Promotionspreis für Fuldaer Ärztin

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Fulda/Münster. Dr. Victoria Paul aus Fulda wurde für ihre Doktorarbeit mit dem Promotionspreis der Medizinischen Fakultät Münster ausgezeichnet.

Münster/Fulda. Vom Umgang mit unangenehmen Reizen: In ihrer Doktorarbeit hat die münstersche Medizinerin Dr. Victoria Paul untersucht, wie unterschiedlich Frauen aversive Reize verarbeiten – das sind Reize, die eine starke Abneigung hervorrufen, etwa bestimmte Geräusche, Gerüche und Gesichtsausdrücke. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung tragen dazu bei, unterschiedliche Formen der Angstbewältigung besser zu verstehen. Für ihre Arbeit erhielt Paul die Bestnote summa cum laude ("mit höchstem Lob") und nun den mit 2500 Euro dotierten Promotionspreis der Medizinischen Fakultät der Universität Münster.

Aus 150 Studentinnen filterte Paul je 20 Probandinnen heraus, die sich durch einen etablierten psychologischen Test, das Angstbewältigungsinventar (ABI), sicher einem von zwei Typen des Umgangs mit aversiven Reizen zuordnen ließen: Represser vermeiden solche Reize und lenken sich von ihnen ab, um sich vor Stress und Angst zu schützen; Sensitisierer hingegen achten in besonderem Maße auf bedrohliche Reize. In ihrer Studie untersuchte Paul die Reaktionen der 40 Probandinnen auf Fotos wütender, ängstlicher, freudiger und neutraler Gesichter – mit einem direkten Blick in ihre Köpfe: Im Magnetresonanztomographen (der "Röhre") konnte Paul die Informationsverarbeitung im Gehirn beobachten.

Die Fotos wurden den Probandinnen so kurz gezeigt, dass eine bewusste Wahrnehmung unwahrscheinlich ist – jeweils in Verbindung mit einem zweiten Foto eines neutralen Gesichtsausdruckes. Anschließend wurden die Probandinnen gebeten zu entscheiden, welcher Gesichtsausdruck ihnen (zuerst) gezeigt worden war. Die These: Represser nehmen bedrohungsrelevante Gesichtsausdrücke unterbewusst stärker wahr als Sensitisierer. Diese Annahme basiert auf der Vigilance-Avoidance-Theorie, nach der Represser in einer ersten, unbewussten Phase empfänglicher für bedrohliche Reize sind und diese anschließend ausblenden.

Tatsächlich waren verschiedene Bereiche in den Gehirnen der Represser bei der Wahrnehmung wütender und ängstlicher Gesichter deutlich aktiver als bei den Sensitisierern. Eine Bestätigung der Theorie ist das freilich nicht: "Wir haben nur die erste, unbewusste Phase untersucht, in der unsere Ergebnisse den theoretischen Vorhersagen entsprechen. Die zweite, bewusste Phase muss weiter erforscht werden", so Paul. Auch, ob die Unterschiede sich bei Männern in gleichem Maße finden, müssen erst weitere Studien zeigen: Da Männer und Frauen Informationen unterschiedlich verarbeiten, konzentrierte sich die Forscherin zunächst nur auf ein Geschlecht.

Pauls Doktorarbeit an der münsterschen Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (in Kooperation mit dem Institut für Radiologie) ist Grundlagenforschung und zielt damit nicht unmittelbar auf die Lösung eines klinischen Problems. Relevant sind die Ergebnisse, weil sie dazu beitragen, die Abläufe bei unterschiedlichen Formen der Angstbewältigung besser zu verstehen: "Langfristig kann das zu spezifischen psychologischen Behandlungen für unterschiedliche Bewältigungsgruppen führen", erläutert Paul. So könne es sein, dass Represser in Untersuchungsfragebögen weniger Beschwerden angeben, die ihr Selbstwertgefühl bedrohen – mit der Folge, dass bei ihnen später eine Entscheidung zu einer Therapie getroffen würde als bei Sensitisierern, selbst wenn objektiv die gleichen Beschwerden vorliegen.

Wissenschaftliche Untersuchungen wie die von Paul sind auch aus Sicht des forschenden Pharmaunternehmens Pfizer von Bedeutung, das den Promotionspreis bereits seit vielen Jahren stiftet: "Die Grundlagenforschung ist in der Medizin entscheidend, um auf dieser Basis neue Therapieansätze entwickeln zu können", sagt Privat-Dozent Dr. Peter-Andreas Löschmann, medizinischer Direktor bei Pfizer in Deutschland.

Nach dem Abitur in Fulda studierte Paul von 2006 bis 2012 Humanmedizin in Münster. Inzwischen arbeitet sie als Assistenzärztin in der Pädiatrie. Eine dauerhafte Entscheidung gegen die Forschung ist das nicht: "Ich möchte erst einmal klinisch arbeiten, kann mir aber gut vorstellen, bald wieder zu forschen."

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