"Rabbi Schiff" prägte 18 Jahre lang das Fuldaer Leben

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Fulda. Oberbürgermeister Gerhard Möller enthüllte jetzt das Schild der Maharam Schiff geweihten Straße in Fuldas Innenstadt.

Fulda. Richtig hieß er Me´ir ben Ja´akov ha Kohen Schiff. Kurz auch Maharam Schiff. Jener bedeutende Fuldaer Rabbiner, Talmud Gelehrte und Kabbalist (mystische jüdische Tradition der Suche des Menschen nach der Gotteserfahrung), dem das Verbindungssträßchen zwischen Lindenstraße und Rabanusstraße neuerdings gewidmet ist.

Stürmisch

Ob wohl die Zeiten, in denen Rabbi Schiff lebte – von 1605 bis 1641 – wohl ebenso turbulent und stürmisch gewesen waren, wie jener Tag, an dem ihm zu Ehren von Oberbürgermeister Gerhard Möller, dem Vorsitzenden des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Hessen, Moritz Neumann, Genoba Vorstandssprecher Manfred Gerhard, Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, darunter Vorsitzender Roman Melamed und Bela Gusman sowie durch Stadtbaurätin Cornelia Zuschke eine Gedenktafel enthüllt wurde? Wir wissen es nicht. Umso eindringlicher aber waren die Worte, mit denen dem kurzen, aber für Fulda und den jüdischen Gemeinden weltweit nachhaltigen Lebens Maharam Schiffs gedacht wurde.

18 Jahre lang habe der Rabbiner das religiöse Leben der Fuldaer Juden geprägt und "nachwirkenden Klang in der jüdischen Welt" durch seine knappe und praxisorientierte Auslegung von Schriften und Gebeten hinterlassen, beschrieb Möller den aus Frankfurt 1622 gerade mal 17-jährig zugezogenen Gelehrten. Der Flecken, die Mauer, an der nun Schiff gedacht werde, sei Teil des zentralen Orts, der als Friedhof durch die Nationalsozialisten brutal zerstört und entehrt wurde. Mit der Namensgebung rücke dieser "Ort des Gedenkens wieder ins Leben hinein", freute sich Möller deshalb umso mehr, der insbesondere der jüdischen Gemeinde von Fulda, Landesvorsitzendem Moritz Neumann sowie dem Initiator der Namensgebung, Dr. Albert Post, und den Vertretern der Genossenschaftsbank für die hervorragende Zusammenarbeit dankte.

Interessante Parallele

Eine interessante historische Parallele eröffnete Neumann seinen Zuhörern. Was für Fulda in der katholischen Welt gelte, eine Stadt mit besonderem Namen zu sein, das habe für Fulda bis 1933 auch in der jüdischen Welt gegolten. Über Jahrhunderte hätten hier namhafte Rabbiner gewirkt. Von dieser großen Geschichte und Tradition sei nicht viel geblieben – bis auf die Erinnerung an Maharam Schiff. Umso folgerichtiger ist es aus Neumanns Sicht nun, eine Straße nach einem solchen Mann zu benennen, die durch ihre unmittelbare Nähe zu einem jüdischen Friedhof gleichzeitig einen besonderen Bezug habe. Dank und Respekt sprach der Landesvorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hessen allen Beteiligten für die Sensibilität und Rücksichtnahme auf jüdische Belange generell, insbesondere aber beim Bau des neuen Geschäftshauses in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof aus – vor allem dem ausführenden Architekten Manfred Reith sowie Oberbürgermeister Gerhard Möller.

Schmunzelnd, aber liebevoll bezeichnete Neumann die Namensgebung nach Maharam Schiff als "nachgeholte Lektion Volkshochschule im Straßenverkehr". Für die Zukunft hofft er, dass die Straße nur gute Erwähnung finden möge.

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