Schüsse auf Fahrzeuge: Drei Wochen Jugendarrest für 20-Jährigen aus der Rhön

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Das mediale Interesse war groß an der Verhandlung im Amtsgericht Fulda. Hier der Angeklagte mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Knut Hillebrand  

Motiv unklar: Junger Mann musste sich vor dem Amtsgericht Fulda verantworten / Weitestgehend geständig

Fulda - Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ist am Mittwoch ein 20 Jahre alter Mann aus einer Rhöner Gemeinde vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht Fulda zu drei Wochen Jugendarrest verurteilt worden.

Zu Beginn der Verhandlung unter Vorsitz von Richter Christoph Mangelsdorf bestätigte Rechtsanwalt Knut Hillebrand als Verteidiger die weitgehend geständigen Einlassungen, die der 20-Jährige bei der Polizei gemacht hatte. Die Durchschlagskraft der Gasdruckpistole, mit der er im Februar 2017 Stahlkugeln vom Kaliber 4,5 Millimeter unter anderem auf einen jeweils fahrenden Pkw und einen Lkw sowie auf zwei geparkte Busse geschossen habe, sei ihm ebenso wenig bewusst gewesen wie die Tatsache, dass sich in den Bussen noch die Fahrer aufgehalten hätten. Die Fahrzeuge seien nicht beleuchtet gewesen.

Hillebrand, der für eine Geldstrafe plädiert hatte, wies auch darauf hin, dass sein Mandant immer noch nicht verstehen könne, warum er sich zu den Taten habe hinreißen lassen. Um dies zu klären, habe er auch mehrere Sitzungen bei einem Therapeuten gehabt, sich mit den Geschädigten beziehungsweise mit deren Anwälten ausgetauscht und den entstandenen Sachschaden in Höhe von rund 11.000 Euro voll erstattet. Zudem seien an den einen Busfahrer 500 der geforderten 1.000 Euro Schmerzensgeld gezahlt worden. Der Rhöner war zum Zeitpunkt der Taten 19 Jahre alt, juristisch gesehen ein Heranwachsender. Er muss für drei Monate seinen Führerschein abgeben.

Sein Rechtsanwalt betonte, der 20-Jährige sei davon ausgegangen, dass niemand hätte zu Schaden kommen können. Genau dies hatte Staatsanwältin Christina Dern formuliert, wonach „in allen Fällen der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen hat, dass durch die Schüsse Personen verletzt werden“. Der Mann hatte zwei Tage vor den angeklagten Taten in einem Waffengeschäft in der Fuldaer Innenstadt eine frei erwerbbare, erlaubnisfreie Gasdruckpistole inklusive Munition für rund 170 Euro „einfach so“ gekauft. Er habe nicht gewusst, dass damit Treffer in einer Entfernung von bis zu 360 Metern möglich seien und sei auch nicht darüber belehrt worden. Er sei davon ausgegangen, dass die Geschosse an den Karosserien abprallen würden.

Der 20-Jährige erwähnte auch Schießübungen auf Heuballen und Holzstapel, will aber nicht nachgesehen haben, ob er Treffer habe erzielen können. Früher habe er des Öfteren mit dem Luftgewehr seines Vaters geschossen, sagte er auf Nachfrage der Staatsanwältin. Diese hatte ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung gefordert.

Zu den Vorfällen selbst: Laut Anklage hatte der Mann aus der Rhöner Gemeinde am 17. Februar 2017, gegen 6.35 Uhr, auf der Strecke von Hilders nach Fulda in Höhe „Grabenhöfchen“ aus dem Fahrerfenster seines Pkw auf die Frontscheibe eines ihm entgegenkommenden Lkws geschossen. Gegen 6.55 Uhr sei ein Schuss auf der B 27 gefallen, als er von Fulda in Richtung Bad Hersfeld fahrend, in Höhe Dietershan auf einen Pkw gefeuert habe. Dieser wurde auf der Fahrerseite unterhalb des Außenspiegels getroffen. Am späten Nachmittag, gegen 17.18 Uhr, habe er wiederum aus seinem Fahrzeug heraus auf einen im Nüsttaler Ortsteil Kermes abgestellten Bus geschossen. Das Projektil zerschlug die Seitenscheibe unmittelbar hinter dem Fahrer, der dabei war, den Bus zu reinigen. Gegen 18.45 Uhr schließlich habe der Angeklagte auf einen auf dem ZOB in Hilders geparkten Omnibus geschossen, in dem sich der Fahrer gerade bei der Reinigung befand. Das Projektil durchschlug das Seitenfenster des Busses.

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