1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Fulda

Pro&Contra: Muss man royale Hochzeiten im TV anschauen?

Erstellt:

Von: Bertram Lenz, Christopher Göbel

Kommentare

null

am Lenz und Christopher Göbel und ihre unterschiedlichen Auffassungen zum (Hoch-)Adel von heute im Fall Harry und Meghan.

Bertram Lenz: „I do“: Drei Stunden lang dabei

Ja, ich gestehe: Obgleich jedweden Gedankenspielereien, in Deutschland die Monarchie wieder einzuführen, abhold, habe ich die feierliche Trauung am vergangenen Samstag via TV verfolgt. Und, ich muss auch diese Tatsache gestehen: Je länger das Ganze dauerte, umso mehr hat mich die Zeremonie in ihren Bann gezogen. Der anfängliche Widerstand wich, möglicherweise auch aufgrund des sanften Drucks der Gattin, zunehmendem Interesse – bis ich es kaum erwarten konnte, das sanft hingehauchte „I do“ von Meghan und Harry zu vernehmen. Natürlich bin ich nach den gut drei Stunden (!) in mich gegangen und habe mich gefragt, woher meine neue Lust an königlichen Hoheiten herrühren könnte: Und, ja, es muss am fortgeschrittenen Alter liegen. Will sagen, dass ich jene Jahre miterlebt habe, in denen Prinzessin Diana (für Ignoranten: das war die Mutter von Harry) die Schlagzeilen dominierte. Sei es wegen ihrer Hochzeit mit Prinz Charles (für Ignoranten: das ist der Vater von Harry), wegen ihrer Scheidung von eben jenem oder wegen ihres überraschenden Todes. Wobei es mir so geht wie wahrscheinlich sehr vielen Menschen, und ich noch immer sagen kann, was ich in jenem Moment gemacht habe, als ich die Radionachricht von ihrem tragischen Verkehrsunfall in Paris gehört habe. Irgendwie also hat mich die englische Königsfamilie über einen sehr langen Zeitraum meines Lebens mitbegleitet, und so war ich letztlich auch daran interessiert, wie die Hochzeit von Dianas Jüngstem über die Bühne geht. Zwei Dinge haben mich da am meisten fasziniert: Die mitreißende (und vom Laptop abgelesene) Predigt des Erzbischofs von Chicago, bei der nur noch die tänzerische Einlage gefehlt hat, und das hinreißende „Stand by me“ des „Royal Wedding“-Gospelchores. Da musste ich sogar verstohlen zum Taschentuch greifen...

Christopher Göbel: Viel zuviel Herz-Schmerz-Schmalz

Nein. Muss man nicht. Und ich habe es auch nicht getan. Es ist für jedes Hochzeitspaar schön, wenn es heiratet. Egal, ob aus königlichem Hause oder in einem kleinen Dorf im Vogelsberg. Der Hype, der um die Hochzeit von Harry und Meghan gemacht wurde, ist mir einfach zu viel gewesen. Es mag sein, dass die beiden bekannter und die „Royals“ aus England vielleicht die beliebtesten Adligen von heute sind, aber ich muss das wirklich nicht haben. Als Kind habe ich Charles und Diana heiraten sehen. Und wie das endete, war nicht weniger Tragödie und TV-Ereignis. Bei Sohn und Kronprinz William und seiner Kate blieb mein Fernseher aus. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich dem Hochadel Europas sowieso nicht viel abgewinnen kann. Ich lese weder die einschlägigen Zeitschriften, in denen wöchentlich von den Reichen und Schönen berichtet wird, noch könnte ich Adelsfamilien aufzählen. In Spanien gibt es König Juan Carlos, aber bei seinem Sohn hapert es dann schon. Schweden? Ja, die Silvia aus Heidelberg. Dänemark? Mette Marit ... oder ist das doch die norwegische Prinzessin? Eigentlich bekomme ich wenig vom Adel mit, außer Prügelprinz Ernst August von Hannover hat sich mal wieder einen Faux-Pas erlaubt. Oder Frederik von Anhalt will US-amerikanischer Politiker werden. Die Adligen von heute sind – zumindest hierzulande – eher normale Menschen, wie Floria von Hessen, die Gemahlin des Landgrafen, gerade auf dem „Fürstlichen Gartenfest“ bewies. Beim Thema Adel halte ich es allerdings mit einem Adligen: „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden“, soll der Preußenkönig Friedrich II. gesagt haben. Und wer Herz-Schmerz-Tränen-Adelsgesäusel sehen möchte, der soll es tun. Und wen es nicht interessiert, der soll es lassen. Eines muss ich allerdings zugeben: Meghan und Harry sind ein schönes Paar ;-) .

Auch interessant

Kommentare