Rabiate Ladendiebin vor Gericht: "Playboy" und Schnaps

Seit dem heutigen Morgen steht eine rabiate Ladendiebin vor Gericht. Wegen 40 Fällen des Diebstahls muss sich die 35-Jährige aus Fulda vor Gericht verantworten.

Fulda -  Die Liste der von Lydia L. begangenen Taten ist lang, Journalisten ist die 35-Jährige als rabiate Ladendiebin bekannt. Vom Juni 2017 bis zum Februar 2018 soll sie in 40 Fällen Diebstähle in verschiedenen Geschäften begangenen haben. In mehreren Fällen soll L. die Personen, die sie bei ihren Taten erwischten, angegriffen haben. Auch Polizeibeamte blieben offenbar nicht von ihr verschont, bespuckt, getreten und beleidigt wurden sie von der Angeklagten. Die Überschrift der Polizeimeldungen lauteten nicht selten „Rabiate Ladendiebin“. Sie malten ein Bild von einer Frau, die weiß, was sie will und dies auch, wenn nötig mit Gewalt durchsetzt.

Am Dienstag begann die Verhandlung gegen L. vor dem Fuldaer Amtsgericht. Auch an diesem Tag wurde deutlich, dass allen Beteiligten daran gelegen ist, dem Treiben von L. ein Ende zu setzten, denn die tauchte zunächst nicht auf. Sofort wurde die Polizei von Richter Ulrich Jahn informiert. „Wer die Frau auf der Straße sieht soll sie sofort festnehmen und hier vorführen“, lautete die Anweisung des Richters. Zur Überraschung aller kam die Angeklagte nach einer 15-minütigen Verspätung doch noch zu Gericht und nein, nicht das Erscheinen der Dame war die Ursache für die Verwunderung in den Gesichtern der Anwesenden, sondern die Tatsache, das L. im Rollstuhl den Gerichtssaal kam.

Eine Muskel-Nerven-Erkrankung sei die Ursache für das Leiden von L. „Meinen Sie, dass hat auch was mit den Drogen zu tun“, fragte Richter Jahn. „Ja, ich denke schon“, gab die Angeklagte zu. Seit sieben bis acht Jahren sei sie drogenabhängig. Bis vor drei Monaten soll sie zwei bis drei Gramm Heroin und die selbe Menge Amphetamine zu sich genommen haben, dazu kamen Marihuana und mehrere Flaschen Schnaps. Heute rauche sie nur noch immer mal etwas. „Also Marihuana zum runter kommen“, fragte der Richter nochmal nach. Das Gras brauche die Angeklagte, um ihre psychische Erkrankung auszuhalten. Um ihren Drogenkonsum und ihre Lebenshaltungskosten zu stemmen, sei sie auf Diebestour gegangen. Auf der „Einkaufsliste“ der wohnungslosen Rentnerin standen unter anderem Lebensmittel, Kleidung und verschiedene Kosmetika. Aber auch Schnaps, Herrenschuhe und ein „Playboy“ fanden Weg in ihre Tasche. Einige Taten beging sie mit ihrem Lebensgefährten, der, so die Aussage ihrer gesetzlichen Betreuerin, zwar lebensnotwendig für sie sei, aber sie in eine „fatale Beziehung“ bringe. Auch er begleitete seine Freundin in den Gerichtssaal. Schlief jedoch die meiste Zeit.

„Sie brauchen sich“, meinte die gesetzliche Betreuerin, die sich seit über zwei Jahren um L. kümmert. Damals war sie im sechsten Monat schwanger und musste wegen der Kindeswohlgefährdung in die Psychiatrie gebracht werden. Drei Tage nach dem Kaiserschnitt entließ sich L. aus dem Krankenhaus und verbrachte die Nacht in der Fulda Aue. „Es ist schwierig mit ihr“, meinte die Betreuerin und verwies auf einige Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken. Bereits 2011 wurde L. nach 15 Fällen des Diebstahles, der Beleidigung und der Erschleichung von Leistungen für schuldunfähig erklärt. Die Mutter von zwei Kindern soll unter anderem unter Schizophrenie leiden und sei auch in psychiartischer Behandlung. Auch ihr „Verlobter“ sei an einigen Taten beteiligt gewesen, soll „zur Hilfe“ gekommen sein, wenn sich L. nicht allein gegen das Festhalten von Zeugen wehren konnte. So würgte er einen Zeugen, der L. auf frischer Tat ertappt hatte und schon von ihr getreten und geschlagen wurde. Ob ihr Lebensgefährte auch Drogen nehme, wollte der Sachverständige Dr. med. Gliemann wissen. „Das müssen sie ihn schon selbst fragen“, erwiderte die Angeklagte nur. Nach der Meinung von Gliemann sei, wenn der Partner ebenfalls drogenabhängig ist, eine Prognose für ein Drogen freies Leben denkbar schlecht: „Wenn man mit jemanden zusammen ist, der Drogen nimmt, dann kann man jede Therapie vergessen.“

Wie es mit L. weitergeht wird in den nächsten Verhandlungstagen entschieden. Eine große Aufgabe steht dem Amtsgericht Fulda und Richter Jahn bevor, denn an vieles kann sich die Angeklagte nicht erinnern und reagiert auf Nachfragen aggressiv. „Ich hab das getan und es tut mir leid“, sagte sie. Und sah damit das Geschehene als erledigt an. Mehr Kopf zerbrechen als die aktuelle Verhandlung bereitete ihr offensichtlich das kurzzeitige Verlassen des Gerichtssaales von ihrem Lebensgefährten. Für den Prozess sind 29 Zeugen geladen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Raubüberfall auf Geldbotin in Petersberg

Am heutigen Samstagabend wurde eine Geldbotin in Petersberg überfallen.
Raubüberfall auf Geldbotin in Petersberg

Licht ins Dunkel: Lions-Weihnachtskonzert mit Anita Burck

Auch in diesem Jahr findet das beliebte Weihnachtskonzert der Lions mit der Fuldaer Sängerin Anita Burck auf dem Frauenberg statt.
Licht ins Dunkel: Lions-Weihnachtskonzert mit Anita Burck

Autofahrer nach einem Unfall schwer verletzt

Am heutigen Samstagabend kam zu einem schweren Unfall bei Sargenzell. Ein Mann wurde dabei schwer verletzt.
Autofahrer nach einem Unfall schwer verletzt

Klartext: O Du stille, stressige Zeit

Über die ruhige - oder doch gar nicht so ruhige - Zeit zwischen jetzt und Silvester schreibt Redakteur Christopher Göbel in dieser Woche.
Klartext: O Du stille, stressige Zeit

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.