Provokateur Merz

Zwischenruf zum Bundesparteitag von Redaktionsleiter Bertram Lenz.

Man muss kein ausgewiesener Politkenner sein, um zu ahnen, dass es nach dem digitalen Bundesparteitag vom letzten Wochenende in der CDU gärt. Dass Armin Laschet zum neuen Bundesvorsitzenden und somit zum Nachfolger der glücklos agierenden Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt werden würde, hat sehr viele überrascht und für Frustration bei den Fans von Friedrich Merz gesorgt. Dies gilt sicher auch für große Teile des CDU-Kreisverbandes Fulda und der „MIT Fulda“, die sich in der Vergangenheit – in Vor-Corona-Zeiten – ziemlich klar pro Merz ausgesprochen hatten. Der zwar, und auch dies sollte einem bewusst sein, ein ausgesprochener Kenner in wirtschaftspolitischen Fragen ist, ansonsten aber mitunter zu Handlungen neigt, die Kopfschütteln hervorrufen. Um es zurückhaltend zu formulieren.

Denn was den Sauerländer da geritten haben mag, direkt nach der Niederlage in der Stichwahl gegen Laschet den Posten des Bundeswirtschaftsministers einzufordern, das weiß der 65-Jährige wohl nur ganz alleine. Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass Merz auch nur entfernt an die Möglichkeit gedacht hat, die Bundeskanzlerin könnte sich auf dieses Spiel einlassen und ihm das Amt andienen. Eher lässt sich das Vorgehen als eine gezielte Provokation deuten.

Man darf gespannt sein, wie sich Merz künftig verhalten wird. Ich habe meine Zweifel, ob er loyal zu Laschet steht oder aber im stillen Kämmerlein seine Kanzlerkandidatur vorbereitet. Denn der Frust im Merz-Lager ist groß, schon gibt es erste Parteiaustritte, und es wird darauf ankommen, wie und ob es dem neuen Parteichef gelingt, eine drohende Spaltung zu verhindern. Sehr viel hängt davon ab, wie schnell Laschet Profil gewinnt. Denn der 59-jährige vermittelt (noch) den Eindruck, eher ein Politiker zu sein, der nicht sehr durchsetzungsfähig ist. Und der mitunter glücklos agiert, wie als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in dieser Corona-Pandemie.

Bleibt die wichtige Frage, wen die Union in das Rennen um die Kanzlerschaft schickt. Hand aufs Herz: Einen Laschet kann ich mir da bislang wenig vorstellen. Jens Spahn hätte es sein können, wäre ihm das ganze Prozedere rund ums Impfen besser geglückt. Bliebe nur noch der Franke Markus Söder von der CSU. Würde ich wetten, ich würde auf den 54-Jährigen setzen. Wetten?

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