellungskraft hinaus, was an diesem frühen Morgen des 31. Januar in unserem Nachbarland geschehen ist.

Die Art und Weise, die Beweggründe und alle Begleitumstände lassen uns erschaudern, auch heute noch. Zwei junge Menschen und Kollegen haben ihr Leben gelassen. Für das, was unser Land ausmacht. Recht und Freiheit zu verteidigen, auch in dieser Nacht war dies Antrieb für die beiden Getöteten. Ihnen wurde auf brutalste Art ihr Einstehen dafür geraubt.

Es geht auch weit über unsere Vorstellungskraft hinaus, was die Angehörigen und Familien durchleben müssen. Und wir denken auch an die in dieser Nacht eingesetzten Kolleginnen und Kollegen, in Kusel, in Rheinland – Pfalz und in Deutschland. Die Bilder, die sie am Tatort sehen mussten, werden sich für immer in ihren Köpfen einbrennen. Unvorstellbar.

Wir sind davon überzeugt, dass es lange dauern wird, bis die Angehörigen, Familien und alle Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-Pfalz und auch bundesweit dieses Verbrechen verarbeitet haben. Wenn dies überhaupt gelingen kann.

Bis dahin bleibt es unsere Pflicht, Yasmin Maria und Alexander – und alle anderen im Dienst getöteten Polizeibeschäftigten nicht zu vergessen.

„Kommt schnell, die schießen“ - dieser Funkspruch soll uns ständig Gedanke und Mahnung sein. Wir verneigen uns heute um 10:00 Uhr vor Yasmin Maria und Alexander, sowie vor allen Kolleginnen und Kollegen in der Polizei, die im Dienst für den Rechtsstaat ihr Leben lassen mussten“, so Landesvorsitzender Jens Mohrherr für die GdP Hessen.

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