Klartext: Wir offenbaren in Kommentaren in Social Media

Klartext von Christopher Göbel
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Klartext von Christopher Göbel

Redakteur Christopher Göbel und die trübe Zeit zum Jahresbeginn 2022

Was ist das nur für eine Zeit gerade? Positives Denken ist gerade eine Illusion – auch wenn ich es mit aller Kraft versuche. Rundum hört, sieht und liest man schlechte Nachrichten. Möglicher Krieg im Osten, tote Kinder in Bayern, Coronamaßnahmen werden weitergeführt, Inzidenzen steigen, Inzidenzen können wegen eines Software-Updates im Landkreis Fulda nicht mehr berechnet werden, Amoklauf in Heidelberg, feucht-kaltes und trübes Wetter ... mir ist so gar nicht danach, mich über etwas zu freuen.

Und da fallen mir noch die sogenannten „Spaziergänge“ ein, die immer wieder eskalieren, in denen gewaltbereite Menschen mitlaufen, die zumeist Impfgegner oder Coronaleugner sind. Und die sich für eine Mehrheit halten. Aber: Rund 75 Prozent der Deutschen sind mindestens einmal gegen Corona geimpft, rund 50 Prozent sind geboostert.

Was da montags durch die Straßen läuft und verbotenerweise demonstriert, ist also keineswegs eine Mehrheit der Bundesbürger. Wohl eher ein Bruchteil eines Viertels. Aber sie sind laut. Und so müssen sich die „Spaziergänger“ auch gefallen lassen, „mit Nazis zu marschieren“ oder gewaltbereit zu sein. Auch wenn Rechtsradikale und Aggressoren die Minderheit unter ihnen darstellen.

Ich habe diese Woche eine Diskussion unter einem „Facebook“-Post unserer Zeitung verfolgt. Es ging um die Demo zur Verkehrswende mit Abseilaktion auf der A7. Und da wurde mir eines klar. Manche Menschen, die sich in sozialen Netzwerken tummeln, messen mit zweierlei Maß. Es sind nämlich dieselben, die die „grünen“ Demonstranten als „Minderheit“ und „Spinner“ bezeichnen, die bei Posts über „Montagsspaziergänge“ aber oft ihre Zustimmung bekunden.

„Interessant, dass eine verschwindende Anzahl bekloppter die Mehrheit der Bevölkerung ausbremsen kann und darf“, schreibt einer. Hmm... Moment mal. Was machen denn die Montagsspaziergänger? Sind sie nicht eine verschwindend geringe Anzahl an Menschen, die die Mehrheit der Bevölkerung ausbremsen wollen?

„Alle 40 Verhaften in Knast stecken, sofort Verurteilen Führerscheine entziehen und alle Einsätze bezahlen lassen sollten sie im Staatsdienst befinden fristlos Entlasten“, schreibt ein anderer. Hmm... Moment mal. Wer bezahlt denn die Polizeieinsätze bei den „Montagsspaziergängen“?

„Absolute Frechheit wer erlaubt diesen ,Leuten‘ die andern Mitmenschen so zu drangsalieren und zu behindern“, schreibt ein weiterer. Hmm... Moment mal. Wer blockiert montags die Straßen und Straßenüberquerungen beim „Spazieren“ und behindert damit andere Verkehrsteilnehmer?

Wir als Redaktion zensieren die „Facebook“-Kommentare übrigens nur, wenn sie gegen unsere geltenden Netiquette verstoßen. So lange sie vielleicht unsachlich, aber nicht beleidigend sind, lassen wir sie stehen. Warum? Ganz einfach: Auch im Internet hat jeder das Recht, seine Gesinnung – welcher Art sie auch sei – offenzulegen und sich damit selbst zu offenbaren. Die Kommentare sprechen oft für sich und zeigen, wes Geistes Kind die Verfasserin oder der Verfasser ist.

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