Projekt im BBZ Mitte: Echte Perspektiven für Flüchtlinge schaffen

WEMAG-Geschäftsführer Christopher Schaus, Landrat Bernd Woide, Ulrich Nesemann vom Kreisjobcenter des Landkreises und Elke Hohmann, Fachbereichsleiterin Soziales im BBZ Mitte.
+
WEMAG-Geschäftsführer Christopher Schaus, Landrat Bernd Woide, Ulrich Nesemann vom Kreisjobcenter des Landkreises und Elke Hohmann, Fachbereichsleiterin Soziales im BBZ Mitte.

SIQua24 im BBZ Mitte: Nachhaltiges Programm rund um Sprache, Integration und Qualifikation ist mit 24 Flüchtlingen erfolgreich gestartet.

Petersberg. "Es ist egal, wo du herkommst – wichtig ist uns nur, wo du hinwillst!" Unter diesem Motto steht SIQua24, ein aktuelles Projekt der BBZ Mitte GmbH zur Integration von Flüchtlingen im Landkreis Fulda in den ersten Arbeitsmarkt. Der Petersberger Bildungsdienstleister fasst dabei die Themen Sprache, Integration und Qualifikation zusammen. Innerhalb des viermonatigen Stufen-Programms für aktuell 24 Flüchtlinge werden neben den Sprach- und Fach-Seminaren auch Profilings angeboten, um persönliche Fähigkeiten und Stärken zu ermitteln und zu fördern.Im Auftrag des Landkreises Fulda sowie in Kooperation mit der IHK Fulda und dem Standortmarketing Fulda wurde SIQua24 Mitte Januar im Berufsbildungszentrum gestartet – Zeit für ein erstes Resümee der Verantwortlichen.

"Wir hatten anfangs 50 Kontaktdaten von Flüchtlingen, beispielsweise aus Unterkünften in Bad Salzschlirf, Künzell oder Horas", blickt Elke Hohmann, Fachbereichsleiterin Soziales im BBZ Mitte, auf die Anfänge zurück. "24 geeignete Teilnehmer wurden für das Pilot-Projekt ausgewählt – heute sind sie schon sehr viel weiter mit ihren deutschen Sprachkenntnissen und haben erste berufliche Qualifikationen erlangt." Der Schwerpunkt liege derzeit im Fachbereich Metall, ergänzt BBZ Mitte Jobcoach und SIQua24-Betreuer Bernd Schröder, der die Teilnehmer auch regelmäßig in den Flüchtlingsunterkünften besucht. "SIQua24 ist aber so konzipiert, dass es später zusätzlich in anderen Bereichen wie Holz, Elektrik oder Gastronomie umgesetzt werden kann."

Vormittags Sprachtraining, nachmittags Praxisunterricht in der Werkstatt

Die beiden aktuellen Teilnehmer-Gruppen mit jeweils zwölf Flüchtlingen haben wechselweise vormittags Sprachunterricht und besuchen nachmittags Seminare in der Fachwerkstatt des BBZ Mitte: "Hier geht es erst einmal um die Grundlagenvermittlung. Dafür haben wir derzeit insgesamt sechs qualifizierte Dozenten eingesetzt, die neben dem fachlichen Know-how auch das entsprechende Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Flüchtlingen mitbringen. Die beiden Ausbilder Metall, die derzeit die Gruppen in unserer Werkstatt betreuen, sind zum Beispiel beide zusätzlich studierte Sozialpädagogen", erläutert Stephan Kraus, Geschäftsführer des BBZ Mitte, und ergänzt: "Außerdem geht es uns um einen geregelten Tagesablauf: Von 8 bis 15 Uhr ist jeden Werktag Unterricht, danach bieten wir die Möglichkeit für gemeinsame Gespräche." Die werde von den Teilnehmern gerne angenommen, berichtet Elke Hohmann: "Jeder einzelne geht hier mit Elan ans Werk und ist dankbar für die Möglichkeiten, die wir ihm bieten. Mit der Zeit öffnen sich viele Flüchtlinge, fassen Vertrauen und erzählen zum Beispiel von ihrer Flucht oder aktuellen Sorgen und Hoffnungen. In diesem Rahmen kann man auch sehr gut über Sitten und Gebräuche in Deutschland sprechen, so dass die Teilnehmer Schritt für Schritt auf den Alltag hierzulande vorbereitet werden."

