Pro&Contra: Autofahren bis ins hohe Alter?

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Pro&Contra: Am Steuer bis ins hohe Alter?

Zwei Meinungen zum Thema, das vor allem Autofahrer beschäftigt: Senioren am Steuer.

Christopher Göbel: Selbstständigkeit erhalten

Natürlich bin ich als vergleichsweise junger Mensch von so manchem „Graukopf“ auf der Straße genervt, der am Sonntagmittag zum Kaffeekränzchen im Nachbarort schleicht und eine ganze Kolonne hinter sich herzieht. Aber dann denke ich mir: Es ist schön, dass auch auf dem Land älteren Menschen durch ein eigenes Auto die Mobilität erhalten bleibt. Denn was wäre, wenn sie kein Auto hätten? Die über Land vor allem am Wochenende selten fahrenden Busse reichen leider nicht aus.

Und auch beim Wocheneinkauf wären die Senioren ohne Auto auf die Mithilfe von Familienmitgliedern angewiesen. Meine Großmutter, die niemals einen Führerschein gemacht hatte, wurde nach dem Tod meines Großvaters von einem befreundeten Senior abgeholt, wenn es um Feierlichkeiten im Freundeskreis ging. Wenn es diesen betagten Freund mit Führerschein nicht gegeben hätte, wäre meine Oma von diesen regelmäßigen Treffen ausgeschlossen gewesen. Wir leben in einer ländlich geprägten Region und bis auf wenige Ausnahmen verschwinden die jungen Menschen aus den Dörfern. Und damit schwindet die Mobilität der Älteren, die dann maximal noch innerhalb des eigenen Dorfes unterwegs sein könnten. Und noch eines: Senioren, die Auto fahren, kaufen auch Autos. Sie sind damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Autobranche der Region.

Wer allerdings selbst merkt, dass er oder sie lieber nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen kann und freiwillig darauf verzichtet: Chapeau!

Antonia Schmidt: Unverantwortlich und gefährlich

Immer wieder muss ich mit dem Kopf schütteln, wenn ich so manche Menschen zu ihrem Auto kriechen sehe. Ja, ich schreibe bewusst kriechen. Denn sehr häufig passiert es, dass auch gerade Senioren kaum noch in der Lage sind, sich auf ihren Beinen fortzubewegen aber sich hinter ein Steuer setzen. Unfassbar! Wie möchten diese Menschen noch richtig und rechtzeitig im Straßenverkehr reagieren?

Zu meiner Zeit als Krankenfahrer habe ich viele Kilometer auf der Straße zurückgelegt. Bei einer meiner letzten Fahrten ist es dann fast passiert. Mit einer Patientin im Auto bin ich über eine grüne Ampel auf der Kreuzung der Rangstraße gefahren. Plötzlich kam von links ein Senior. Er war offensichtlich über eine rote Ampel gefahren. Ich legte eine Vollbremsung ein und hupte ihn an. Zur Krönung des Ganzen beschwerte er sich, dass ich etwas Respekt vor ihm haben sollte. Mir platzte fast der Kragen. Um meine Patientin noch pünktlich zu ihren Termin zu bringen, setzte ich mein Fahrt fort. Völlig entsetzt über das Verhalten des Seniors. Manchmal ist man durch einen Gedanken am Steuer abgelenkt.

Auch ich bin in dieser Woche versehentlich einen falschen Weg zur Arbeit gefahren, weil ich in Gedanken war. Verstehen kann ich trotzdem nicht, wie sich Menschen, deren Reaktionsfähigkeit eingeschränkt ist, sich noch hinter das Steuer setzen. Es gibt andere Mittel und Wege auch im hohen Alter mobil zu bleiben. Unter 18-Jährige kommen auch von A nach B. Wieso sollten Senioren das nicht auch können?

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