Klartext: Für Ungeimpfte ist das Jahr gelaufen

Christopher Göbel
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Christopher Göbel

Redakteur Christopher Göbel zu den neuen 2G-Regelungen im Handel und die Situation Ungeimpfter

Nun ist es also soweit: Der Lockdown für Ungeimpfte ist da. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat verkündet, dass Ungeimpfte nicht mehr in Geschäfte dürfen – außer in Supermärkte, Drogerien und Apotheken. Das dürfte einige derjenigen, die sich bisher zu keiner Corona-Impfung durchringen konnten, vor große Probleme stellen.

Ich stelle mir da mal eine deutsche Durchschnittsfamilie vor. Mama, Papa, zwei Kinder. Alle ungeimpft. Weihnachten steht vor der Tür. Geschenke kaufen? Außer dem, was die Supermärkte und Drogerien anbieten, können sie nirgendwo einkaufen. Was bleibt? Onlineshopping? Aber was, wenn das Konto leer ist und die Bonität angekratzt? Dann gibt es auch online nichts. Jetzt gibt es nur noch die Möglichkeit, geimpfte Verwandte oder Bekannte auf Einkaufstour zu schicken.

Es wird also ungemütlich für diejenigen, die bisher nicht geimpft wurden. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Kaum Verständnis bringe ich für diejenigen auf, die sich aus Querdenkertum, Angst vor Bill Gates oder sonstigen (vernunftfremden) Gründen nicht impfen lassen. Die Zahlen besagen, dass sich momentan mehr Menschen impfen lassen. Das ist positiv zu bewerten. Aber auch für diejenigen, die sich jetzt für eine erste Impfung entschieden haben, ist das Jahr weitgehend gelaufen. Bis 14 Tagen nach der Zweitimpfung gilt man nämlich offiziell als ungeimpft. Wenn wir also Erstimpfung, mindestens vier Wochen bis zur Zweitimpfung und dann nochmal 14 Tage bis zum vollständigen Impfschutz rechnen, dann sind wir schon in der zweiten Hälfte des Januars 2022. Wer also zumindest im nächsten Jahr wieder halbwegs am (gesellschaftlichen) Leben teilnehmen möchte, für den wird es nun höchste Eisenbahn mit der Erstimpfung. Mediziner aus unserer Region appellieren an alle Ungeimpften, sich die Spritze setzen zu lassen. Mehrere Artikel dazu lesen Sie in dieser Ausgabe.

Was aber bedeutet die 2G-Regelung für den Einzelhandel? Die Geschäftsleute sind durch mehrere Lockdowns schon arg gebeutelt worden. Und nun müssen sie im normalerweise hochfrequentierten Weihnachtsgeschäft auch noch Personal abstellen, am Eingang alle Kunden zu überprüfen. Korrekterweise müssen dafür Impf- oder Genesenennachweis in Verbindung mit einem Ausweisdokument vorgezeigt werden. Das ist ein hoher Aufwand für die Geschäfte, der bewältigt werden muss. Man könnte fast sagen, dass diejenigen Glück haben, die rechtzeitig ein zweites Standbein im Onlinehandel eingerichtet haben.

Die 2G-Regelung im Handel ist vielleicht zum einen eine Art Bestrafung für die Ungeimpften, kann aber auch dazu dienen, allen anderen eine gewisses Sicherheitsgefühl beim Shopping zu geben. Zwar haben die Geschäftsinhaber seit Beginn der Pandemie viele Ideen entwickelt und umgesetzt, um Abstände zu gewährleisten und das Infektionsrisiko in ihren Läden zu minimieren, aber letztendlich müssen sich die Kunden auch daran halten.

Ich hoffe, dass der Handel diese schwierige Zeit dennoch übersteht und das Weihnachtsgeschäft nicht aufgrund von 2G ins Wasser fällt. Sicher ist aber, dass diejenigen, die sich ihre zweite oder die Booster-Impfung bereits geholt haben, in den kommenden Wochen deutlich weniger Unannehmlichkeiten beim Shoppen, Essengehen oder allgemein im Leben haben werden als die Ungeimpften.

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