Dass die Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt auch eigene Motivation voraussetzt, ist allen Beteiligten klar. "Wir bieten zum Beispiel bewusst keinen Hol- und Bringdienst an, die Teilnehmer müssen sich selbst darum kümmern, morgens pünktlich zum Schulungsbeginn im BBZ Mitte zu erscheinen. Gerade für Flüchtlinge, die aus Bad Salzschlirf anreisen, bedeutet das einen sehr frühen Start in den Tag", sagt Elke Hohmann. "Wer das nicht schafft, ist auch noch nicht reif für eine spätere Vermittlung in einen Betrieb." So liegt der Fokus bei SIQua24 nicht nur auf Sprach- und Fachkenntnissen, sondern ebenso auf Faktoren wie Pünktlichkeit, Einsatzwillen und Zuverlässigkeit. "Unsere Dozenten und wir als Projektleiter leisten auch oft über unseren Auftrag hinaus lebenspraktische Hilfe", fügt die Fachbereichsleiterin Soziales an.

Vier mehrsprachige Verbindungspersonen begleiten die Flüchtlinge

"Hier wird niemand alleingelassen", betont Ulrich Nesemann vom Kreisjobcenter des Landkreises Fulda. Er lobt bei SIQua24 zum Beispiel den Einsatz der vier mehrsprachigen Verbindungspersonen, die den Teilnehmern in den Flüchtlingsunterkünften jederzeit als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen und die Flüchtlinge während der gesamten Projektphase begleiten. "Das Team des BBZ Mitte hatte im vergangenen Jahr außerdem bereits Sprachkurse für Flüchtlinge angeboten und sich darüber hinaus auch ehrenamtlich für die Kursteilnehmer engagiert. Diese Erfahrungen können jetzt ideal weitergenutzt werden."

Und: Die Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen geht auch nach Ende des Programms weiter. "Wir begrüßen natürlich die Möglichkeit der beruflichen Nachqualifizierung, die das BBZ Mitte dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung auf dem Bildungssektor mitbringt", betont Landrat Bernd Woide und ergänzt: "Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es, den Flüchtlingen echte Perspektiven zu bieten und sie erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren – zum Beispiel mit einer sich an das Praktikum anschließenden Berufsausbildung. So können wir die Flüchtlinge hier im Landkreis halten und mit ihnen dem immer weiter voranschreitenden Fachkräftemangel entgegenwirken." Ulrich Nesemann bekräftigt: "Die meisten der Flüchtlinge haben in ihrer Heimat bereits einen Beruf erlernt – ob Elektroinstallateur, Maler oder Heizungsmonteur. Entsprechend wichtig ist es, sie gleich nach ihrer Ankunft zu unterstützen, damit sie sich hier wohlfühlen und nicht in die Ballungsgebiete abwandern."

Auch die heimischen Unternehmen sind bei SIQua24 längst mit im Boot: "Für alle aktuellen Teilnehmer sind bereits Praktika in regionalen Betrieben gefunden, die Anfang April beginnen", berichtet Elke Hohmann erfreut. Dankbar ist sie außerdem für eine Spende des Unternehmens WEMAG, das über den Verein "Fulda hilft in Not" Arbeitsschutzkleidung zur Verfügung gestellt hat. "So konnten wir alle 24 Kursteilnehmer komplett kostenfrei und professionell ausstatten."Weitere Informationen gibt es unter www.bbz-mitte.de .

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Die Macht erwacht um Mitternacht
Fulda

Die Macht erwacht um Mitternacht

„Episode VII” der „Star Wars”-Reihe läuft in der ersten Minute des Donnerstages im CineStar Fulda an: Die Spannung steigt...
Die Macht erwacht um Mitternacht
Unbekannter Toter: Polizei Fulda bittet um Mithilfe
Fulda

Unbekannter Toter: Polizei Fulda bittet um Mithilfe

Verstorbener konnte bislang nicht identifiziert werden
Unbekannter Toter: Polizei Fulda bittet um Mithilfe

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.