Private Rückschau auf die Festspielsaison 2017: Wedel, Abschied und ein Gold-Luther

+

Die Bad Hersfelder Festspiele sind beendet. Redakteur Christopher Göbel wirft einen privaten Blick auf das, was das Theaterfestival für die Festspielstadt bedeutet.

Bad Hersfeld - Zum 67. Mal fanden in Bad Hersfeld die Festspiele statt. Seit drei Jahren ist Dr. Dieter Wedel, der Fernsehmann („Der große Bellheim“, „Wilder Westen inklusive“), Intendant des renommierten Theater-Festivals. Wedel kennt die Promis aus der Szene.

Und wenn Wedel einen bekannten Schauspieler verpflichten möchte, dann reicht sein mündliches Versprechen für ein Engagement in Bad Hersfeld. Der „Rote Teppich“ zur Festspieleröffnung ist inzwischen zu einem Anziehungspunkt für die Reichen und Schönen geworden. Größen aus Showbiz, Politik und Wirtschaft flanieren vor den Kameras der Medien und der schaulustigen Hersfelder seit drei Jahren in den „VIP“-Bereich der Premierenveranstaltung.

Gala-Publikum in der Bad Hersfelder Stiftsruine.

Wedel selbst ist ein Mann, der sich bescheiden gibt, aber sehr wohl seine Ideen und Wünsche umzusetzen weiß. Und der auch weiß, welches Standing er in der deutschen Film, Fernseh- und inzwischen auch Theaterszene hat. Auseinandersetzungen wie jene mit Paulus Manker, dem Wedel kurz vor der „Luther“-Premiere den Laufpass gab, schaden seinem Image nicht. Sie bringen die Bad Hersfelder Festspiele in die überregionalen Medien – und machen sie damit weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt.

Zeitung, Medien, Internet

Pressefrau Moni Liegmann mit einem von zwei dicken Ordnern voller Presseberichte.

Das ist nicht zuletzt auch den beiden „Presse-Damen“ des Theaterfestivals zu verdanken. Monika Liegmann und Ina Rumpf betreuen die Medienvertreter vorbildlich. Dass sie etwas von ihrem Metier verstehen, merken Journalisten und Fotografen bei jedem der zahlreichen angesetzten Pressetermine. Zwei dicke Aktenordner sind die reine Printbilanz der diesjährigen Saison – und da sind Berichte im Internet, im Fernsehen und im Radio noch gar nicht mitgezählt. „Wenn wir die Öffentlichkeitsarbeit, die die Medien leisten, durch eine Agentur erledigen müssten, bräuchten wir sehr viel mehr Geld“, sagte Wedel bei der Bilanz-Pressekonferenz zu den vereinigten Pressevertretern aus Nah und Fern.

Festspiel-Intendant Dieter Wedel

Während der Pressekonferenz plauderte der Intendant ein bisschen mit seinem Stellvertreter Joern Hinkel aus dem Nähkästchen. Wie sehr er den Einsatz der Kleindarsteller bewundert, die selbst bei Regenvorstellungen gerne auf der Bühne liegenbleiben, wenn das Stück es verlangt. „Wir sind doch sowieso nass, da können wir auch weiterspielen“, sollen sie zu Wedel gesagt haben, als der Abendspielleiter wegen eines kräftigen Regengusses abbrach. Wedel sagt auch lieber „Kleindarsteller“ und nicht „Komparsen“, denn das findet der Intendant „abwertend“.

TV-Gesichter im Café

Dass sich die Schauspieler in Bad Hersfeld wohlfühlen, erwähnte nicht nur Helen Schneider in der Abschlussgala. Wenn man durch die Festspielstadt flaniert, entdeckt man während der Festspielzeit in Geschäften, in Cafés und natürlich rund um die Stiftsruine immer wieder Gesichter, die man aus dem Fernsehen kennt. Es gibt wenige Orte, in denen Promis und Normalbürger so unbefangen aufeinander treffen. Wer kann schon von sich behaupten, mit Markus Majowski gemeinsam im „Tegut“ an der Kasse gestanden zu haben? Oder mit „Tagesschau“-Sprecher Jan Hofer die Raucherpause verbracht zu haben? So etwas gibt es wirklich nur in Bad Hersfeld, das im Sommer ein ganz besonderes Flair ausstrahlt.

Gunter Emmerlich durfte in der Abschluss-Gala den Zuschauerpreis an Robert Joseph Bartl (links) verleihen – inklusive eines goldigen Luther.

Wunderbar war auch die Freude von Robert Joseph Bartl, als er den Zuschauerpreis der Saison erhielt – und den goldenen Luther im Miniaturformat. Bei dem Überschwang, mit dem Bartl „der evangelische Luther wird es in meinem bayerischen Vorgarten schwer haben“ sagte, kann man darüber hinwegsehen, dass er den Reformator damit quasi auf Gartenzwerg-Niveau reduzierte.

Ein kongeniales Duo: Festspiel-Intendant Dieter Wedel (links) und sein Stellvertreter Joern Hinkel.

A propos Luther: Die 50 Figuren von Ottmar Hörl, die bei der Stiftsruine standen, sind abgebaut und verkauft. Und mit den Luthers ging auch das Ensemble der „67. Bad Hersfelder Festspiele“.

... bis wir uns wiedersehen ...

Wunderbar war die Idee eines Festspielbesuchers, bei der allerletzten „Titanic“-Vorführung tausende Taschentücher an die Zuschauer zu verteilen, damit diese dem Schiff einen gebührenden Abschied bereiten konnten. Ein Video davon findet sich bei „Facebook“. „Lebt wohl, lebt wohl, mein Schiff Titanic“ – und lebt wohl, ihr großartiges Ensemble 2017! Bis wir uns wiedersehen ...

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Werte vermitteln: Speaker und Ex-Junkie Mathias Wald sucht Unterstützer

Der Speaker und Ex-Junkie Mathias Wald setzt sich für das Thema Suchtprävention ein. Für seine neuen Projekte sucht er Unterstützer.
Werte vermitteln: Speaker und Ex-Junkie Mathias Wald sucht Unterstützer

Der Mann mit dem direkten Draht: 2019 scheidender MdL Dr. Walter Arnold im Redaktionsgespräch

Dr. Walter Arnold wird den Hessischen Landtag 2019 verlassen. Bisher vier Nachfolge-Kandidaten stehen in den Startlöchern.
Der Mann mit dem direkten Draht: 2019 scheidender MdL Dr. Walter Arnold im Redaktionsgespräch

Sieger gekürt: Anton, Quin und Frida sind „Super-Kni(r)pse“ Osthessens

Mehrere zehntausend Leserinnen und Leser haben abgestimmt: Die drei Gewinner des "Super-Kni(r)ps"-Votings sind gekürt.
Sieger gekürt: Anton, Quin und Frida sind „Super-Kni(r)pse“ Osthessens

Lkw-Fahrer verliert auf der A7 das Bewusstsein

Ein Lkw-Fahrer verlor in der NAcht das Bewusstsein und kam von der Fahrbahn ab
Lkw-Fahrer verliert auf der A7 das Bewusstsein

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.