pro+contra: Viagra für die Frau

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Jennifer Sippel und Sabine Grebe sind sich nicht einig, ob frau eine Sexlust steigernde Pille braucht, um den Partner attraktiv zu finden.

Persönliche Entscheidung

Nach zwei gescheiterten Versuchen in 2010 und 2013 hat  die US-amerikanische Arzneimittelbehörde den Wirkstoff "Flibanserin” jetzt zugelassen. Das Präparat soll wahrscheinlich ab Oktober im Handel erhältlich sein und "Addyi” heißen. Das Mittel ist aber keinesfalls gleichzusetzen mit Viagra für den Mann, auch wenn es häufig als Viagra für die Frau bezeichnet wird.

Während Viagra beim Mann nachhilft, wenn der Körper nicht mitspielt wie gewollt, soll "Flibanserin” auf Botenstoffe im Gehirn wirken und die sexuelle Lust der Frau damit steigern.  Dabei gibt es einen relativ engen Kreis an Frauen, für die das Mittel interessant sein dürfte. Um dieses Präparat verschrieben zu bekommen muss ausgeschlossen sein,  dass es sich bei der Unlust um Auswirkungen der Lebenssituation handelt oder einen einfach der Partner nicht mehr interessiert.

Liegt trotzdem ein Mangel an sexuellem Verlangen vor, spricht man von einem Symptom namens "Hypoactive Sexual Desire Disorder” (HSDD).  Die Dia­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­gnose ist noch umstritten, manche Experten sind nicht überzeugt. Andererseits sind Frauen, die sich  für dieses Mittel interessieren, mit ihrer Lebenssituation unzufrieden und versuchen etwas zu ändern. Wenn sie dafür Tabletten zu sich und Nebenwirkungen in Kauf nehmen wollen, ist das eine persönliche Entscheidung, die auf subjektiven Wahrnehmungen beruht und jedem selbst überlassen werden sollte.

Lieber andere Wege finden

Eine Tablette für Frauen, um die sexuelle Lust zu steigern? In meinen Augen ist das absoluter Unsinn. Es ist sicher von Frau zu Frau unterschiedlich, wie viel Lust sie auf Sex hat. Auch die Lebensumstände spielen eine große Rolle: Arbeiten gehen, Haushalt schmeißen, Kinder versorgen und erziehen. Da bleibt bei dem ein oder anderen nicht mehr viel Zeit für Zärtlichkeiten zu zweit. Einiges geht bei etlichen Paaren auch während einer längeren Beziehung kaputt. Weil der Mann sich eventuell gehen lässt, sich nicht mehr bemüht, attraktiv für seine Frau zu sein und somit die Lust am Partner flöten geht.

Selbstverständlich gilt das auch für die Frau selbst. Wer zum Beispiel Zuhause nur mit dem guten alten "Jogger" herumläuft, wird sich selbst kaum sexy finden und somit auch für seinen Gegenüber über kurz oder lang keine große Attraktivität mehr ausstrahlen. Andere Menschen haben ihren Partner vielleicht auch irgendwann einfach "satt". Dann wird sich getrennt oder man befriedigt die Lust irgendwo anders. Monogamie scheint in der heutigen Gesellschaft ja nicht mehr so "angesagt" zu sein.

Ich denke, dass es wenig sinnvoll ist, sich täglich eine Tablette einzuschmeißen, in der Hoffnung, dass die Lust irgendwann wiederkommt. Und so zu versuchen, eine "Krankheit" zu bekämpfen, deren Existenz nicht einmal zweifelsfrei bewiesen ist. Eher müssen beide Partner daran arbeiten, für den anderen attraktiv zu bleiben.

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