Heimisches Handwerk im Konjunkturhoch

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Teilnehmer des Pressegespräches (von links): Michael Wißler, Claus Gerhardt, Heinrich Gringel und Bernhard Hahner, langjähriger Obermeister der Metallbauinnung Fulda-Hünfeld.

Heimisches Handwerk im Konjunkturhoch

Fulda - Das Handwerk in Nord-, Ost- und Mittelhessen hat einen verheißungsvollen Start in 2017 hinter sich: "Seit fünf Jahren befinden wir uns nun schon im konjunkturellen Hoch. Trotz saisonal bedingter leichter Rückgänge bei Aufträgen und Umsätzen bleibt die Stimmung sehr gut, denn die Betriebe erwarten weiterhin große Kaufbereitschaft bei ihren Abnehmern - egal ob Privathaushalt, Staat oder Gewerbe". So die Kernaussage von Heinrich Gringel, Präsident der "Handwerkskammer Kassel", bei der Vorstellung der aktuellen Frühjahrsumfrage am Freitagvormittag beim Bauunternehmen "Ulrich GmbH" in Fulda. Gringel erwähnte stabile Rahmenbedingungen wie beispielsweise die anhaltende Niedrigzinsphase, aber auch Unwägbarkeiten wie die US-Politik, die Auswirkungen des Brexit oder auch die Entwicklung in der Türkei.

Bei gut gefüllten Auftragsbüchern zeigten sich 85 Prozent der befragten Hand- werksbetriebe im Kammerbezirk mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, im guten Frühjahrsquartal 2016 waren es 82,3 Prozent. "Die kommende wärmere Jahreszeit lässt den Optimismus in den Betrieben weiter ansteigen", so Gringel: Insgesamt 89,6 Prozent gehen für die Zukunft von "guten oder zufriedenstellenden" Geschäften aus (Vorjahr: 87,3 Prozent). Vor diesem Hintergrund sei das hohe Niveau des Geschäftsklimas, der wichtigste Frühindikator der wirtschaftlichen Entwicklung, weiter in die Höhe getrieben worden und habe gegenüber dem Vorjahr unerwartet stark um 10,6 Punkte auf insgesamt 129 Punkte zugelegt. "Für ein Frühjahr ist das ein Allzeithoch, insbesondere die sehr gute Einschätzung der künftigen Geschäftslage hat uns doch erstaunt“, so Gringel weiter.

Konjunkturmotor sei das Bau- und Ausbaugewerbe. Aber auch die Zulieferer und die Gesundheitshandwerke zeigten sich überaus zufrieden. Nach wie vor werde viel in den Neu- und Ausbau von Wohnungen investiert, doch auch die öffentlichen und gewerblichen Bauinvestitionen seien wieder gestiegen. Die Zulieferer profitierten von der guten Industrienachfrage. Daneben sei die Bereitschaft der Verbraucher, ihren Konsum auch für Gesundheits- beziehungsweise Wellnessprodukte zu erhöhen, ungebrochen. Bei den Nahrungsmittelhandwerken war die Zufriedenheit laut Gringel weniger hoch, doch auch hier lägen die Werte weit über dem langjährigen Durchschnitt. Das private Dienstleistungsgewerbe (Friseure, Fotografen, Textilreiniger) machte im Jahresvergleich einen Sprung nach vorn, lag aber deutlich unter dem Durchschnitt des Gesamthandwerks.  Weniger freundliche Gesichter habe es hingegen im Kfz-Handwerk gegeben, immer noch sei ein Viertel der Betriebe mit der geschäftlichen Situation ganz und gar unzufrieden.

Im Durchschnitt verfügten die befragten Unternehmen zwischen Januar und März über ein Auftragsvolumen von 7,6 Wochen, das sei noch eine Woche mehr als vor Jahresfrist. Im Baugewerbe lagen die Auftragsreserven bei über zwei Monaten. Die Ordereingänge verliefen jahreszeitlich bedingt auf niedrigerem Niveau als im Vorquartal, waren aber günstiger als vor zwölf Monaten: Über alle befragten Branchen hinweg berichteten 20,8 Prozent der Inhaber von gestiegenen und 53,6 Prozent von gleich gebliebenen Auftragseingängen. Die durchschnittliche Betriebsauslastung lag im Berichtszeitraum bei guten 75,8 Prozent (Vorjahr: 75,6 Prozent). Knapp jeder vierte Betriebsinhaber sprach sogar von Vollauslastung.

 Die Umsätze der Betriebe waren jahreszeitlich bedingt rückläufig, blieben aber auf weiterhin hohem Niveau: 33,9 Prozent der Umfrageteilnehmer beklagten in den ersten drei Monaten Umsatzeinbußen, bei 15,9 Prozent der Unternehmen steigerten sich die Umsatzzahlen, bei 50,2 Prozent entsprachen sie den Vorquartalswerten. Die Betriebe im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk haben im Berichtsquartal jahreszeitlich bedingt etwas Personal abgebaut. Insbesondere die Bauhandwerke waren von dem Beschäftigtenrückgang betroffen. Trotzdem hätten 6,6 Prozent der Unternehmen weitere Beschäftigte eingestellt, während 80,5 Prozent den Vorquartalsstand hielten. Insgesamt 12,9 Prozent mussten allerdings mit weniger Personal auskommen, aber das werde sich im kommenden Quartal wieder ändern, denn die Betriebe wollten wieder vermehrt einstellen, so Gringel.

Michael Wißler, Geschäftsführer der "Ulrich GmbH", unterstrich, dass das Bauhauptgewerbe derzeit eher schlecht dastehe, die Ausbaugewerke dagegen sehr gut. Die Gründe lägen unter anderem auch darin, dass die Konjunkturmaßnahmen der öffentlichen Hand "zu lange brauchen, um am Markt anzukommen". Erst jetzt scheine es, als könnten Entscheidungen, im Frühjahr 2016 von der Bundesregierung getroffen, realisiert werden. Kritik wurde auch an den Kommunen laut, die das Thema "Bauland" lange Zeit sträflich vernachlässigt hätten. Sein Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern sei derzeit gut ausgelastet, "täglich kommen zwei bis drei Anfragen rein". Allerdings müsse man abwarten, wie sich die zweite Jahreshälfte entwickle.

"Wir in Fulda sind wunderbar aufgestellt", unterstrich Kreishandwerksmeister Claus Gerhardt. An einer aktuellen Konjunkturumfrage bei den Innungsbetrieben der Kreishandwerkerschaft hätten sich 128 Betriebe beteiligt, von denen 70 Prozent die aktuelle Geschäftslage als "gut" oder "sehr gut" bezeichnet hätten. Etwas schlechter schnitten das Bauhaupt- sowie das Kfz-Gewerbe ab.  Gut sind Gerhardt zufolge auch die Erwartungen für das laufende Jahr: Lediglich acht Prozent aller heimischen Handwerksbetriebe rechneten mit einem Umsatzrückgang und knapp über fünf Prozent mit einer Verschlechterung der Ertragssituation. Über 35 Prozent sollten in 2017 sowohl Umsatz als auch Ertrag weiter steigern. 

    

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