Rechtes Netzwerk: Eine Spur führt in die JVA Hünfeld

Hünfeld. Gefängnisse können ein Nährboden für extreme Gesinnungen sein. Auch für Rechtsradikale. In Hessen wurde jetzt ein Netzwerk von rechtsex

Hünfeld. Gefängnisse können ein Nährboden für extreme Gesinnungen sein. Auch für Rechtsradikale. In Hessen wurde jetzt ein Netzwerk von rechtsextremen Häftlingen enttarnt – und dabei spielt die Justizvollzugsanstalt (JVA) Hünfeld offenbar eine "tragende Rolle". Das Thema sorgt bundesweit für Schlagzeilen, zumal der in Hünfeld einsitzende mutmaßliche Drahtzieher Bernd T. offenbar versucht hat, Kontakte zu Mitgliedern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) zu knüpfen. Ob es auch Versuche der Kontaktaufnahme zu Beate Zschäpe, der Hauptangeklagten im Prozess gegen die rechtsextreme "Zwickauer Terrorgruppe", die für zehn Morde an türkisch- und griechischstämmigen Mitbürgern sowie einer Thüringer Polizistin verantwortlich gemacht wird, gab, ist derzeit noch unklar. Bundesbehörden und der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) zweifeln an der Aussage des 38-Jährigen.

Ermittlungsbeamte hatten in Hünfeld in der Zelle des wegen schwerer Straftaten (unter anderem  Körperverletzung mit Todesfolge) Verurteilten eine Liste mit Adressen von Neo-Nazis gefunden, darunter offensichtlich auch den Namen von Zschäpe. Auch soll der Inhaftierte Kontakte zur "NSU" zugegeben haben. In welche anderen Bundesländer das rechtsradikale Gefängnis-Netzwerk noch geknüpft wurde, ist bis dato unklar. Zumindest nach Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein könnte es reichen. Initiator Bernd T. ist jedenfalls in der Szene kein Unbekannter. Er soll sich dem Verfassungsschutz nach Enttarnung der "NSU"-Terrozelle als Informant angeboten und behauptet haben, er habe sich 2006 mit  den beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Kassel konspirativ getroffen. Dort war ein Internetcafé-Betreiber ermordet worden. Überprüfungen konnten Aussage von Bernd T. allerdings nicht erhärten.

Die hessischen Ermittler waren schon im vergangenen Oktober der rechten "JVA-Unterwanderungs-Offensive" durch eine Kleinanzeige in einem Biker-Magazin auf die Spur gekommen. Darin hatte T.  für eine "Gefangenen-Hilfsorganisation" geworben und den Start der  mit einer Reihe von rechtsradikalen Symbolen versehenen  Initiative mit dem Namen "AD Jail Crew 14er" für den 20. April angekündigt – dem Geburtstag Hitlers.  In der Anzeige war außerdem ausdrücklich vor der Post-Kontrolle in der JVA Hünfeld gewarnt worden, bestätigte Hahn. Das hessische Landeskriminalamt hat nun im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt die Ermittlunen übernommen – wegen des Verdachts der Gründung einer verbotenen Vereinigung. Aus "inoffiziellen Quellen" verlautete, dass es in Hessen bis jetzt drei Verdächtige im Zusammenhang mit einem rechten Gefangenen-Netzwerk gibt.

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