Pro&Contra: Muss man wahre Tragödien verfilmen?

Bertram Lenz und Christopher Göbel sind uneins, was das Verfilmen von wahren Geschichten angeht.

Reale Ereignisse im Film-Gewand

Das Leben ist voll von Tragödien – wie 1988 in Gladbeck. Die Dramatik, die die Realität uns manchmal zumutet, kann eigentlich ein Film kaum darstellen. Aber bei den wenigsten echten Tragödien oder Katastrophen sind wir selbst dabei. Zum Glück. Es gibt oft Filmemacher, die sich der Nacherzählung von tatsächlichen Ereignissen widmen. „911“, „Schindlers Liste“, „JFK“ oder „Der Untergang“ sind nur einige wenige Beispiele.

Christopher Göbel

Ich schaue gerne Filme, die als Grundlage entweder Menschen der Geschichte zum Inhalt haben oder eben ein wahres Ereignis darstellen. Auch wenn ich weiß, dass vieles für die Filmstory dramatisiert und einiges geglättet wurde, um mehr Effekt zu erhaschen, stelle ich mir beim Anschauen doch vor, dass die echten Personen genauso gehandelt haben (könnten), wie es nun die Protagonisten im Film tun. Genau auf die kommt es an. Gary Oldman hat gerade einen „Oscar“ für seine Verkörperung von Winston Churchill gewonnen.

Mir unvergesslich ist Cate Blanchett als Elizabeth I. von England und auch Helen Mirren, die in verschiedenen Filmen Elizabeth I. und Elizabeth II. darstellte. Grandios! Natürlich gibt es auch Filme, bei denen die tatsächlichen Geschehnisse nur noch eine Randerscheinung sind, und die „Story“ die Hauptrolle spielt („Titanic“ fällt mir hierzu ein). Filme, deren Ursprung auf wahren Begebenheiten beruht, geben mir das Gefühl, dabei gewesen zu sein.

Und meist ziehe ich nach dem Anschauen das Internet zu Rate, um mich über die tatsächlichen, sachlichen und fundierten Tatsachen zu informieren, weil der Film in mir die Neugier geweckt hat. Auch die Verfilmung der Geiselnahme von Gladbeck hat mich zur privaten Recherche gebracht.

Zumutung für die Angehörigen

Der Name „Gladbeck“ hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Westdeutschlands eingegraben als Synonym für verbrecherische Brutalität, für behördliches Versagen und für das Verhalten einer Presse, die in jenen Tagen unendlich viel Vertrauen verspielt hat und gerade in den Zeiten von „Fake News“ mehr denn je unter diesem Verlust leidet.

Bertram Lenz

Allzu gegenwärtig sind die Erinnerung an die Geschehnisse des Jahres 1988, als dass sie hätten verfilmt werden müssen – auch wenn die Umsetzung zweifellos sehr geglückt ist und schon jetzt als Meilenstein der Fernsehgeschichte gefeiert wird. Mir freilich stellt sich die Frage, wem die Verfilmung etwas nutzt, oder – wie der Lateiner zu sagen pflegt – „Cui bono“? Die Quote, welche die ARD nach Ausstrahlung der beiden Teile eingefahren hat, dürfte mit Sicherheit gestimmt haben.

Ob allerdings die Angehörigen jener drei Toten, die bei jener brutalen Amokfahrt ihr Leben lassen mussten, den Fernseher eingeschaltet haben, bezweifele ich doch sehr stark. Vielmehr dürften durch die Bilder alte Wunden wieder aufgerissen worden sein, dürfte es sehr schwer gewesen sein, dies alles zu sehen und zu ertragen. Zumal erst vor wenigen Tagen einer der beiden Verbrecher aus der Haft entlassen worden ist.

Und auch hier stellt sich mir die Frage, ob die ARD nicht genau diesen Zeitpunkt abgewartet hat, um durch die Ausstrahlung des Films das Thema weiter am köcheln zu halten. Dann aber wäre es eine Geschmacklosigkeit ohnegleichen. Ich bleibe dabei: Diejenigen, die damals miterlebt haben, wie sich die Ereignisse dramatisch zuspitzten, um schließlich blutig zu eskalieren, brauchen solche aufgewärmten Bilder nicht.

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