Helge Braun möchte Bundesvorsitzender der CDU werden

Dr. Helge Braun will Bundesvorsitzender werden. Bisher war er Kanzleramtsminister bei Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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Dr. Helge Braun will Bundesvorsitzender werden. Bisher war er Kanzleramtsminister bei Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Für manche überraschend, hat Professor Dr. Helge Braun vor Kurzem seine Kandidatur als Bundesvorsitzender der CDU öffentlich erklärt.

Fulda/Berlin. Der 49-jährige Mediziner, der bisher Gießen und Teile des Vogelsbergkreises in Berlin vertreten hatte, war nach der jüngsten Bundestagswahl über die Landesliste in den Bundestag eingezogen, da er mit 29,6 Prozent gegen Felix Döring von der SPD (30,4 Prozent) bei den Erststimmen unterlegen war.

Als geschäftsführender Kanzleramtsminister ist er einer der engsten Vertrauten von Angela Merkel. „FULDA AKTUELL“ stand der Politiker für ein Interview zur Verfügung.

FULDA AKTUELL: Wann ist in Ihnen der Entschluss gereift, sich um den Parteivorsitz zu bewerben?

BRAUN: Bei der Kreisvorsitzendenkonferenz der CDU habe ich mich mit vielen der anderen Kreisvorsitzenden ausgetauscht und bin angesprochen worden. In den Folgetagen habe ich mich in meinem Heimatverband ausgetauscht. So ist der Entschluss gereift, den ich ohne diesen großen Zuspruch erfahren zu dürfen, sicher nicht gefasst hätte.

FA: Als Kandidat hatte man Sie im Gegensatz zu Friedrich Merz und Norbert Röttgen nicht unbedingt auf der Rechnung. War die Überraschung kalkuliert?

BRAUN: Nein. Kalkuliert war es nicht. Ich trete im Gegensatz zu den anderen beiden eben das erste Mal für den Parteivorsitz an. Eine große Rolle hat für mich dabei gespielt, dass es eine Mitgliederbefragung gibt und keine Entscheidung der Führung. Ich werbe bei jedem einzelnen Mitglied um Unterstützung. Das liegt mir.

FA: War die geschäftsführende Bundeskanzlerin, als deren enger Vertrauter Sie gelten, in die Entscheidung eingebunden? Zumal Angela Merkel ja lange Jahre einst selbst der CDU vorstand.

BRAUN: Natürlich habe ich es ihr vorher gesagt. Meine Kandidatur ist aber eine eigenständige. Angela Merkels Sorge ist es in diesen Tagen, dass wir die großen Herausforderungen, die sich der geschäftsführenden Bundesregierung in ihren letzten Wochen noch stellen, gut meistern.

FULDA AKTUELL: Wie wollen Sie der CDU die (dringend) nötige Erneuerung verschaffen?

HELGE BRAUN: Die CDU lebt durch ihre Mitglieder und muss wieder wachsen. Deshalb müssen wir Antworten geben auf die Frage: „Warum sollte ich CDU-Mitglied werden?“ Dabei geht es um die Angebote, die wir unseren Mitgliedern machen. Ich höre immer wieder: Es gibt zu wenig Raum und Beteiligungs-

möglichkeiten für diejenigen, die auch die „große Politik“ diskutieren wollen und nicht nur kommunalpolitische Themen. Die Leute wollen von der Union eine mitgliederfreundliche Bereitstellung von bundespolitischen Informationen, die Schaffung von Betei-

ligungsmöglichkeiten und die Bereitstellung umfassender nutzerfreundlicher digitaler Lösungen für die Parteiarbeit, damit nicht überall vor Ort kostspielig eigene Lösungen gefunden werden müssen. Und natürlich muss sich auch an der Spitze das Bild ändern, dass die Führung abgibt. Es braucht einen neuen Stil.

FULDA AKTUELL: Daran anlehnend: Wie wollen Sie die CDU a) wieder zu einer Volkspartei machen und b) Wie wollen Sie es schaffen, junge Wähler wieder für die CDU zu begeistern?

BRAUN: Unsere Werte und unsere Wurzeln haben sich nicht verändert, aber die Herausforderungen sind im Wandel. Mit unseren Antworten müssen wir, um wieder mehrheitsfähig zu werden, große Teile der Gesellschaft überzeugen. Das gilt besonders bei Frauen und jungen Leuten, die sich bei dieser Bundestagswahl in großer Zahl abgewandt haben.

Für die CDU muss immer die hart arbeitende Bevölkerung mit ihren Alltagssorgen im Mittelpunkt der Politik stehen. Sie sind die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Für ihre Bedürfnisse nach Sicherheit muss die CDU die beste Antwort haben. Ihre Aufstiegschancen sowie die Vereinbarkeit von Familie oder Pflege und Beruf sind für mich Herzensanliegen, die wir als bodenständige CDU mit klaren Konzepten und mit Zuneigung aufgreifen müssen.

Entscheidende Inhalte, die die CDU wieder zu einer Volkspartei machen, sind zum Beispiele die sich beschleunigende Inflation, die den Wert der Ersparnisse und der Altersvorsorge bedroht. Die absehbar ausgabenorientierte Politik der Ampelkoalition wird dieses Problem verstärken. Die gestiegenen Vermögenspreise erschweren den Kauf von Wohneigentum für junge Familien und führen zu steigenden Mieten. Das beunruhigt mich sehr. Nur mit Solidität bei den staatlichen Finanzen in Deutschland und Europa werden wir zu Geldwertstabilität zurückkehren können.

Oder unsere sozialen Sicherungssysteme. Kranken- und Rentenversicherung müssen den Beitragszahlern gute Leistungen bieten können. Als Arzt weiß ich, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreichen wir vielfach schon heute, zum Beispiel, wenn die Wartezeiten für einen Facharzttermin unzumutbar werden. Auch deshalb werden wir in den kommenden Jahren Fachkräfteeinwanderung benötigen, gerade auch in Pflegeberufen. Fachkräfte, die sich in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen der Wirtschaft für alle gewinnbringend einbringen und deshalb auch erfolgreich integrieren werden. Der Belastung mit immer neuen versicherungsfremden Leistungen und einer Einwanderung in unsere Sozialsysteme müssen wir uns als CDU entgegenstellen.

Als Chef des Bundeskanzleramtes habe ich außerdem von vielen unserer Sicherheitsbehörden erfahren, welche Frustration bei der Arbeit dort vielfach über mangelnde Befugnisse und fehlende Rückendeckung herrscht. Die CDU steht für Wertschätzung, moderne und effiziente Arbeitsbedingungen und das erfolgreiche Durchsetzen von Recht und Ordnung. Ein solches Profil müssen wir uns in der Opposition wieder erarbeiten.

FA: Sie gelten auch als möglicher Nachfolger von Volker Bouffier als hessischer Ministerpräsident. Wie sieht es da mit Ihren Ambitionen aus?

BRAUN: Volker Bouffier ist ein guter Ministerpräsident für unser Land und wichtig für das Funktionieren der Schwarz-Grünen Koalition im Landtag. Er hat mit noch keinem Ton vom Aufhören gesprochen. Ambition und Spekulation verbietet sich schon deshalb.

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